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14.06. – Weltblutspendetag 2026 – Warum Blutprodukte für die Notfallmedizin so von Relevanz sind!

Der Weltblutspendetag wird jedes Jahr am 14. Juni begangen – dem Geburtstag von Karl Landsteiner, dem Entdecker der Blutgruppen. Er wurde 2004 von WHO, Rotkreuz‑Organisationen und Fachgesellschaften ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung freiwilliger Blutspenden aufmerksam zu machen.

Der Aktionstag erinnert nicht nur an die Bedeutung freiwilliger Blutspender*innen in der ganzen Welt, sondern auch daran, dass die moderne Medizin und vor allem auch die Notfallmedizin ohne Blutprodukte nicht möglich wäre. Ob Polytrauma nach Verkehrsunfall, massive gastrointestinale Blutung, geburtshilfliche Komplikation oder große chirurgische Eingriffe – Blutkonserven entscheiden täglich über Leben und Tod.

Millionen Menschen weltweit sind auf Bluttransfusionen angewiesen. Blut bleibt dabei ein einzigartiges „Notfallmedikament“, das bis heute nicht künstlich hergestellt werden kann.

Zentrale Statistiken zur Blutproduktnutzung in Deutschland

In Deutschland werden jährlich 3.000.000 Blutspenden benötigt, darunter täglich rund 10.000 Erythrozytenkonzentrate (EK). Diese Zahl umfasst die gesamte klinische Versorgung, insbesondere die Notfallmedizin, Unfallchirurgie, Intensivmedizin, Onkologie und Herzchirurgie.

Für das Jahr 2024 meldete das Paul-Ehrlich-Institut 6.908.141 Gesamtspenden, davon etwa 3.600.000 Vollblutspenden und 3.150.000 Plasmapheresen. Die Zahlen verharren seit 2020 auf diesem Niveau, was die Versorgungslage chronisch angespannt lässt.

Für das Berichtsjahr 2019 wurde im TraumaRegister der DGU dokumentiert, dass 1.820 Schwerverletzte bereits innerhalb von durchschnittlich 50 Minuten nach Schockraumaufnahme Bluttransfusionen erhielten. Im Durchschnitt erhielten die Patient*innen 5 Blutkonserven, also 1,5 Liter. Allein für die Unfallchirurgie werden insgesamt jährlich rund 10.000 Blutkonserven benötigt.

Eine Analyse von fast 12.000 pädiatrischen Fällen aus dem DGU TraumaRegister (2024) zeigt, dass bei 5,9 % der schwerverletzten Kinder und Jugendlichen eine Transfusion von Erythrozytenkonzentraten erforderlich war. Zu den größten Prädiktoren für eine Transfusionspflichtigkeit zählten hierbei penetrierende Verletzungen, ein GCS 8 und die Notwendigkeit einer prähospitalen Intubation.

Das Paul-Ehrlich-Institut analysierte in einer Studie von Fiedler et al. (2023) die Jahre 2009 bis 2021 und kam zu folgenden Ergebnissen:

  • kontinuierlicher Rückgang der Herstellung von Blutkomponenten
  • gleichzeitig weiterhin hoher klinischer Bedarf

Versorgungslage mit Blutkonserven

Das sogenannte „Blutspendebarometer“ des Paul-Ehrlich-Institut zeigt die aktuelle nationale Versorgungslage auf Basis von mehr als der Hälfte aller in Deutschland hergestellten EK. Die Zahlen auf der Plattform werden wöchentlich aktualisiert.

Blutspendebarometer für die KW 20 2026

Da Blutprodukte nur begrenzt haltbar sind, sind regelmäßige Spenden entscheidend. Gerade Thrombozyten sind ein Engpassprodukt – ohne kontinuierliche Spenden kommt es schnell zu Versorgungsengpässen.

Haltbarkeit von Blutprodukten
– EK: ca. 42 Tage
– TK: 4 – 5 Tage
– Plasma: tiefgefroren länger haltbar, aber begrenzte Verfügbarkeit

Warum Blutprodukte in der Notfallmedizin durch nichts zu ersetzen sind?

