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Leitlinie „Neuromuscular block in anaesthetised children“ der ESAIC

veröffentlichende Fachgesellschaft: European Society of Anaesthesiology and Intensive Care (ESAIC)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.04.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1097/eja.0000000000002357

Muskelrelanxien zur Erleichterung der ETI bei Kindern

  • Verwendung von Muskelrelanxien zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei Kindern unter Allgemeinanästhesie im OP, wenn die Aufrechterhaltung der Spontanatmung nicht erforderlich ist
  • Verwendung von Muskelrelanxien zur Erleichterung der endotrachealen Intubation außerhalb des OP-Bereichs unter Berücksichtigung der Patient*innensicherheit, der Verfügbarkeit der notwendigen Geräte und Medikamente, der Kompetenz der Anwender*innen und des Vorhandenseins von Assistenzpersonal
  • Verwendung von Muskelrelanxien zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei Neugeborenen und Säuglingen im OP, wenn die Aufrechterhaltung der Spontanatmung nicht erforderlich ist
  • werden keine Muskelrelanxien zur Intubation verwendet, so sollte eine ausreichende Narkosetiefe erreicht werden, ggf. durch hochdosierte Opioide oder andere Adjuvantien wie Opioide und/oder Sevofluran zusätzlich zu Propofol, und die Intubation sollte von erfahrenem Personal durchgeführt werden
  • Verwendung von Muskelrelanxien zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei Kindern unter Allgemeinanästhesie in der Notaufnahme erwägen, um die Intubationsbedingungen zu verbessern, die Anzahl der Intubationsversuche zu verringern und das Risiko von Komplikationen zu reduzieren
  • Verwendung von Rocuronium anstelle von Succinylcholin für eine schnelle Einleitung und Intubation
  • keine Empfehlung zur Intubation auf der neonatologischen und pädiatrischen Intensivstation durch das LL-Gremium

Beeinflussung von chirurgischen Eingriffen durch Muskelrelaxierung

  • selektiver Einsatz von Muskelrelanxien in der pädiatrischen Abdominalchirurgie
  • bei kleineren Eingriffen wie Leistenbruchoperationen auf tiefe Muskelrelaxierung verzichten
  • bei größeren Eingriffen wie hepatobiliären Operationen ist tiefe Muskelrelaxierung nur dann sinnvoll, wenn sie erforderlich ist
  • tiefe Muskelrelaxierung zur Verbesserung der Operationsbedingungen und der Beatmung in Betracht ziehen, wenn dies indiziert ist
  • LL-Gremium geht davon aus, dass die Muskelrelaxierung die chirurgischen und Beatmungsbedingungen verbessern kann, wenn bei abdominalchirurgischen Eingriffen ein supraglottischer Atemweg der 2. Generation verwendet wird

Diagnose und Behandlung einer residualen Muskelrelaxierung

  • quantitatives neuromuskuläres Monitoring bei jeder Muskelrelaxierung, um die Stärke der neuromuskulären Blockade zu modulieren und eine Restblockade vor der Extubation auszuschließen
  • neuromuskuläres Monitoring am Adductor pollicis und alternativ am Flexor hallucis brevis, falls der Adductor pollicis nicht zugänglich ist, als Monitoring der 1. Wahl
  • Verwendung von Elektromyographie anstelle von Akzeleromyographie zur quantitativen neuromuskulären Überwachung und die Kalibrierung des Geräts vor Verabreichung einer Muskelrelaxanz
  • Verwendung von Sugammadex anstelle von Neostigmin zur Antagonisierung der Muskelrelaxierung durch Aminosteroide bei Kindern (schnellere Erholungszeit, kürzere Extubationszeit und effektivere Aufhebung mittelgradiger und tiefer Blockaden)
  • bei Kindern < 2 Jahren kann Sugammadex zur Aufhebung der Wirkung von Aminosteroid-Muskelrelaxanzien in der gleichen Dosierung wie bei Kindern und Erwachsenen sicher angewendet werden
  • übermäßige Rocuronium-Dosen vermeiden und systematisches quantitatives neuromuskuläres Monitoring durchzuführen, um Rest-Muskelrelaxierung oder erneute Muskelrelaxation zu verhindern und somit eine adäquate Erholung vor der Extubation sicherzustellen
  • verlängerte Beobachtungszeit im Aufwachraum bei Kindern < 2 Jahren oder nach Verabreichung einer hohen Gesamtdosis Rocuronium oder Vecuronium, wenn Sugammadex zur Antagonisierung eingesetzt wurde
  • Erholung anhand klinischer Beurteilung (z.B. Rückkehr der Spontanatmung und -bewegungen) und eines neuromuskulären Monitorings zu evaluieren, um eine verlängerte Wirkdauer von Succinylcholin auszuschließen

Muskelrelaxation unter besonderen Bedingungen

  • kein Succinylcholin bei Kindern mit neuromuskulären Erkrankungen aufgrund des erhöhten Risikos einer Rhabdomyolyse und einer möglichen Resistenz ggü. der Wirkungen (myasthenische Syndrome) –> stattdessen nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien
  • falls ein Muskelrelaxans erforderlich, Rocuronium oder Vecuronium bevorzugen
  • unabhängig der verwendeten Muskelrelaxanz die Dosis entsprechend dem Muskelrelaxanz-Niveau des Kindes titrieren, welches mittels quantitativer neuromuskulärer Überwachung ermittelt wird
  • bei der Anwendung eines nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien bei Kindern mit Myopathie vor der Muskelrelaxanzien-Gabe das Ausgangsverhältnis der Train-of-Four-Stimulation (TOF) ermitteln
  • Neostigmin nicht bei Kindern mit myasthenen Erkrankungen anwenden, da es zu postoperativen cholinergen oder myasthenischen Krisen beitragen kann und bei einigen Formen der kongenitalen Myasthenie sogar kontraindiziert ist
  • bei Kindern mit Muskeldystrophie titrierte Dosen von nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien (z.B. Rocuronium ≤ 0,3 mg/kg ) verwenden
  • Einsatz von Muskelrelaxanzien bei Kindern mit Zerebralparese unter Berücksichtigung ihres veränderten pharmakodynamischen und/oder pharmakokinetischen Zustands –> quantitatives neuromuskuläres Monitoring, um Komplikationen zu minimieren
  • quantitatives neuromuskuläres Monitoring bei Kindern mit dauerhafter Einnahme von Antikonvulsiva, da diese Kinder möglicherweise höhere Dosen oder eine häufigere Gabe von Aminosteroid-Muskelrelaxanzien benötigen, um die Muskelrelaxation aufrechtzuerhalten
  • quantitatives neuromuskuläres Monitoring, wenn Succinylcholin nach der Verabreichung von Neostigmin gegeben wird (CAVE: Gabe von Succinylcholin kurz nach Neostigmin zu einer verlängerten Wirkdauer führen)
  • Verwendung eines nichtsteroidalen Muskelrelaxans oder Rocuronium titriert auf Grundlage eines quantitativen neuromuskulären Monitorings, falls Muskelrelaxation weniger als 2 h nach Antagonisierung von Rocuronium mit Sugammadex erforderlich ist

Grafiken

Published inLeitlinien kompakt

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