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Leitlinie „Management of Diabetic Ketoacidosis in Adults“ der IAEM

veröffentlichende Fachgesellschaft: Irish Association for Emergency Medicine (IAEM)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 28.01.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://iaem.ie/professional/clinical-guidelines/

Grundsätzliches

  • diabetische Ketoazidose (DKA) ist ein relativ häufiger Notaufnahme-Vorstellungsgrund mit relevanter Morbidität
  • häufigste Ursachen in Industrieländern sind die fehlende Compliance bei der Medikamenteneinnahme, Infektionen, Pankreatitis, Alkoholmissbrauch und Myokardinfarkt
  • Polyurie, Polydipsie, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen als typische Symptome (CAVE: Symptome können sehr unterschiedlich und unspezifisch sein)
  • Diagnose-Kriterien
    • BZ > 198 mg/dL oder bekannter Diabetes mellitus
    • Serumketone > 3 mmol/L (oder Urinketone > 2+)
    • venöser pH-Wert < 7,3 ODER Serum-Bikarbonat < 15 mmol/L
  • euglykämische DKA wird mit vermehrtem Einsatz von Natrium-Glukose-Cotransporter (SGLT)-Hemmern immer häufiger

Anamnese & Diagnostik

  • sofortige venöse BGA (BZ, pH-Wert & Bikarbonat)
  • Keton-Bestimmung durch Kapillarblutprobe oder mit Uri-Stix
  • Serumketon-Messung, wenn möglich, sonst Urinketone
  • vollständige Anamnese und Untersuchung sowie Berücksichtigung auslösender Faktoren (Infektion/Sepsis, fehlende Compliance bei Insulintherapie, Pankreatitis, Alkoholmissbrauch, Herzinfarkt)
  • Ursachen-Fokus-Suche
    • großes Blutbild und CRP: erhöhte Werte als Hinweis für Infetion (CAVE: weiße Blutkörperchen können bei DKA auch ohne Infektion erhöht sein; CRP als sensitiverer Marker)
    • EKG: Myokardinfarkt als bekannter Auslöser für DKA (CAVE: Herzinfarkt kann bei Patient*innen mit Diabetes oft „still“ verlaufen)
    • Amylase: zur Identifizierung einer Pankreatitis
    • Uri-Stix: als Hinweis für mögliche Harnwegsinfektion
    • Röntgen-Thorax: zur Identifizierung einer Pneumonie

initiales Management (erste 60 min)

  • initiales Vorgehen nach ABC
    • ggf. Atemwegssicherung
    • O2-Gabe mit SpO2-Ziel von 94 – 98 %
    • großlumiger Zugang (18G oder größer) sowie Blutentnahme
  • Flüssigkeitsgabe i.v., v.a. bei RRsys < 90 mmHg –> 500 mL NaCl 0,9 % über 10 – 15 min (ggf. Wdh., wenn RRsys weiterhin < 90 mmHg) –> wenn RRsys weiterhin < 90 mmHg, dann gabe von 1000 mL NaCl 0,9 % über 60 min (ggf. auch Kaliumsubstitution erwägen)
  • Insulin-Infusion bis Ketone < 0,6 mmol/L, – pH > 7,3 und/oder Bikarbonat > 18 mmol/L
    • Insulin-Dosierung anpassen, wenn…
      • … BZ nicht um mind. 3 mmol/L/h sinkt
      • … Serumketone nicht um mind. 0,5 mmol/L/h sinken
      • … Bikarbonat nicht um mind. 3 mmol/L/h ansteigt
    • wenn der BZ und Ketonspiegel nicht wie erwartet sinkt, Funktionsfähigkeit der Pumpe überprüfen –> wenn Pumpe funktioniert, aber keine ausreichende Reaktion auf die Behandlung erfolgt, Insulininfusionsrate um 1 Einheit/h erhöhen bis ausreichende Reaktion erzielt wird
  • kontinuierliches Monitoring
    • Vitalparameter alle 30 min überprüfen (alle 15 min, bei Hypotension oder reduzierte GCS)
    • stündliche Kapillar-BZ-Messung
    • stündliche Serumketon-Messung
    • venöses Kalium und Bikarbonat nach 60 min, 120 min und danach alle 2 h

ITS-Einweisungskriterien

  • Ketone > 6
  • SpO2 < 92 %
  • pH <7,0 
  • RRsys <90 mmHg
  • Bikarbonat < 5 mmol/L
  • Puls > 100/min oder < 60/min
  • Hypokaliämie bei Aufnahme
  • Anionenlücke > 16 (Berechnung: ([Na+] + [K+]) − ([Cl−] + [HCO3−])

weiteres Management (60 min – 6 h)

  • Ziele der weiteren Therapie
    • Senkung des BZ um 3 mmol/L/h
    • Senkung des Serumketon-Spiegel um > 0,5 mmol/L/h ODER Erhöhung des Serumbikarbonat-Spiegel um > 3 mmol/L/h
    • Aufrechterhaltung eines normalen Serumkaliumspiegels (3,5 – 5,5 mmol/L)
    • Vermeidung einer Hypoglykämie
  • kontinuierliches Monitoring
    • stündliche Kapillar-BZ-Messung
    • stündliche Serumketon-Messung
    • pH-Wert, Bikarbonat und Kalium nach 1, 2, 4 und 6 h (Kalium stündlich überprüfen, wenn Kaliumwert außerhalb des Normalbereichs von 3,5 – 5,5 mmol/L liegt)
    • Harnstoff und Elektrolyte nach 4 h
  • kontinuierliche Flüssigkeitsgabe
    • 1000 mL NaCl 0,9% und/oder Kaliumchlorid über die nächsten 2 h —> 1000 mL NaCl 0,9% und/oder Kaliumchlorid über die nächsten 2 h —> 1000 mL NaCl 0,9% und/oder Kaliumchlorid über die nächsten 4 h
    • vorsichtiges Flüssigkeitsgabe bei Patient*innen im Alter von 16 – 25 Jahren, älteren Menschen, Schwangeren und Patient*innen mit Herz- oder Nierenversagen in der Vorgeschichte (ggf. IMC-/ITS-Einweisung erwägen)
    • Flüssigkeitsbilanzierung mit Urinausscheidung von 0,5 mL/kg/h (DK-Anlage erwägen)
  • Magensonde in Betracht ziehen bei anhaltendem Erbrechen oder Vigilanzminderung
  • Röntgen-Thorax wiederholen, wenn die SpO2 < 92 %
  • prophylaktische Gabe von niedermolekularem Heparin

besondere Patient*innengruppen

  • junge Patient*innen (16 – 25 Jahre)
    • bei Flüssigkeitsgabe besondere Vorsicht geboten, da erhöhtes Risiko für Hirnödem besteht
  • Schwangere
    • frühzeitig fachärztliches Konzil, da Schwangere in Leitlinie nicht berücksichtigt werden
  • chronische Nierenerkrankung/Dialysepatient*innen
    • frühzeitiges Nephrologie-Konzil, um Flüssigkeitsüberladung zu vermeiden (ITS- oder IMC-Verlegun erwägen)
Published inLeitlinien kompakt

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