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Leitlinie „Behandlung Cannabisbezogener Störungen“ der DGPPN

veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)
Klassifikation gemäß AWMF: S3
Datum der Veröffentlichung: 02.12.2025
Ablaufdatum: 01.12.2030
Quelle/Quelllink: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/076-005

Grundsätzliches

  • Definition „cannabisbezogene Störung“: Unfähigkeit, mit dem Konsum von Cannabis aufzuhören, selbst wenn er physische oder psychische Schäden verursacht
  • Kindes- und Jugendalter
    • etwa jeder zehnte Jugendliche in Deutschland (10,4 %) hat schon einmal Cannabis probiert (Lebenszeitprävalenz)
    • in den letzten 12 Monaten haben 8 % der 12- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen Cannabis konsumiert
    • männliche Jugendliche (10 %) konsumieren häufiger als weibliche Jugendliche (5,8 %)
    • aktuellen Cannabiskonsum (30-Tage-Prävalenz) berichten 3,5 % der Jugendlichen
    • Cannabismissbrauch nach den DSM-IV-Kriterien weisen in Deutschland bei den 12- bis 18- jährigen Kindern und Jugendlichen 2,2 % der Jungen und 0,9 % der Mädchen auf
    • Werte für Cannabisabhängigkeit (DSM-IV) werden für Jungen mit 0,9 % und für Mädchen mit 0,9 % angegeben
    • Anzahl der vollstationären Behandlungen cannabisbezogener Störungen (ICD-10: F12; zumeist männliche Patient*innen bis 15 Jahre) hat sich mit aktuell etwa 12.000 Fällen pro Jahr seit 2002 mehr als vervierfacht
  • Erwachsenenalter
    • globalen Daten sind unvollständig, aber nach jüngsten Schätzungen erfüllten im Jahr 2016 22,1 Millionen Menschen die diagnostischen Kriterien einer cannabisbezogenen Störung –> geschätzt 289,7 Fälle pro 100.000 Personen

Empfehlungen

Kindes- und Jugendalter

  • In die Behandlung von Jugendlichen mit cannabisbezogenen Störungen sollen Familienangehörige (Eltern, Angehörige) oder andere professionelle Bezugspersonen (Jugendhilfe, Schule) eng einbezogen werden.
  • Es sollen stationäre Therapien für Jugendliche mit cannabisbezogenen Störungen angeboten werden. Hierbei sollen somatische Beschwerden gleichermaßen berücksichtigt und psychosoziale Unterstützung im Sinne eines interdisziplinären Ansatzes angeboten werden.

Erwachsenenalter

  • bei höherem Schwergrad der cannabisbezogenen Störung, wiederholten Rückfällen, begleitenden komorbiden Erkrankungen und psychosozialen Problemen folgende Punkte anpassen
    • Behandlungsdauer und -frequenz
    • Setting (z. B. ambulant vs. stationär)
    • Versorgungsstruktur (z. B. Suchtberatung, Rehabilitation, Psychotherapie, Psychiatrie)
    • Ergänzung durch weitere Fachtherapien (z. B. Psychoedukation, Training sozialer Fertigkeiten, Sport- und Bewegungstherapie, Freizeitpädagogik, Ergotherapie)

Pharmakotherapie

  • Patient*innen mit schädlichem Gebrauch oder Cannabisabhängigkeit nach ICD-10 sollte eine qualifizierte Cannabisentzugsbehandlung angeboten werden
  • Für die Durchführung einer Therapie bei cannabisbezogenen Störungen sollten Angebote des bestehenden Suchthilfesystems, die Akutbehandlung (qualifizierte Entzugsbehandlung), der medizinischen Rehabilitation (Entwöhnungsbehandlung) und der Selbsthilfe, inkl. Angehörigenarbeit, genutzt werden.
  • Bei erwachsenen Patient:innen mit schädlichem Gebrauch oder Cannabisabhängigkeit nach ICD-10 soll insbesondere bei einem oder mehreren der folgenden Faktoren eine stationäre qualifizierte Cannabisentzugsbehandlung angeboten werden; nach diesen Faktoren richtet sich auch die notwendige Dauer des qualifizierten Entzugs (mind. 21 Tage):
    • höherer Schweregrad des Entzugssyndroms
    • erhöhte Rückfallgefährdung
    • unzureichender Erfolg eines ambulanten Behandlungsversuchs
    • Präsenz der Störungen von anderen Suchtsubstanzen
    • Vorliegen von psychischen und somatischen komorbiden Störungen
    • Notwendigkeit der Distanzierung vom häuslichen bzw. sozialen Umfeld
    • zur Herstellung der ambulanten bzw. stationären Rehabilitationsfähigkeit
  • Cannabis-Hyperemesis-Syndrom
    • Beim Cannabis-Hyperemesis-Syndrom soll im Anschluss an die symptomatische somatische Akutbehandlung eine Cannabisabstinenzbehandlung eingeleitet werden
    • Existenz des Cannabis-Hyperemesis-Syndroms soll bei der Edukation von Cannabiskonsumierenden und von professionell Versorgenden berücksichtigt werden.
Published inIm Notfall PsychiatrieLeitlinien kompakt

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