veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) & Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
Klassifikation gemäß AWMF: S2e
Datum der Veröffentlichung: 16.03.2026
Ablaufdatum: 21.11.2030
Quelle/Quelllink: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/001-035
Grundsätzliches
- pädiatrisches Emergence Delir (pädED) in der Literatur nicht eindeutig definiert
- Ursachen und klinisches Erscheinungsbild der Agitation und des Delirs

Diagnostik
- Diagnose des pädED soll im Aufwachraum anhand einer validierten Skala stellen

- für Schmerzerfassung beim Kind validierte, zielgruppenspezifische, alters- und entwicklungsgerechte Erfassungsinstrumente nutzen
- bei Kindern, v.a. bei solchen, die ihre Schmerzen nicht selbst einschätzen können, Verhaltensmerkmale wie Gesichtsausdruck, Weinen, Motorik, Körperhaltung, Aktivität, Ruhelosigkeit, Apathie und die äußere Erscheinung von der Schmerzerfassung als stichhaltige Indikatoren für das Vorhandensein von Schmerz berücksichtigen
Risikofaktoren
- Kindergarten- und frühes Grundschulalter sind Risikofaktor für pädED
- präoperative Ängstlichkeit ist Risikofaktor für pädED
- operative Eingriffe im Kopf-/Halsbereich sind Risikofaktor für pädED
- Schmerzen sind ein Risikofaktor für das pädED
- Inzidenz des pädED ist nach Anästhesien mit Sevofluran ohne weitere Interventionen zur Risikoreduktion erhöht
- präoperative, orale Gabe von Midazolam ggf Risikofaktor für pädED bei kurzen operativen Eingriffen
- aktuell keine validierten Messinstrumente (Skalen) zur Verfügung, die das pädED mit ausreichender Genauigkeit vorhersagen können
Prävention
- Eltern präoperativ über Möglichkeit des pädED aufklären
- nichtmedikamentöse Strategien zur Anxiolyse anwenden
- präemptive, leitliniengerechte Analgesie, angepasst an Schwere der OP, ist Grundvoraussetzung für niedrige Inzidenz des pädED und soll bei allen schmerzhaften Eingriffen durchgeführt werden
- Regionalanästhesieverfahren zur präventiven Analgesie einsetzen, um Inzidenz des pädED zu senken
- bei Vorliegen von Risikofaktoren für pädED Total Intravenöse Anästhesie (TIVA) ggü. balancierter Anästhesie ohne medikamentöse Intervention bevorzugen
- sofern Sevofluran oder Desfluran für balancierte Anästhesie bei Kindern im vulnerablen Alter genutzt werden, intraoperativ medikamentöse Prophylaxe
- Propofol bei balancierten Anästhesien mit Sevofluran oder Desfluran als Bolus zum Ende der Operation geben, um Inzidenz des pädED zu senken
- wenn medikamentöse Reduktion der präoperativen Ängstlichkeit notwendig, anxiolytische Prämedikation geben, z.B. orale Gabe von Midazolam
- sofern Sevofluran oder Desfluran für balancierte Anästhesie genutzt werden, kann intraoperativ i.v.Gabe von Midazolam zur Reduktion des pädED erfolgen
- sofern Sevofluran oder Desfluran für balancierte Anästhesie genutzt werden, sollte perioperativ Dexmedetomidin-Gabe zur Reduktion des pädED erfolgen
- sofern Sevofluran oder Desfluran für balancierte Anästhesie genutzt werden, sollte perioperativ Clonidin-Gabe zur Reduktion des pädED erfolgen
- sofern Sevofluran oder Desfluran für balancierte Anästhesie genutzt werden, sollte perioperativ Esketamin-Gabe zur Reduktion des pädED erfolgen
- keine generelle Kombination von Propofol und Esketamin zur Reduktion des pädED
- keine generelle Kombination mehrerer medikamentöser Präventionsmaßnahmen im Rahmen einer balancierten Anästhesie
Therapie
- vor medikamentöser, symptomatischer Therapie des pädED andere Ursachen für postoperative Agitation, v.a. Schmerzen, suchen und diese ggf. behandeln
- Therapieversuch mit Propofol oder Dexmedetomidin bei Eigen- oder Fremdgefährdung durch das pädED
- Therapie mit Flumazenil erwägen nach kurzen operativen Eingriffen und oraler Gabe von Midazolam sowie langanhaltendem pädED



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