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Leitlinie „Ocular Exposure to Pepper Spray and Tear Gas: Evaluation and Management“ der AAO

veröffentlichende Fachgesellschaft: American Academy of Ophthalmology (AAO)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.02.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://www.aao.org/education/clinical-statement/ocular-exposure-to-pepper-spray-tear-gas-evaluatio

Inhaltsverzeichnis

Symptomatik

  • ophthalmologische Symptomatik
    • oftmals führt die Augenexpositionen zu selbstlimitierenden Symptomen, die innerhalb weniger Stunden abklingen (CAVE: auch schwere oder anhaltende Symptome und erhebliche Augenschäden möglich)
    • typische ophthalmologische Symptome: Schmerzen, Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, Lichtscheu, Lidkrampf und vorübergehendes verschwommenes Sehen (Symptome treten i.d.R. innerhalb von 20 – 60 sec nach Exposition auf)
    • auch ophthalmologische Symptome wie Bindehautrötung, Chemosis, punktförmige Hornhautepithel-Erosionen, Hornhautabschürfungen, periorbitale Ödeme und Lidrötungen möglich
    • schwere ophthalmologische Komplikationen am Auge wie Bulbusruptur, Orbitafraktur, Netzhautablösung, Glaskörperblutung und traumatische Optikusneuropathie können bei gleichzeitigem stumpfem Trauma durch als Projektile eingesetzte Tränenreizstoffe auftreten
  • respiratorische Symptome
    • Schmerzen in Nase, Rachen & Lunge sowie Atemnot und Husten
  • Hautreaktionen
    • Juckreiz, Schmerzen und Rötungen
  • schwere systemische Komplikationen möglich
    • Atemversagen und Überempfindlichkeitsreaktionen

Management

  • augenärztliche Untersuchung bei Patient*innen mit schweren Augensymptomen, anhaltenden Symptomen nach mehreren Stunden, verminderter Sehschärfe, V.a. Hornhauterkrankungen oder andere Augenverletzungen sowie Patient*innen mit Vorgeschichte von trockenen Augen oder anderen Erkrankungen der Augenoberfläche
  • Tragen von Handschuhen, Augenschutz und Mundschutz durch das Personal aufgrund des Risikos einer Sekundärinfektion
  • Verbringen der Patient*innen an einen gut belüfteten, höher gelegenen Ort, da Tränenflüssigkeitsaerosole schwerer als Luft sind
  • Entfernung von Kontaktlinsen
  • sofortige, umfangreiche Spülung der Augenoberfläche mit Wasser oder NaCl 0,9 % über 15 bis 20 min (CAVE: aktuell keine Empfehlung für die Verwendung von Babyshampoo in der Spüllösung) –> zusätzliche Spülung, wenn vorherige Spülung unzureichend, unvollständig oder nicht nachvollziehbar
    • CAVE: abnormaler pH-Wert kann zwar Indikation für eine weitere Spülung darstellen, normaler pH-Wert sollte jedoch eine Spülung nicht ausschließen, sofern diese klinisch indiziert ist
  • bei V.a. möglicher offener Bulbusruptur vorsichtige Spülung mit steriler NaCl 0,9% sowie rascher Transport in Augenklinik (CAVE: darauf achten, dass das Augenlid nicht zusammengedrückt, gerieben oder Druck auf den Augapfel ausgeübt wird)
    • bei eindeutigen Anzeichen einer Bulbusruptur Spülung vorsichtig mit steriler NaCl 0,9% unter Anleitung oder Aufsicht von augenärztlichem Personal
  • betroffene Hautstellen mit Wasser und Seife waschen
  • kontaminierte Kleidung ausziehen
  • ausführliche Anamnese (Art des auslösenden Stoffes, Expositionsdistanz und -dauer, Tragen von Kontaktlinsen, Zeitpunkt und Menge der Spülung sowie Symptome)
  • Augenuntersuchung mit Fokus auf die Identifizierung von Hornhautepithelverletzungen, zurückgebliebenen Partikeln und Anzeichen eines stumpfen Traumas oder anderer begleitender Augenverletzungen
  • topische Antibiotika entsprechend der Standardbehandlung von Hornhautabschürfungen bei Patient*innen mit Epitheldefekten
Published inLeitlinien kompakt

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