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Konsensusempfehlung „Diagnose und Therapie der Hyperkaliämie“ der ÖGN

veröffentlichende Fachgesellschaft: Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 12.03.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1007/s00508-026-02708-w

Grundsätzliches

  • Definition „Hyperkaliämie“ (angelehnt an Definition der Kidney Disease Improving Global Outcomes, KDIGO): Wert über dem oberen Referenzwert für die Kaliumkonzentration im Plasma oder Serum [S‑K+]
    • entsprechende Referenzwert für [S‑K+] kann von Labor zu Labor variieren, wird aber oft mit 3,5 – 5,0 mmol/L angegeben (für Plasma-Kaliumkonzentration bei ca. 3,4 – 4,5 mmol/L)
  • Prävalenz der Hyperkaliämie in breiter Allgemeinpopulation: 1,5 – 2,5 % ([S‑K+]-Grenze von ≥ 5,0 mmol/L)
  • Prävalenz bei Notfallpatient*innen bei gleicher Definition: 3,6 %
  • Medikamente mit einem erhöhten Risiko
KlasseMechanismusBeispiel
ACEiHemmung der AT-II und damit der AldosteronproduktionLisinopril, Ramipril, Zilebesiran
ARBHemmung der AT-II-Wirkung und damit der AldosteronproduktionCandesartan, Valsartan, Telmisartan
AldosteronsynthasehemmerHemmung der AldosteronproduktionBaxdrostat, Lorundrostat
Heparin, AntimykotikaHemmung der AldosteronproduktionKetokonazol, Fluconazol, Itraconazol
Steroidale und ns-MRAHemmung der Wirkung von Aldosteron am MineralokortikoidrezeptorsSpironolacton, Eplerenon bzw. Finerenon
K‑sparende DiuretikaHemmung des ENaCAmilorid, Triamteren
AntibiotikaHemmung des ENaCTrimethoprim, Pentamidin
nichtselektive BetablockerHemmung der Reninfreisetzung und des K‑ShiftsMetoprolol, Atenolol
NSARHemmung der ReninfreisetzungIbuprofen, Diclofenac
Calcineurininhibitorenmultiple Mechanismenstörung der tubulären K‑SekretionCyclosporin A, Tacrolimus
DigitalisglykosideHemmung der NaKATPase – Störung der tubulären K‑Sekretion + K-ShiftDigoxin, Digitoxin
KaliumsupplementeKaliumbelastungKCl-Diätsalz, Konservierungsmittel
  • Risiko einer Hyperkaliämie in Abhängigkeit von unterschiedlichen Risikofaktoren

Klassifikation

  • Einteilung basiert einerseits auf absoluter Höhe der [S‑K+] und andererseits auf Vorliegen von Hyperkaliämie-assoziierten EKG-Veränderungen als Ausdruck einer schweren Gesundheitsgefährdung
  • CAVE: Einteilung unterliegt erheblichen Limitationen aufgrund der geringen Sensitivität der EKG-Veränderungen

Symptomatik

  • klinische Manifestationen einer Hyperkaliämie betreffen Herz- und Skelettmuskulatur
  • CAVE: schwere Hyperkaliämie ist medizinischer Notfall aufgrund der Gefahr des Herztods durch Arrhythmien
  • viele Patient*innen mit Hyperkaliämie erscheinen klinisch asymptomatisch oder weisen nur subtile Symptome auf, wie z.B. allgemeine Schwäche
  • Hyperkaliämie kann zu schwerer, typischerweise aszendierender Muskelschwäche führen, die letztlich auf Stamm und obere Extremität übergreifen kann
  • potenziell unmittelbar vital bedrohliche Auswirkungen einer Hyperkaliämie sind jene auf das Myokard
    • Anstieg der [S‑K+] führt initial zu Beschleunigung der kardialen Reizleitung durch ein Anheben des kardialen Ruhemembranpotenzials (−90 mV → −80 mV, nähert sich an das Schwellenpotenzial –> verursacht leichter Tachykardien)
    • Aktivierung von Kaliumkanälen –> Beschleunigung der kardialen Repolarisation –> Verkürzung des Aktionspotenzials
    • i.d.R. hohe T‑Wellen mit schmaler Basis als EKG-Veränderungen in der Frühphase
    • EKG ist unverlässlicher Parameter zur Detektion einer Hyperkaliämie, auch weil Schweregrad der Hyperkaliämie nicht mit den EKG-Veränderungen korreliert

