veröffentlichende Fachgesellschaft: Irish Association for Emergency Medicine (IAEM)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 21.01.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://iaem.ie/professional/clinical-guidelines/
Pharmakologie
- Noradrenalin ist ein körpereigenes Katecholamin
- Noradrenalin stimuliert in erster Linie α-adrenerge Rezeptoren (α1 u&nd α2), hat geringere Auswirkungen auf β1-adrenerge Rezeptoren und eine minimale Aktivität an β2-Rezeptoren
- wichtigste klinischen Wirkungen
- erhöhter systemischer Gefäßwiderstand
- erhöhter systolischer und diastolischer Blutdruck
- positive Inotropie
- Noradrenalin hat viele Nebenwirkungen, z.B.
- Vasokonstriktion und Hypertonie
- verminderte Durchblutung der Nieren und anderer Organe
- Gewebehypoxie und metabolische Azidose, v.a. bei hypovolämischen Patient*innen
- periphere Ischämie, die zu Gewebenekrose und Absterben an der Injektionsstelle, gelegentlich zu Gangrän der Extremitäten führen kann
- Arrhythmien, Bradykardie, Kopfschmerzen, Hyperglykämie
Standards für periphe Noradrenalin-Gabe
- Umgebung/Setting
- Umgebung mit Material & Person für mögliche Reanimation
- Monitoring und Material
- nichtinvasive RR-Messung und invasive RR-Überwachung über arteriellen Zugang, der so schnell wie möglich gelegt wird
- 3-Kanal-EKG
- Notfallwagen am Bett aufgrund der wahrscheinlichen Instabilität
- Infusionspumpe
- Personal
- entsprechend geschultes Pflegepersonal
- angemessenes Verhältnis von Personal zu Patient*innen auf Station/in der Notaufnahme
- Punktionsstelle
- große periphere Vene (Ultraschall ist nützliches Hilfsmittel zur Identifikation)
- idealerweise Kanülengröße ≥ 20G
- Kanüle proximal zum Handgelenk platzieren
- bei wachen Patient*innen Beugepunkte wie Ellenbogen vermeiden
- Stellen vermeiden, die mehr als eine Venenpunktion erfordern
- Blutrückfluss nach Punktion und leichtes Spülen mit 5 – 10 mL NaCl 0,9 % möglich
- zweiten peripheren Zugang als Notfallmaßnahme
- Einstichstelle sorgfältig überwachen (CAVE: Gefahr von Venenreizungen) –> Nutzung von Scores zur Bewertung von Venenentzündungen, z.B. Visual Infusion Phlebitis Score (bei ersten Entzündungszeichen neue pvK-Anlage
- MAD-Ziele
- MAD von > 65 mmHg bei Patient*innen mit Schock
- MAP von 80 – 90 mmHg bei Patient*innen mit neurogenem Schock
- Monitoring
- Gabe über Infusionspumpe (Pumpeneinstellungen von zweiter Person überprüfen lassen)
- keine andere Gaben über denselben Zugang (Flüssigkeiten oder Medikamente; CAVE: Noradrenalin darf nicht gleichzeitig mit anderen Medikamenten über Y-Leitung verabreicht werden, um das Risiko einer versehentlichen Bolusgabe von Noradrenalin zu vermeiden)
- Infusionsbeutel und Infusionsleitung deutlich mit Etikett in der Nähe der Kanüle kennzeichnen
- jede Unterbrechung des Noradrenalinflusses kann zu hämodynamischer Instabilität führen (um Unterbrechung zu vermeiden, neue Infusion beginnen, wenn die andere fast leer ist)
- bei Patient*innen mit ausgeprägter hämodynamischer Instabilität zweite Noradrenalin-Infusion vorbereiten und bereitlegen für den Problemfall
- Infusionsrate vor dem Absetzen schrittweise reduzieren, um gefährlichen Blutdruckabfall zu vermeiden (CAVE: Infusion darf nicht plötzlich abgebrochen werden)
- Spülen der Leitung
- kein Spülen der Leitung nach Gabe (System nach Gabe trennen, Inhalt des Katheters/der Kanüle aspirieren und dann mit NaCl 0,9 % mit der derselben Geschwindigkeit, mit der die Infusion verabreicht wurde, spülen)
- Zeitrahmen der peripheren Noradrenalin-Gabe
- keine Standarddauer für die Verabreichung von peripherem Noradrenalin definiert (Median von 7 bis 13 Stunden akzeptabel)
- Fortsetzung einer peripheren Noradrenalin-Gabe von Fall zu Fall und unter Einbeziehung erfahrener Ärzt*innen erörtern
- gemäß bisheriger IAEM-Empfehlungen kritische Neubewertung nach 2 h mit der Entscheidung für ZVK-Anlage für Vasopressoren-Therapie ODER Fortsetzung über pvK bei voraussichtlichem Ende der Therapie innerhalb von 1 – 2 h
- Extravasation
- Extravasation = jedes unbeabsichtigte Austreten des Medikaments in das umliegende Gewebe
- bei Noradrenalin ist Extravasation aufgrund gefäßverengender Wirkung und niedrigem pH-Werts problematisch
- Häufigkeit von Extravasationen ist geringer als bisher angenommen (Ereignisrate von etwa 3 – 4,5 % in Meta-Analysen & Beobachtungsstudien)
- Patient*innen können über Schmerzen und Stechen an der Einstichstelle klagen, und Haut kann blass aussehen und sich kühl anfühlen
- Vorgehen bei Extravasation gemäß Intensive Care Society
- Infusion sofort stoppen und Leitung trennen
- versuchen, wenn möglich, 3 – 5 mLK aus pvK zu aspirieren
- Kanüle entferne und Verband an der Entnahmestelle anlegen
- nach Möglichkeit den Bereich der Extravasation markieren, um Entwicklung einer Verletzung beobachten zu können
- betroffene Extremität nach Möglichkeit hochlagern, um die Schwellung zu verringern
- Anwendung topischer vasoaktiver Medikament erwägen, um lokale Durchblutung zu fördern (z. B. Nitroglycerinpaste)
- bei Bedarf Analgetika-Gabe
- bei Bedenken zuständige Fachabteilung konsultieren
- Vorfall dokumentieren
- Antidot für Extravasationsischämie
- nur Fallberichte vorhanden, die die Behandlung von Extravasationsverletzungen stützen
- Vorhaltung von Phentolamin und anderer Antidota erwägen
- bei Phentolamin-Gabe, Bereich wie folgt infiltrieren: 5 mg Phentolamin in 10 mL NaCl 0,9% vorbereiten und mit Nadel mit kleinem Durchmesser um den Bereich herum im Uhrzeigersinn infiltrieren (CAVE: Blockade mit Phentolamin verursacht sofortige und auffällige lokale hyperämische Veränderungen)
- alternativ Infiltration mit Terbutalin: 1 mg Phentolamin in 10 mL NaCl 0,9%
- in Extremfällen kann chirurgische Behandlung mit Fettabsaugung des betroffenen Gewebes notwendig sein


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