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11.02. – Europäischer Tag des Notrufes – Die Geschichte des Notrufs

Jedes Jahr am 11. Februar wird der Europäische Tag des Notrufs 112 begangen. Dieser Aktionstag wurde im Jahr 2009 vom Europäischen Parlament, dem Rat der Europäischen Union und der EU-Kommission gemeinsam eingeführt, um die europaweite Gültigkeit und Bedeutung der einheitlichen Notrufnummer 112 sichtbarer zu machen. Die Wahl des Datums ergibt sich aus der Notrufnummer selbst (11/2).

Ziel des Aktionstages ist es, sowohl die Bekanntheit der europäischen Notrufnummer zu erhöhen als auch das Vertrauen in ein gemeinsames, lebensrettendes System zu stärken – insbesondere für Menschen, die innerhalb Europas reisen oder leben.

Geschichte des Notrufs in Deutschland

frühe Entwicklungen

In Deutschland gab es ursprünglich keine einheitlichen Notrufnummern; bis 1973 war die Alarmierung von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst örtlich unterschiedlich geregelt. In den 1950er Jahren wurde bspw. die 110 als polizeiliche Notrufnummer festgelegt.

Ein entscheidender Einschnitt war der tragische Unfall des achtjährigen Björn Steiger im Jahr 1969, dessen verzögerte Rettung die Diskussion über systematische Verbesserungen im Notrufwesen auslöste. Die Eltern von Björn Steiger gründeten noch im selben Jahr die Björn Steiger Stiftung, die maßgeblich für ein flächendeckendes, modernes Notruf- und Rettungssystem kämpfte. Ihr Engagement führte zu tiefgreifenden Veränderungen – darunter die Einführung einer einheitlichen Notrufnummer. Die Stiftung gilt als zentraler Motor dafür, dass die 112 später europaweit etabliert wurde.

1971 ließ das Bundesverkehrsministerium probeweise 100 Notruftelefone in mehreren Bundesländern installieren. Da die Länder jedoch eine finanzielle Beteiligung ablehnten, stellte der Bund das Projekt ein. In der Folge übernahm die Björn Steiger Stiftung selbst die Initiative und stattete rund 35.000 Kilometer Bundes- und Landesstraßen mit Notruftelefonen aus.

Anfang 1973 führte die Deutsche Bundespost in allen Ortsnetzen des damaligen Regierungsbezirks Nordwürttemberg die Notrufnummern 110 und 112 ein. Nachdem eine bundesweite Einführung zunächst scheiterte, reichte Siegfried Steiger am 27. Juli 1973 Klage gegen das Land Baden‑Württemberg und die Bundesrepublik Deutschland ein, um die Einführung der Notrufnummern durchzusetzen. Das Verwaltungsgericht Stuttgart wies die Klage am 3. September 1973 wie zu Erwarten ab, doch der Vorgang löste breite öffentliche Unterstützung und genügend politischen Druck aus, sodass die Björn Steiger Stiftung am Ende Erfolg hatte.

bundesweite Vereinheitlichung 1973

Am 20. September 1973 führten die Bundesrepublik und die Länder bundesweit einheitliche Notrufnummern ein:

  • 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst
  • 110 für Polizei

Damit begann in Deutschland die standardisierte Notruforganisation im Telefonsystem.

Die Einführung dieser einheitlichen Notrufnummern war ein Meilenstein: Seitdem ist der Notruf direkt und schnell erreichbar, ohne dass Betroffene erst in Verzeichnissen nach lokalen Nummern suchen müssen.

Europaweite Standardisierung – Von CEPT zur EU

europäische Empfehlung 1976

Bereits 1976 empfahl die European Conference of Postal and Telecommunications Administrations (CEPT) die Verwendung einer einheitlichen Notrufnummer in Europa – der zukünftigen 112.

EU-Einführung 1991

Am 29. Juli 1991 beschloss der Rat der Europäischen Gemeinschaften, die Notrufnummer 112 europaweit einzuführen. Ziel war es, allen Bürgern in den damals 12 Mitgliedstaaten eine einheitliche, leicht merkbare und gebührenfreie Notrufnummer zur Verfügung zu stellen.

Seit diesem Beschluss ist die 112 nicht nur in allen EU-Mitgliedstaaten, sondern in vielen weiteren europäischen Ländern implementiert worden. Sie kann von allen Festnetz- und Mobiltelefonen aus gewählt werden – auch ohne SIM-Karte oder Netzverbindung.

zusätzlicher EU-Rechtsrahmen

Mit EU-Richtlinien und Verordnungen wurde der Zugang zu 112 weiter geregelt:

  • Gebührenfreiheit aus allen Netzen seit 1998
  • Übermittlung von Standortdaten der Anrufer seit 2003
  • Verpflichtungen zur barrierefreien Nutzung und technischen Weiterentwicklung in den Mitgliedstaaten

Bedeutung der 112 heute

Die europaweite Notrufnummer 112 bietet folgende Vorteile:

  • einheitliche Erreichbarkeit: ein Notruf in ganz Europa mit einer Nummer
  • gebührenfreie Nutzung: kostenfrei aus allen Festnetz- und Mobilfunknetzen
  • lebensrettende Effizienz: Anrufer*innen werden direkt mit der zuständigen lokalen Leitstelle verbunden, die Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei alarmiert
  • Symbol der europäischen Integration: 112 gilt als gemeinsames Zeichen für Hilfe und Solidarität quer durch Europa

Trotz der langen Geschichte ist die europaweite Bekanntheit der Nummer nicht grenzenlos – Studien zeigen, dass in manchen Ländern ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht wusste, dass 112 in allen EU-Staaten gilt.

Quellen

Published inWelttag...

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