veröffentlichende Fachgesellschaft: Neurocritical Care Society (NCS)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 24.09.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1007/s12028-026-02601-4
direkte orale Faktor-Xa-Inhibitoren
- Empfehlungen 2026
- Gabe von 4-Faktor-Prothrombinkomplex-Konzentrat anstelle von Andexanet alfa bei Patient*innen mit intrakraniellen Blutungen jeglicher Art
- Gabe von 4-Faktor-Prothrombinkomplexkonzentrat anstelle von Andexanet alfa bei Patient*innen mit Faktor-Xa-Inhibitor-assoziierter spontaner intrazerebraler Blutung
- Gabe von 4-Faktor-Prothrombinkomplexkonzentrat anstelle von Andexanet alfa bei Patient*innen mit Faktor-Xa-Inhibitor-assoziierter traumatischer intrazerebraler Blutung
- keine Empfehlung für die Kombination von Andexanet alfa und PCC
- Gabe von 4-Faktor-PCC (50 U/kg) oder aktiviertem PCC (50 U/kg), wenn eine intrakranielle Blutung innerhalb von 3 – 5 terminalen Halbwertszeiten nach Arzneimittelexposition oder im Zusammenhang mit Leberversagen auftritt
- Gabe von 4-Faktor-PCC oder aktiviertem PCC anstelle von rFVIIa aufgrund des geringeren Risikos für unerwünschte thrombotische Ereignisse
- Faktor-Xa-Inhibitoren absetzen, wenn intrakranielle Blutung vorliegt oder vermutet wird
- Informationen über den seit der letzten Gabe eines direkten Faktor-Xa-Inhibitors verstrichenen Zeitraum sowie über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten einholen, um das Ausmaß der Antikoagulationsexposition besser abschätzen zu können
- pharmakologische Aufhebung der Wirkung oraler Faktor-Xa-Inhibitoren primär anhand von Blutungen (schwerwiegend oder intrakraniell) und nicht primär anhand von Laborwerten steuern
- Gabe von Aktivkohle (50 g) bei intubierte Patient*innen mit intrakranieller Blutung und enteraler Ernährung und/oder an Patient*innen mit geringem Aspirationsrisiko, die sich innerhalb von 2 h nach Einnahme eines oralen direkten Faktor-Xa-Inhibitors vorstellen
Thrombozytenaggregationshemmer
Thrombozytentransfusion
- Empfehlungen 2026
- keine Gabe von Thrombozytentransfusionen an Patient*innen mit spontaner intraparenchymaler Blutung ab, die Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen und keinen neurochirurgischen Eingriff benötigen
- Gabe von Thrombozytentransfusionen an Patient*innen mit spontaner intraparenchymaler Blutung, die mit Aspirin behandelt werden und einen neurochirurgischen Eingriff benötigen
- keine Empfehlung hinsichtlich der Gabe von Thrombozytenkonzentraten bei Patient*innen mit traumatischer intrakranieller Blutung aus, die eine Thrombozytenaggregationshemmung erhalten
- keine Thrombozytentransfusion bei Patient*innen mit durch Thrombozytenaggregationshemmer bedingter intrakranieller Blutung, die sich keinem neurochirurgischen Eingriff unterziehen werden, unabhängig von der Art des Thrombozytenaggregationshemmers, dem Ergebnis der Thrombozytenfunktionsprüfung, dem Blutungsvolumen oder dem neurologischen Befund
- keine Thrombozytentransfusion für Patient*innen mit durch Aspirin oder ADP-Inhibitoren bedingter intrakranieller Blutung, die sich einem neurochirurgischen Eingriff unterziehen werden
- Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern unterbrechen, wenn eine intrakranielle Blutung vorliegt oder vermutet wird
- bei Patient*innen, die sich neurochirurgischen Eingriffen unterziehen, wird eine Thrombozytentransfusion durchgeführt:
- wenn möglich, vor Thrombozytentransfusion Test der Thrombozytenfunktion durchführen
- wenn Thrombozytenfunktionstests nicht ohne Weiteres verfügbar sind, kann eine empirische Thrombozytentransfusion angemessen sein
- keine Thrombozytentransfusion bei Patient*innen mit laborbestätigter Thrombozytenfunktion im Normbereich oder nachgewiesener Thrombozytenresistenz
- Initialdosis von einer Apherese-Einheit Thrombozytenkonzentrat eines Einzelspenders bei Patient*innen, die für eine Thrombozytentransfusion infrage kommen
- vor erneuter Thrombozytentransfusion, sofern verfügbar, Thrombozytenfunktionstest durchführen
- erneute Transfusion sollte nur bei anhaltend pathologischen Thrombozytenfunktionswerten und/oder anhaltenden Blutungen erfolgen
- keine Thrombozytentransfusion bei intrakraniellen Blutungen im Zusammenhang mit NSAIDs oder GP IIb/IIIa-Inhibitoren, selbst im Rahmen eines neurochirurgischen Eingriffs
Desmopressin
- keine Empfehlung bezüglich der Anwendung von Desmopressin bei Patient*innen mit intrakranieller Blutung unter Thrombozytenaggregationshemmung
- Einzeldosis Desmopressin (DDAVP) (0,4 µg/kg i.v.) bei intrakranieller Blutung in Kombination mit Aspirin/COX-1-Hemmern oder ADP-Rezeptor-Inhibitoren erwägen
- bei geeigneten Patient*innen (z.B. solchen, die sich einem neurochirurgischen Eingriff unterziehen) kann DDAVP zusätzlich zur Thrombozytentransfusion eingesetzt werden
kleine spontane intraparenchymale Blutung
- keine Empfehlung zur Behandlung von Antikoagulanzien-Effekten bei Patient*innen mit kleinen intraparenchymalen Blutungen aufgrund fehlender Evidenz
Einsatz viskoelastischer Hämostasetests bei traumatischer intrakranieller Blutung
- Anwendung eines VHA-gestützten Managements bei Patienten mit traumatischer intrakranieller Blutung, sofern eine viskoelastische Hämostaseanalyse verfügbar ist


Sei der Erste der einen Kommentar abgibt