veröffentlichende Fachgesellschaft: French Society of Emergency Medicine (SFMU)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.07.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://www.sfmu.org/upload/consensus/v2_recommandation_reflexion_SFMU_hyperthermie_board_AC.pdf
Patient*innen mit schwerem Hitzschlag
- Trias aus…
- schwerer Hyperthermie (Körpertemperatur > 40 °C)
- neurologische Symptome
- kürzlich erfolgte passive Umweltexposition (klassischer/passiver Hitzschlag) oder intensive körperliche Anstrengung (Belastungshitzschlag)
- Kontinuum klinischer Erscheinungsbilder von Schwäche/Kraftlosigkeit, Tachypnoe über isolierte neurologische Funktionsstörungen bis hin zum Multiorganversagen (initial neurologisch, dann respiratorisch und manchmal auch kardiozirkulatorisch)
- bei großflächigen, extremen Hitzewellen muss Diagnosestellung bei jeder noch so geringfügigen AZ-Verschlechterung, die mit neurologischen, psychischen oder respiratorischen Symptomen einhergehen kann, in Betracht gezogen werden, selbst bei Temperaturen < 40 °C
- selbst schwerste Symptome können vollständig reversibel sein Dank einer frühzeitigen und intensiven Therapie mit dem Ziel der Wiederherstellung der Normothermie (CAVE: einige Patient*innenen bleiben jedoch auch nach Abkühlung geschwächt)
- Schnelligkeit der Einleitung der Kühlungsmaßnahmen ist der wichtigste beeinflussbare Prognosefaktor –> jede Minute Verzögerung birgt das Risiko einer Verschlimmerung der neurologischen Schäden und des Multiorganversagens
Management
- Temperaturmessung unbedingt rektal, wobei die Sonde idealerweise 15 cm eingeführt werden muss (CAVE: andere Messstellen wie Ohr, Achselhöhle oder Haut führen häufig zu falsch-negativen Ergebnissen)
- ERC-Empfehlungen aus dem Jahr 2025 legen eindeutig fest, dass bei Patient*innen mit Temperatur > 40,5 °C, die keinen Herzstillstand haben, die Standardmethode zur Kühlung das Eintauchen in möglichst kaltes Wasser ist (Eintauchen in eiskaltes Wasser ist derzeit die wirksamste verfügbare Kühlstrategie)
- CAVE: keine Unterscheidung zwischen maligner Hyperthermie aufgrund körperlicher Anstrengung oder durch Neuroleptika (gute Evidenzbasis) und umweltbedingten Hitzeschlägen (bisher kaum untersucht)
- andere Ursachen für Koma oder Hyperthermie (Hypoglykämie, Sepsis) dürfen während und nach dem Eintauchen nicht außer Acht gelassen werden (CAVE: Erkrankungen können zudem echte Hitzeschläge komplizieren)
- logistische Herausforderung, deren Erfolg von vorausschauendem Handeln abhängt
- Patient*innen mit Hitzschlag, die im präklinischen Bereich nicht gekühlt wurden, müssen bei Einlieferung in die Notaufnahme unverzüglich gekühlt werden
- Beendigung der Kühlung, sobald die Kerntemperatur etwa 38,5 – 39 °C erreicht, um das Risiko einer sekundären Unterkühlung zu begrenzen
Reanimation
- Entscheidung bzgl. Reanimation auf individueller Ebene nach den üblichen Kriterien
- CAVE: ROSC bei Patient*innen mit Hitzschlag und Herzstillstand scheint äußerst selten zu sein
- nicht sinnvoll, langwierige Reanimation zu erwägen, zumal die Folgen eines Hitzschlags in Verbindung mit denen von „No Flow“- und „Low Flow“-Time für diese Patient*innen eine sehr schlechte Prognose bedingen
- CAVE: auch die Sicherheit des med. Personals berücksichtigen und das Risiko einer langen Reanimation unter extremen Temperaturbedingungen bedenken
- „klassischer“ Algorithmus gilt auch hier hinsichtlich Medikation und Defibrillation
- systematische Suche nach behandelbaren Ursachen, die mit der Hyperthermie in Zusammenhang steht
- Normalisierung der Körpertemperatur erfolgt zu langsam, als dass allein dadurch während der Wiederbelebungsmaßnahmen mit einem ROSC gerechnet werden könnte
- beobachteter Temperaturabfall von – 0,2 – 0,3 °C/min bei ordnungsgemäß durchgeführten Eisbad-Reanimation wird bei Reanimationsmaßnahmen mit Untertauchung nicht erreicht (etwa 0,08 °C) und ist mit eher kurzer Reanimationsdauer bei diesen Patient*innen mit sehr schlechter Prognose kaum vereinbar
- häufigste behandelbare Ursache im Zusammenhang mit Hitzeschlägen bei Herzstillstand ist wahrscheinlich eine Hypovolämie
- Flüssigkeitszufuhr von 20 – 30 ml/kg kristalloide Lsg. so früh wie möglich
- Infusion von kalter Infusionslösung hat sich als unwirksam erwiesen, um hypertherme Patient*innen abzukühlen
- keine Defibrillation während des Eintauchens, da ein potenzielles Risiko für das med. Personal besteht und keine ausreichenden Daten zur Sicherheit vorliegen
- bei ROSC ist die Kühlung die wichtigste Maßnahme zur Behandlung von sekundäre Hirnschädigungen systemischen Ursprungs und zur Vorbeugung von Rezidiven
- Eintauchen von instabilen, intubierten und beatmeten Patient*innen in eiskaltes Wasser ist möglich, jedoch sehr heikel
- ECMO zur Kühlung in Betracht ziehen, wobei Uneinigtkeit herrscht, ob diese vor einem ROSC einen zusätzlichen Überlebensvorteil bietet


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