veröffentlichende Fachgesellschaft: National Association of EMS Physicians (NAEMSP)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 14.10.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1080/10903127.2026.2748380
Grundsätzliches
- ältere Menschen, die nach einem Sturz nicht mehr selbstständig aufstehen können, gehören zu den häufigen Einsatzanlässen des Rettungsdienstes
- zentrale Gedanke: Ein Einsatz, der zunächst wie eine reine Aufrichtungs- oder Tragehilfe erscheint, darf nicht automatisch als medizinisch niedrig akut eingestuft werden, denn hinter einem Sturz können unerkannte Verletzungen, Synkopen oder akute Erkrankungen stehen
- Problem besteht in einer systematischen Unterschätzung dieser Einsätze:
- diagnostisches Risiko: akute Erkrankungen und Verletzungen können hinter dem vermeintlich einfachen Sturz verborgen bleiben
- Risiko der Unterversorgung: Einsätze werden als reine technische Hilfeleistung betrachtet und so kann eine notwendige medizinische Untersuchung unterbleiben
- Risiko der Überversorgung: routinemäßiger Transport in die Notaufnahme kann ebenfalls nachteilig sein, wenn er medizinisch nicht erforderlich ist
- systemische Einflussfaktoren: Ausbildung, Leitstellendisposition, Dienstanweisungen und Behandlungspfade können die Einstufung als vermeintlich niedrigakut verstärken
Empfehlungen
- Sturz- und Aufhilfe-Einsätze sollen als reguläre Patient*innenkontakte behandelt werden
- Untersuchung soll mögliche medizinische Ursachen, traumatische Verletzungen und die Sicherheit der häuslichen Versorgung berücksichtigen
- Situation ist im Kontext geriatrischer Syndrome zu beurteilen, nicht als isoliertes Niedrigenergietrauma
- Entscheidung über einen Transport in die Notaufnahme soll auf einer gründlichen Untersuchung und einem patient*innenzentrierten Gespräch beruhen
- nicht jede Person muss transportiert werden
- bei geeigneten Voraussetzungen kommen auch Versorgung ohne Transport oder gezielte Weitervermittlung in Betracht
- Rettungsdienstanbieter/-bereiche sollen die durchgeführten Untersuchungen bei diesen Einsätzen systematisch erfassen
- Dokumentation und Auswertung dienen als Qualitätsindikatoren, um Versorgungsdefizite zu erkennen und Verbesserungen zu überprüfen
- geeignete Qualitätsindikatoren könnten beispielsweise sein:
- Anteil der Einsätze mit dokumentierter klinischer Beurteilung
- Vollständigkeit der Erfassung von Sturzursache, Verletzungsrisiko & Versorgungssituation
- Nachvollziehbarkeit von Transport- und Nichttransportentscheidungen
- Verfügbarkeit und Nutzung geeigneter Anschlussversorgung
- unerwünschte Ereignisse nach einer Versorgung ohne Transport
- Gesundheitspolitik und Kostenträger sollen Finanzierungsmodelle schaffen, die eine angemessene Untersuchung und Versorgung durch den Rettungsdienst auch dann ermöglichen, wenn kein Transport erfolgt


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