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KlimaNotfall – Positionspapier „Perspektiven, Handlungsstrategien und Lösungsansätze für eine klimaresiliente und treibhausgasarme Gesundheitsversorgung“

Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF), die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), die Deutsche Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie (GAA), das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM Netzwerk), die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) zusammen mit ihrem Thinktank Centre for Planetary Health Policy (CPHP), die Arbeitsgruppe „Erhebung und Nutzung von Sekundärdaten“ (AGENS) der Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS), die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Public Health (DGPH) und die Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) haben gemeinsam das Positionspapier „Perspektiven, Handlungsstrategien und Lösungsansätze für eine klimaresiliente und treibhausgasarme Gesundheitsversorgung“ am 29.07.2026 veröffentlicht. Die Kurzfassung des Positionspapieres gibt es nachfolgend.

Themenfeld „Stärkung und institutionelle Verankerung transformativer Forschung“

  • wissenschaftliche Begleitung gesellschaftlicher Veränderungsprozesse
    • gesellschaftliche Veränderungsprozesse in Reaktion auf den Klimawandel hin zu nachhaltiger Entwicklung auf Basis von Evidenz gestalten und wissenschaftlich begleiten
    • Entscheidungsträger*innen bereits aktiv in den Forschungsprozess einbinden (konkrete Maßnahmen/Interventionen dabei stets in Bezug auf ihren Sinn bzw. die Erreichung ihres Ziels evaluieren)
  • Beteiligung von Bürger*innen und gesellschaftliche Akzeptanz
    • essenziell, dass nicht nur politische Akteur*innen und Entscheidungsträger*innen, sondern auch Bürger:innen aktiv in den Prozess eingebunden werden, um gesellschaftliche Akzeptanz und Mitgestaltung zu fördern
    • Einbeziehung der Bevölkerung ermöglicht es, Perspektiven aus verschiedenen Lebensrealitäten zu berücksichtigen, gemeinsam relevante Fragestellungen und Lösungsansätze zu entwickeln und die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen demokratisch zu legitimieren (CAVE: wissenschaftliche Ergebnisse daher so aufbereiten und kommunizieren, dass sie für die breite Öffentlichkeit zugänglich und nachvollziehbar sind, um eine aktive Teilhabe zu ermöglichen)
  • Transparenz von und Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen
    • Ausbau beschreibend-analytischer und transformativer Forschungsansätze, die durch vertrauenswürdige und transparente Prozesse Wissen generieren
    • Ergebnisse schnell, barrierefrei und zielgruppengerecht veröffentlichen –> hierfür Informationsplattformen schaffen und etablieren, um eine gute und zielgenaue Entscheidungsgrundlage für entsprechende Maßnahmen zur klimaresilienten und treibhausgasarmen Gesundheitsversorgung für die Gesamtbevölkerung gewährleisten zu können
    • schließlich evidenzbasierte Handlungsempfehlungen und Interventionen in Gesundheit und Versorgung rasch durch Entscheidungsträger:innen umsetzen (CAVE: klare Regeln notwendig, wie z. B. eine starke Einbindung von entscheidungskompetenten Institutionen in den Forschungs- und Veränderungsprozess oder die Einrichtung und Förderung von Implementierungsphasen)

