veröffentlichende Fachgesellschaft: Australasian College for Emergency Medicine (ACEM)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.04.2025
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://policy.acem.org.au/index.php/policies-menu/policy-on-the-care-of-lgbtqia-isb-people-in-emergency-departments
Grundsätzliches
- schlechtere gesundheitliche Ergebnisse und zusätzliche Hürden bei der Inanspruchnahme medizinischer Versorgung für LGBTQIA+-Personen in Australien und Neuseeland
- Studie aus dem Jahr 2020 über erwachsene LGBTQIA+-Personen in ganz Australien konnte zeigen, dass…
- … 1/3 der Teilnehmenden in den letzten 12 Monaten aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verbalen Angriffen ausgesetzt war, 1/4 wurde belästigt und eine von zehn Personen wurde sexuell missbraucht.
- … die Raten psychischer Erkrankungen, psychischer Belastungen und Suizidalität höher sind als in der Gesamtbevölkerung.
- … der Anteil von Patient*innen, die sich im Krankenhaus vorstellten und deren sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität respektiert wurde, lediglich 55,2 % bzw. 35,4 % betrug.
- Studie aus dem Jahr 2019 über erwachsene Transgender-Personen in ganz Australien konnte zeigen, dass…
- … 41,3 % der Befragten, die eine Notfallversorgung benötigten, die Notaufnahme aufgrund von Ängsten im Zusammenhang mit ihrer Geschlechtsidentität nicht aufsuchten.
- … 58 % gaben an Angst vor Misshandlung oder Diskriminierung zu haben und deswegen keine medizinische Hilfe in Anspruch genommen haben.
- … jeder fünften Person die allgemeine Gesundheitsversorgung verweigert wurde.
Empfehlungen
- Menschen, die sich als LGBTQIA+ identifizieren, haben das Recht auf Zugang zu respektvoller und inklusiver Notfallversorgung sowie auf körperliche und psychische Sicherheit/Unversehrtheit
- Notaufnahmen sollten proaktive Maßnahmen in Betracht ziehen, um ein Gefühl der Zugehörigkeit und Inklusion für alle LGBTQIA+-Personen, die Hilfe suchen, zu fördern (z.B. Plakate/Informationsmaterial, Pride-Flaggen, Tragen von Namensschildern mit den eigenen Pronomen etc.
- Etablierung von Vorgehensweisen/SOPs o.Ä. zur Sicherstellung, dass LGBTQIA+-Personen bei der Inanspruchnahme von Notfallversorgung nicht diskriminiert werden und während der Inanspruchnahme körperlich und psychisch sicher sind
- Etablierung von Verfahrensanweisungen für Vorfälle von Diskriminierung, Belästigung oder Missbrauch aufgrund von Geschlecht, Gender, Geschlechtsidentität o.Ä.
- Etablierung von Vorgehensweisen/SOPs, die gewährleisten, dass Patient*innen mit ihrem bevorzugten Namen und ihren bevorzugten Pronomen angesprochen werden (CAVE: berücksichtigen, dass Name und Pronomen ggf. nicht in offiziellen Dokumenten hinterlegt sind)
- Schulung aller Mitarbeiter*innen, um eine Kultur der Sicherheit und Inklusion für LGBTQIA+-Patient*innen zu fördern, wobei die folgenden Punkte zu berücksichtigen sind:
- integrativer und vorurteilsfreier Ansatz bei der Kommunikation und Anamnese
- Erkennen & Wertschätzen der unterschiedlichen Identitäten und Familienstrukturen
- Professionalität im Umgang mit Patient*innen und Angehörigen bewahren
- Vertraulichkeit wahren und bedenken, dass Patient*innen ggf. nicht in allen Situationen offen über ihre LGBTQIA+-Identität sprechen
- Schulung aller Mitarbeiter*innen, um sicherzustellen, dass alle Mitarbeitende über praktische Kenntnisse bzgl. medizinischer Problemen verfügen, die entweder spezifisch für die LGBTQIA+-Community sind oder dort häufig auftreten, wie zum Beispiel:
- spezifische, krisenauslösende Stressfaktoren (Coming-out, familiäre Ablehnung, Homophobie bzw. Transphobie, Hassverbrechen etc.)
- familiäre bzw. häusliche Gewalt und Missbrauch
- medizinische Aspekte, wie z.B. Hormontherapien und chirurgische Eingriffe


Sei der Erste der einen Kommentar abgibt