Diagnostik

  • Messung der Kaliumkonzentration
    • Blutabnahme sollte möglichst ohne Stauung –> danach rasche Probenverarbeitung
    • wird Hyperkaliämie festgestellt –> zweite Bestimmung, am besten durch BGA bestätigt
    • zur Kontrolle bei fraglich erhöhten Kaliumwerten kann die Analyse mittels Point-of-Care-Geräten eine wertvolle und rasche Hilfe darstellen
  • erweiterte Labordiagnostik zur Abklärung der Ursachen einer Hyperkaliämie
    • Erhebung von Anamnese (Risikofaktoren für Hyperkaliämie, Ernährung, Medikamente) und Klinik sowie erweiterte Labordiagnostik für Differenzialdiagnostik
    • initial Bestimmung der Nierenfunktion (Serum-Kreatinin, eGFR) erforderlich
    • liegt eGFR über 20 – 30 mL/min/1,73 m2, gewinnen andere bzw. zusätzliche Ursachen der Hyperkaliämie an Bedeutung – deshalb als Nächstes die renale Kaliumelimination beurteilen
    • Goldstandard wäre die Messung der Kaliumausscheidung im 24-h-Harn (CAVE: Test eignet sich naturgemäß nur für die Abklärung einer chronischen Hyperkaliämie)
    • Hyperkaliämie ist starker Stimulus für Aldosteron-Produktion: bereits bei [S‑K+] > 5,5 mmol/L ist Verdopplung der Plasma-Aldosteronkonzentration zu erwarten, steigt [S‑K+] weiter an, kommt es zu einer Erhöhung um das 5‑ bis 10-Fache (Referenzwerte für Aldosteron und Renin können zw. unterschiedlichen Laborinstituten schwanken)

Differenzialdiagnose der Hyperkaliämie – Algorithmus

1. Besteht Notfallsituation (symptomatische Hyperkaliämie)?

    2. Ausschluss einer Pseudohyperkaliämie

    • Pseudohyperkaliämie: artifizielle Erhöhung der [S‑K+] ohne klinische Symptomatik oder EKG-Veränderungen
    • häufigste Ursache ist Hämolyse bei Blutabnahme (langes Stauen, heftiges Pumpen mit der Hand, starke Sogwirkung bei Blutabnahme), welche von LDH-Erhöhung begleitet wird und im Labor durch Bestimmung des freien Hämoglobins nachgewiesen werden kann
    • irrtümliche Verwendung von K+-EDTA-beschichteten Blutröhrchen oder Blutabnahme bei laufender Infusion einer kaliumhaltigen Lösung erhöht ebenfalls die Kaliumkonzentration
    • auch tageszeitliche Schwankungen der [S‑K+] mgl. (nachts um ca. 0,3–0,4 mmol/l niedriger als am Tag, aber immer im Normbereich)

    3. Wie ist die Nierenfunktion?

    • eGFR < 20 – 30  mL/min/1,73 m2
      • hochgradig reduzierte exkretorische Nierenfunktion (akut oder chronisch) kann Hyperkaliämie per se erklären (in vielen Fällen aber zusätzliche Faktoren relevant)
      • in der Praxis deshalb auch bei diesen Patient*innen an andere Ursache für Hyperkaliämie denken, z. B. neu eingeleitete Therapie mit RAASi, kaliumreiche Kost, Kaliumshift, Zelllyse etc.
    • eGFR > 20 – 30 mL/min/1,73 m2
      • normale oder nicht hochgradig eingeschränkte Nierenfunktion sollte [S‑K+] stabil halten können
      • für Differentialdiagnostik siehe Schritt 4

    4. Wie ist die renale Kaliumelimination?

    • FeK+ > 10  %
      • renale Kaliumelimination ist adäquat, kann aber durch Shiftbewegungen zw. EZR & IZR [S‑K+] erhöht sein
    • FeK+ < 10 %
      • renale Kaliumelimination ist gestört –-> weiter mit Schritt 5
    • vermehrter Ausstrom von Kalium aus der Zelle in den EZR
      • Zellzerfall bei Tumorlysesyndrom oder Rhabdomyolyse können schwere Hyperkaliämien verursachen
      • Diagnosen ergeben sich üblicherweise aus klinischem Kontext
    • verminderte Aufnahme von Kalium in die Zelle
      • Betablocker oder zu niedrige Insulinkonzentration hemmen postprandialen Kaliumtransport in die Zelle
      • auch hyperkaliämische periodische Paralyse ist durch Störung des Natrium-vermittelten Kaliumtransports (SCN4A) in die Muskelzelle charakterisiert
      • Hyperkaliämien sind getriggert durch Kälte, Hunger und Kaliumzufuhr bzw. nach körperlicher Anstrengung