Themenfeld „Weiterentwicklung von Forschungsförderung und -vernetzung“

  • langfristige und koordinierte Forschungsförderung für die Gesundheitsversorgung in Zeiten des Klimawandels
    • Klimawandel bringt langfristige und dynamische Veränderungen in der Gesellschaft mit sich, z. B. bedingt durch Transformationen oder gänzlich neue Phänomene und Folgen von klimatischen und Umweltveränderungen
      • Veränderungen und damit einhergehende notwendige politische Entscheidungen und Ausrichtungen durch die Wissenschaft begleiten
      • Planung und Durchführung wissenschaftlicher Projekte erfordert längere zeitliche Intervalle und eine evidenzbasierte, strukturierte Ableitung von Handlungsempfehlungen
    • regelmäßige, langfristige und projektübergreifende Fördermöglichkeiten für eine kontinuierliche Forschung, Surveillance und Umsetzung der Gesundheitsversorgung werden, z.B. zufolgenden Themen benötigt:
      • Vermeidung von Über-, Unter- und Fehlversorgung im Gesundheitswesen
      • Schutz besonders gefährdeter Gruppen/Hochrisikogruppen
      • nachhaltiger Umbau des Gesundheitssystems
      • Evaluation von Transformationsmaßnahmen
  • interdisziplinäre und intersektorale Vernetzung für die Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit
    • interdisziplinäre und intersektorale Vernetzung mit einer Vielzahl involvierter Forschungsdisziplinen notwendig (komplexe Sachverhalte durch unterschiedliche Perspektiven der einzelnen Disziplinen und Sektoren analysieren)
    • Umwelt- und Klimawissenschaften können die klimatischen und ökologischen Veränderungen des Klimawandels quantifizieren und qualifizieren
      • Epidemiologie und Public Health sind die wissenschaftlichen Fachdisziplinen, mit deren Expertise sich gesundheitliche Folgen dieser klimatischen Veränderungen für die menschliche Gesundheit auf Bevölkerungsebene quantifizieren lassen
      • Versorgungsforschung wiederum antizipiert und beobachtet Folgen dieser Veränderungen für die Versorgungslandschaft und die Gesundheitssysteme und entwickelt und evaluiert entsprechend angepasste Versorgungsformen
      • Sozialwissenschaften leisten wesentlichen Beitrag zu den sozialen Determinanten von Gesundheit, indem sie z.B. vulnerable Gruppen identifizieren oder Mehrfachbelastungen (z.B. gesundheitliche und sozioökonomische Vulnerabilität) untersuchen sowie die Wahrnehmung der Gesellschaft zu Risiken des Klimawandels analysieren
      • Addressieren des Einfluss von Gesundheits- und Klimawandelkompetenz von Wichtigkeit
      • Ansätze und Methoden der evidenzbasierten Medizin können zum Verständnis und zur Verringerung individueller Gesundheitsrisiken durch den Klimawandel beitragen und den aktuellen wissenschaftlichen Stand sowie bestehende Forschungslücken zum untersuchten Thema abbilden
    • Interaktion der verschiedenen Forschungsdisziplinen sollte darauf abzielen, methodische Expertise zu bündeln und die Entwicklung neuer Methoden und Disziplinen (z.B. Climate Epidemiology, Implementierungsforschung) zu fördern
    • zusätzlich vermehrt sektorenübergreifende und interdisziplinäre Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), Kommunen, Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen, Ständevertretungen, Fachgesellschaften, Gesundheitswissenschaftler*innen, Naturwissenschaftler*innen, Kommunikationswissenschaftler*innen, und Pflegewissenschaftler*innen (CAVE: relevant ist auch die Einbindung von Stadtplanung, der Krankenhausplanung der Länder sowie Mobilitäts- und Ernährungsfachpersonen und entsprechenden Institutionen, um weitere relevante Akteur*innen einzubinden)
    • auf politischer Ebene Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen (WBGU)“ und „Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU)“ über beratende Funktion hinaus erweiterte Mandate und Ressourcen übertragen, um Wirksamkeit und politische Einflussnahme zu erhöhen (Unterstützung der konzeptionellen Zusammenarbeit aller Beteiligten und Förderung der Vernetzung zwischen Forschenden und politischen Entscheidungsträger*innen)

Themenfeld „Sicherstellung von Datenzugang und Förderung von Datenverknüpfung“

  • transparenter, schneller und pragmatischer Zugang zu Gesundheitsdaten für Forschung und Surveillance/Monitoring
    • wissenschaftliche Forschung und Surveillance/Monitoring benötigt zur Schaffung handlungsleitender Evidenz transparenten, raschen und pragmatischen Zugang zu Gesundheitsdaten und die Möglichkeit zur Verknüpfung mit hochauflösenden Umweltexpositionsdaten und Informationen zu individuellen Einstellungen, Kompetenzen und Verhalten bezüglich klima- und gesundheitsrelevanter Aspekte unter Einhaltung datenschutzrechtlicher Regularien
    • Notwendigkeit von tagesgenauen und integrierten Daten aus der Akutversorgung für den Aufbau von Frühwarnsystemen, die flexibel auf die aktuelle Gefährdungslage reagieren können (z.B. erhöhen Hitze u.a. das Herzinfarktrisiko, v.a. dann, wenn diese mit tropischen Nächten einhergehen)
  • höhere räumliche Auflösung und längere Historisierung von Gesundheitsdaten
    • Integration von Daten aus verschiedenen Quellen, wie Satelliten- & Sensordaten, kann die räumliche & zeitliche Auflösung verbessern, was v.a. für Analysen zum Mikroklima (z.B. Vergleich von dicht vs. weniger dicht bebauten Stadtteilen) entscheidend ist

