Die globale Erwärmung macht Hitzewellen in Europa immer häufiger und intensiver — mit dramatischen Folgen für die öffentliche Gesundheit. Eine neue, groß angelegte Studie von Aleš Urban et al. (2025) liefert jetzt erstmals robuste Evidenz, dass systematische Hitzepräventionspläne (Heat Prevention Plans, HPPs) wirken und einen echten Unterschied machen.
Warum diese Studie für die Notfallmedizin relevant ist?
Die Untersuchung von Aleš Urban et al. analysierte Todesfall- und Temperaturdaten aus 102 europäischen Regionen in 14 Ländern Europas über fast drei Jahrzehnte (1990 – 2019) und zeigt: Heat Prevention Plans (HPPs), also Hitzeaktionspläne bzw. Hitzepräventionspläne, reduzieren die hitzebedingte Mortalität signifikant. Damit liefern die Autor*innen eine der bislang stärksten Evidenzen dafür, dass koordinierte Hitzevorsorge Leben rettet.
Für die Notfallmedizin bedeutet das: Hitze ist kein „Wetterphänomen“, sondern ein medizinischer Notfall mit Systemrelevanz. Die Klimakrise verschärft diese Dynamik weiter – Europa erlebt häufiger, längere und intensivere Hitzeperioden. Frühzeitige Hitzeprävention ist kein „Nice-to-have“, sondern ein effektives Instrument zur Risikoreduktion in einer sich erwärmenden Welt.
Kernergebnisse der Studie
Basierend auf der Veröffentlichung von Urban et al. (2025):
- Hitzeaktionspläne senken die hitzebedingte Sterblichkeit – und zwar konsistent über verschiedene Länder und Klimazonen hinweg. (Reduktion hitzebedingter Übersterblichkeit um etwa 25 % = ca. 1,8 vermiedenen Todesfällen pro 100000 Einwohner jährlich = mehr als 14500 vermiedene Todesfälle in den untersuchten Regionen)
- Die Analyse umfasst 102 Regionen in 14 europäischen Ländern und nutzt tägliche Temperatur- und Mortalitätsdaten über fast 30 Jahre.
- Besonders profitieren vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen.
- Die Wirksamkeit steigt, wenn Pläne frühzeitige Warnsysteme, klare Kommunikationsketten, medizinische Handlungsempfehlungen und lokale Anpassungsstrategien kombinieren.
Bedeutung für die Notfallmedizin
Hitzewellen gehören zu den tödlichsten witterungsbedingten Gefahren in Europa; allein in extremen Sommern können zehntausende Hitzetote auftreten. Und genau diesbezüglich ergeben sich aus der Studie von Aleš Urban et al. klare Handlungsfelder für die präklinische und klinische Akutversorgung:
- Frühwarnsysteme in die Einsatzplanung integrieren
- Hitzeereignisse sind vorhersehbar – und damit planbar. Notaufnahmen und Rettungsdienste können Personal, Ressourcen und Transportkapazitäten gezielt anpassen.
- standardisierte Hitzepfade entwickeln
- analog zu STEMI- oder Stroke-Algorithmen/SOPs braucht es Heat-Stroke- und Heat-Illness-Algorithmen, die triagefähig, schnell und robust sind
- vulnerable Gruppen aktiv schützen
- notfallmedizinische Strukturen können durch Kooperation mit Pflegeeinrichtungen, Sozialdiensten und Kommunen aktiv zur Risikoreduktion beitragen (präventiver Rettungsdienst)
- Hitze als Public-Health-Notfall verstehen
- Hitze führt zu mehr Notrufen, mehr Hospitalisierungen und höherer Mortalität. Die Notfallmedizin ist ein zentraler Knotenpunkt, um Daten, Trends und Belastungsspitzen früh zu erkennen.


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