Bei schweren Traumata mit massivem Blutverlust verlieren Patient*innen nicht nur intravasales Volumen und damit Sauerstoffträger in Form der Erythrozyten. Durch Gewebeschäden, Schock und Hypoperfusion wird parallel eine komplexe Gerinnungsstörung getriggert: die Trauma-induzierte Koagulopathie (TIC).

Schon bei Eintreffen im Schockraum weisen bis zu 25 % der schwerverletzten Patienten eine solche manifeste Koagulopathie auf. In Kombination mit Auskühlung und Übersäuerung des Blutes entsteht die gefürchtete Letale Trias (Hypothermie, Azidose, Koagulopathie).

Die klassische Volumentherapie mit kristalloiden Infusionslösungen verdünnt hier die noch vorhandenen Gerinnungsfaktoren zusätzlich und verschlechtert die TIC. Kristalloide transportieren keinen Sauerstoff und gerinnen nicht!

Damage Control Resuscitation (DCR): Das „1:1:1“-Paradigma

Die Erkenntnis, dass kristalloide Lösungen bei unkontrollierten Blutungen mehr schaden als nutzen können, hat zu einem Paradigmenwechsel geführt: der Damage Control Resuscitation. Ziel ist die permissive Hypotension (bis zur Blutungskontrolle) und der frühzeitige Einsatz von Blutprodukten.

Bei einer Massivtransfusion wird heute in vielen Traumazentren ein Verhältnis von 1:1:1 angestrebt:

  • 1 Teil Erythrozytenkonzentrate (EK) –> Sicherstellung der Gewebeoxygenierung
  • 1 Teil Fresh Frozen Plasma (FFP) –> Substitution von Gerinnungsfaktoren
  • 1 Teil Thrombozytenkonzentrate (TK) –> primäre Hämostase

Die wegweisende PROPPR-Studie (Pragmatic, Randomized Optimal Platelet and Plasma Ratios) verglich 2015 die Verhältnisse 1:1:1 und 1:1:2. Auch wenn der primäre Endpunkt (Gesamtmortalität nach 24 h) nicht signifikant unterschiedlich war, erreichten Patient*innen in der 1:1:1-Gruppe schneller eine Hämostase und starben seltener an Verbluten.

prähospitale Blutgabe – Der nächste logische Schritt?

Die prähospitale Gabe von Blutprodukten (oder Vollblut) gewinnt zunehmend an Bedeutung, stellt aber an die Rettungsdienste enorme logistische Anforderungen (Kühlketten, Verfallsdaten, Kosten).

Die PAMPer-Studie (Prehospital Plasma during Air Medical Transport in Trauma Patients) zeigte 2018 eindrucksvoll, dass die prähospitale Gabe von Plasma durch luftgebundene Rettungsmittel die 30-Tage-Mortalität signifikant senken kann. In Deutschland haben immer mehr Rettungshubschrauber, und auch bodengebundene Spezialfahrzeuge, die Vorhaltung von Erythrozytenkonzentraten und Plasma oder lyophilisiertem Plasma (LyoPlas) im prähospitalen Setting etabliert.

Auswertungen des DGU TraumaRegisters zeigen, dass in Deutschland jährlich zwischen 300 und 1.800 Traumapatient*innen von einer prähospitalen Gabe von Blutprodukten (anstatt reiner Kristalloide) signifikant profitieren würden, um die präklinische Letalität durch Verbluten zu senken.

Fazit

Blutspenden sind ein zentraler Pfeiler der Notfallmedizin. Sie ermöglichen lebensrettende Eingriffe, sichern die Versorgung bei schweren Blutungen und stellen essenzielle Medikamente bereit.

Trotz aller Fortschritte in der Intensiv- und Notfallmedizin, trotz Tranexamsäure und moderner Gerinnungsdiagnostik (wie ROTEM/TEG): Künstliches Blut, das alle Funktionen des menschlichen Blutes adäquat ersetzen kann, gibt es bisher nicht.

Quellen

Published inWelttag...

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