Themenfeld „Ausbau von Bildungs- und Informationsmöglichkeiten“

  • systematische Integration von Klimawandel und Gesundheit in Lehrpläne
    • Konzipierung, Evaluierung und flächendeckende Implementierung von Curricula über den Zusammenhang von klimatischen Veränderungen und deren Auswirkung auf die menschliche Gesundheit und Gesundheitsversorgung in Lehrplänen einschließlich Aus-, Fort- und Weiterbildungen notwendig, z.B.
      • Vermittlung von allgemeinem und fachlichem Wissen zu den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels an Health Professionals, inklusive der Auswirkungen auf Menschen, Natur und gesellschaftliche Systeme
      • Befähigung von Health Professionals, als Multiplikator*innen durch Aufklärung, Vorsorge und Beratung zu agieren
      • verpflichtende Schulungen für alle Gesundheitsberufe, einschließlich angehende Medizinpädagog*innen, durch gesetzliche Vorhaben und Anreize
      • Einrichtung eines langfristigen Monitoring-Systems zur regelmäßigen Überprüfung und Messung des Fortschritts in Studium, Aus- & Weiterbildung zum Thema Klimawandel und Gesundheit
  • Weiterbildung und Multiplikator*innen-Rolle von Health Professionals
    • praktizierende Gesundheitsfachkräfte benötigen kontinuierliche Weiterbildung und Aufklärung, um eine klima- & umweltbezogene Gesundheitskompetenz zu entwickeln und effektiv in der klimaresilienten & treibhausgasarmen Gesundheitsversorgung zu agieren
    • Health Professionals tragen aufgrund ihres gesellschaftlichen Vertrauens die Verantwortung, klimaresiliente Gesundheitskompetenz zu entwickeln (fungieren als Multiplikator*innen, die die Bevölkerung und Patient*innen zu klimaresilientem Gesundheitsverhalten informieren und beraten)
  • gesundheitliche Bildung für Bürger*innen
    • gesundheitliche Bildung für Bürger:innen in unterschiedlichen Settings ist essenziell, um die Bevölkerung auf die gesundheitlichen Risiken des Klimawandels vorzubereiten und gezielte Präventionsstrategien zu vermitteln
      • gezielte barrierefreie Schulungen und Aufklärungskampagnen stärken das Bewusstsein für die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels und fördern klimaresilientes und nachhaltiges Gesundheitsverhalten
      • Bildungseinrichtungen, Gesundheitsorganisationen und Behörden können Programme entwickeln, die den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit vermitteln, wie beispielhaft das WHO-Projekt „Climate and Health Literacy“
    • zentrale gesundheitliche Folgen des Klimawandels, wie z.B. veränderte Arzneimittelwirkungen bei Hitze, zunehmende Luftverschmutzung und ein erhöhtes Infektionsrisiko, stellen besondere Herausforderungen dar (CAVE: besonders vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen sowie sozial benachteiligte Menschen gezielt informieren)
    • wissenschaftliche Evidenz, wie z.B. der Zusammenhang zwischen Hitzestress bei Schwangeren und erhöhtem Risiko für frühzeitige Wehen und Fehlgeburten, sollte leicht zugänglich gemacht werden, um Risikofaktoren gezielt anzugehen

Themenfeld „konsequente Orientierung an Prävention, Mitigation und Adaptation“

  • Verhaltens- und Verhältnisprävention zur Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit und Gesundheitsversorgung
    • gezielte Forschung zu Verhältnis- und Verhaltensprävention in diversen Settings (u. a. Schule, Arbeit, Kindertagesstätten, Bildungseinrichtungen, Gesundheitswesen, öffentliche Plätze etc.) ist notwendig, die explizit die Partizipation und die spezifischen Bedarfe vulnerabler und/ oder benachteiligter Gruppen adressiert
    • Verhältnisprävention stärker in den Fokus rücken, da sie durch strukturelle Veränderungen langfristige und nachhaltige Effekte erzielt (Maßnahmen der Stadtplanung wie Zugang zu Grünflächen, Frischluftschneisen und verschatteten öffentlichen Plätzen sind mögliche Ansätze, da diese gesundheitliche Risiken durch Hitze reduzieren)
    • Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungs- und Infrastrukturumgebung sind wichtig für den Gesundheitsschutz, v.a. für sozial benachteiligte Gruppen, dazu gehören u. a.:
      • Ausbau einer leicht zugänglichen, gesunden und nachhaltigen Gemeinschaftsverpflegung
      • flächendeckender Zugang zu Trinkwasserbrunnen und „Kälteinseln“ mit Informationsangeboten
      • Bereitstellung sauberer, kostenloser und barrierefreier Toiletten, um die Flüssigkeitsaufnahme vor allem bei älteren Menschen zu unterstützen
    • laut 3-Säulen-Modell für Nachhaltigkeit (Ökonomie, Kultur, Soziales) wird Infrastruktur für aktive Mobilität und stärkere Regulierung kommerzieller Determinanten von Gesundheit benötigt, z.B. Einschränkungen der Werbung für gesundheits- und klimaschädliche Produkte, um Verhaltens‑ & Umweltbedingungen gleichermaßen zugunsten einer nachhaltigen Gesundheitsförderung zu transformieren
    • Hitzeaktionspläne sollten strukturelle und individuelle Gesundheitsförderungs- & Präventionsangebote bündeln und gezielt auf die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen zugeschnitten werden
      • Krankenhäuser, hausärztliche Praxen und ÖGD aktiv in die Umsetzung von Hitzeaktionsplänen einbinden, um flächendeckende Versorgung sicherzustellen
      • Gesundheitseinrichtungen sollen sich auch selbst durch gezielte Hitzeaktionsplanung vorbereiten
    • präventive Maßnahmen wie Hitzeaktionspläne, Ernährungs- & Bewegungsprogramme sowie Maßnahmen der kurativen Medizin wissenschaftlich begleiten und bei nachgewiesener Wirksamkeit in verschiedenen Settings flächendeckend etablieren (Gesundheitsversorgungseinrichtungen sowie ÖGD fungieren als zentrale Akteur*innen, um die Maßnahmen effektiv zu koordinieren und umzusetzen)
  • barrierefreie und sozial gerechte Präventionsmaßnahmen
    • Wissensvermittlung sollte barrierefrei, in einfacher Sprache und unter Einbeziehung positiver Zukunftsbilder erfolgen, um individuelle und öffentliche Bewusstseinsbildung zu fördern (CAVE: Niedrigschwellige Angebote wie Informationsveranstaltungen in öffentlichen Räumen zentral, um vulnerable Gruppen direkt anzusprechen und ihnen praktische Anpassungsmaßnahmen zu vermitteln)
    • Präventionsansätze sozial gerecht gestalten, um benachteiligte Gruppen, die besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, zu unterstützen (v.a. gesellschaftsbasierte Ansätze, bei denen lokale Akteur*innen, wie Personen aus Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie der Gesundheitsversorgung, in die Planung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen einbezogen werden)
    • Klimaanpassungsstrategien gezielt in bestehende Programme der Gesundheitsversorgung integrieren, z.B. durch hausärztliche Praxen oder mobile Gesundheitsdienste, um präventive Angebote auf die Bedürfnisse benachteiligter Menschen auszurichten
  • systematische Verbesserung des Katastrophenmanagements unter Berücksichtigung vulnerabler Gruppen und psychischer Gesundheit
    • umfassende Verbesserungen im Katastrophenmanagement notwendig, welche alle Phasen (Katastrophen- und Krisenvermeidung, -vorsorge, -bewältigung und Wiederherstellung) systematisch adressieren
    • vulnerable Gruppen, wie Menschen mit Behinderungen, pflegebedürftige und/oder ältere Menschen und sozial benachteiligte Gruppen, gezielt in die Katastrophenvorsorge einbeziehen
    • Implementierung adäquater Evakuierungspläne, regelmäßige Notfallübungen sowie die Sicherstellung funktionierender Kommunikationsketten, um die Handlungsfähigkeit aller Beteiligten im Ernstfall zu gewährleisten
    • notwendig ist auch Integration der psychischen Gesundheit in die Katastrophenvorsorge und -bewältigung (z.B. führenExtremwetterereignisse wie Flutkatastrophen und Hitzewellen zu Anstieg von Depressionen, Angststörungen & Substanzmittelmissbrauch)
    • präventive Maßnahmen, wie psychologische Schulungen für Einsatzkräfte, priorisieren und psychische Gesundheitsdienste in Katastrophenpläne integrieren, um umfassende Versorgung sicherzustellen

Themenfeld „Ausrichtung des Gesundheits- und Forschungssektors an Prinzipien der Nachhaltigkeit und Klimaneutralität“

  • verpflichtende Vorgaben und Ziele zur Reduktion von Treibhausgasemissionen
    • Ziel sind verpflichtende Vorgaben und Ziele zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und einem bewussten Einsatz von Ressource (z.B. über ein Bonussystem für bereits implementierte Maßnahmen bzw. ein Malussystem für nicht erreichte Ziele)
    • denkbar wäre die Ausarbeitung einer ganzheitliche Strategie in Zusammenarbeit mit der Selbstverwaltung, inklusive Überwachung der Erreichung von Zwischenzielen sowie die Ermöglichung gesetzlicher Weichenstellungen, ausgehend von der Bundesregierung bzw. des Bundesministeriums für Gesundheit (z.B. Verankerung von Nachhaltigkeit im Sozialgesetzbuch, Vorgaben im Medizinprodukte- & Arzneimittelsektor sowie Förderprogramme für Gebäudehüllensanierung)
  • Entwicklung von Strategien und Konzepten für ein treibhausgasarmes Gesundheitswesen
    • auf struktureller Ebene ist die Entwicklung von Strategien & Konzepten für ein treibhausgasarmes bzw. klimaneutrales Gesundheitswesen erforderlich
    • erster Schritt wäre klare Analyse des Status Quo und ein Fahrplan zur Reduktion von Scope 1-, 2- und 3-Emissionen, angelehnt an andere Sektoren
    • sukzessive Einführung von Maßnahmen und Überprüfung ihrer Wirksamkeit, über gezielte Evaluationen (z.B. im Kontext Grüner Gesundheitssektor/Green Hospital, Policy-Analysen, Wirksamkeit bzw. Akzeptanz von spezifischen Maßnahmen, Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz, Mobilität/Dienstreisen und – fahrzeuge, Einbezug von Emissionen in Kosten-Nutzen-Vergleiche usw.)
    • mehr Nachhaltigkeit in der Versorgung u.a.durch die Reduktion von Überversorgung, z.B. durch Vermeidung von überflüssigen Untersuchungen und Arzneimitteln
    • weitere Kernpunkte der nachhaltigen Gestaltung betreffen Energiesektor, Rohstoffbeschaffung, Produktions- & Transportprozess der Medikamente bis hin zur Entsorgung von Verpackungs- & Altmedikamentenmüll –> Maßnahmen an klar messbaren Zielparametern ausrichten
  • Vermeidung von Treibhausgasemissionen im Forschungswesen
    • im Forschungswesen zunächst Vermeidung von Treibhausgasemissionen auf die Agenda setzen, u.a. hoher Anteil durch Konferenz- & Forschungsreisen
    • genereller Standard bei Ausschreibungsverfahren zu Forschungsprojekten
    • wichtiger Handlungshorizont im Forschungsbereich betrifft die Vermeidung von „research waste“ (Ineffizienzen im Forschungsprozess, die zu einer Verschwendung von Ressourcen, Zeit & Aufwand beitragen und dazu führen, dass Studien keine oder wenig bedeutungsvolle Erkenntnisse liefern oder nur begrenzte Auswirkungen haben
    • Research waste kann durch schlecht konzipierte oder durchgeführte Studien, unzureichende Berichterstattung oder die mangelnde Berücksichtigung vorhandener Evidenz bei der Planung neuer Forschungsvorhaben entstehen
    • Ansatzpunkte für das Vermeiden von research waste in der Gesundheitsversorgung:
      • möglichst hohe Relevanz von Anwendungs- und Transferforschung für Dienstleistende Patient*innen & Entscheidungsträger:innen
      • angemessene Forschungsmethodik hinsichtlich Design und Analysen
      • Zugänglichkeit der Forschungsergebnisse
      • transparente Berichterstattung ohne Verzerrungen
    • CAVE: hochwertige Grundlagenforschung kann hohen Erkenntnisgewinn erzeugen, der nicht von unmittelbarem Nutzen für die Praxis sein muss (grundlagenorientierte Versorgungsforschung befasst sich mit dem Beschreiben, Verstehen und Erklären gesundheitlicher Versorgung sowie der dafür benötigten Theorie- & Methodenentwicklung)
Published inKlimaNOTFALL

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