    5. Messung von Renin und Aldosteron (wenn keine RAASi eingenommen werden)

    • Hypoaldosteronismus ist bei gering eingeschränkter Nierenfunktion die wichtigste Ursache für eine Hyperkaliämie mit verminderter renaler Kaliumelimination (CAVE: Unterscheidung zw. Aldosteronresistenz und Aldosteronmangel)
      • beide Formen sind mit metaboler Azidose assoziiert und werden entsprechend auch als RTA Typ IV bezeichnet
    • Aldosteronresistenz (Renin ↑, Aldosteron ↑)
      • initial medikamentöse Ursachen ausschließen (z.B. MRA, kaliumsparende Diuretika, Trimethoprim), sonst an tubulointerstitielle Nierenerkrankungen denken
      • viel seltener sind angeborene Loss-of-Function-Mutationen des ENaC oder MR (Pseudohypoaldosteronismus Typ Ia/Ib)
      • wichtig ist der Ausschluss, dass geringer Anstrom von Na+ an das Sammelrohr die Kaliumsekretion hemmt ([Harn-Na+] < 20 mmol/L): Mechanismus kann bei Hypovolämie oder kardialer Dekompensation die Ursache für Hyperkaliämie sein, z.B BRASH-Syndrom
    • Aldosteronmangel, bedingt durch direkte Störung der Aldosteronproduktion der Nebenniere (Renin ↑, Aldosteron ⊥–↓), oder indirekt durch verminderte Reninproduktion (Renin ↓, Aldosteron ⊥–↓)
      • direkte Störung der Aldosteronproduktion (Renin ↑, Aldosteron ⊥–↓)
        • primäre Nebennierenrindeninsuffizienz
        • isolierter Hypoaldosteronismus
      • indirekte Störung der Aldosteronproduktion (Renin ↓, Aldosteron ⊥–↓)
        • hyporeninämischer Hypoaldosteronismus (mit normalem oder erhöhtem Blutdruck)
        • Pseudohypoaldosteronismus Typ II (Gordon-Syndrom)

    Risikofaktoren

    • gestörte Nierenfunktion (z.B. Hämodialyse)
    • Einnahme von Risiko-Medikamenten, die die renale Kaliumelimination beeinflussen
    • Komorbiditäten wie Herzinsuffizienz, Diabetes und Hypertonie
    • zu hohe Kaliumzufuhr in Kombination mit anderen Risikofaktoren (CKD, Medikamente)
    • frühere Episoden einer Hyperkaliämie
    • höheres Alter

    Management der schweren Hyperkaliämie

    Grundsätzlich gilt: Eine akute Störung ist bedrohlicher als eine chronische!

    Basismanagement der schweren Hyperkaliämie

    • zügige Ersteinschätzung durch Messung der Vitalparameter, fokussierte Anamnese inkl. sorgfältiger Medikamentenanamnese und körperlicher Untersuchung bei Vorliegen einer schweren Hyperkaliämie, um akute vitale Bedrohung auszuschließen
    • Red Flags für das Vorliegen einer schweren Hyperkaliämie
      • CKD (speziell bei eGFR < 30 ml/min/1,73 m2)
      • akute Nierenerkrankung
      • Herzinsuffizienz
      • Diabetes mellitus
      • schwere Gewebsnekrosen (z. B. Rhabdomyolyse)
      • Schockzustände
      • RAASi, NSAR, kaliumsparende Diuretika
    • zügige Bestimmung der [K+] anstreben (Analyse des Kaliums aus Vollblut mittels Point-of-Care-Geräten präferieren) –> Bestätigung einer Hyperkaliämie durch Bestimmung der [S‑K+] im Zentrallabor oder durch BGA ist anstreben
    • Anfertigung eines 12-Kanal-EKGs so rasch wie möglich in jedem Fall einer [S‑K+] > 6,0 mmol/L –> sofortige Therapie-Einleitung bei EKG-Veränderungen (CAVE: auch sehr hohe [S‑K+] (> 7,0 mmol/L) resultieren mitunter nicht in (typischen) EKG-Veränderungen)
    • Überwachung mit kontinuierlichem EKG-Monitoring, nicht-invasive Intervallmessung des Blutdruckes sowie SpO2-Messung sind bei moderater bis schwerer Hyperkaliämie

    Therapie einer schweren Hyperkaliämie

    • Therapie von Arrhythmien mittels Kalziumsalzen
      • Gabe von Kalziumsalzen (3x 10  mL Calciumgluconat 10 % i.v. über 5 – 10 min bei moderater bis schwerer Hyperkaliämie und lebensbedrohlichen-EKG-Veränderungen (Verlust von P‑Wellen, verbreiterter QRS-Komplex, Sinuswellenform, Bradykardie)
      • bei Persistenz der EKG-Veränderungen 5 min nach Gabe wiederholte Gabe erwägen
      • Verabreichung soll zeitgleich von anderen Maßnahmen zur Kaliumsenkung begleitet werden
      • wahrscheinlich auch sinnvoll, i.v.-Kalzium bei extremer Hyperkaliämie ([S-K+] > 7,0 mmol/L) ohne EKG-Veränderungen zu verabreichen, wenn Risikofaktoren für weiteren Kaliumanstieg oder Arrhythmien vorhanden sind
      • andersherum bei typischen EKG-Veränderungen für schwere Hyperkaliämie (schwere Bradykardie, Sinuswellen-EKG), aber [S‑K+]-Bestimmung noch nicht möglich, auch i.v.-Kalzium-Gabe
    • Kaliumshift
      • Insulin
        • Gabe von 5 Einheiten Insulin i.v. mit zeitgleicher Gabe von 25 g Glukose bei [S‑K+] > 6,5 mmol/L (alternativ 10 Einheiten Insulin mit 50 g Glukose i.v. über 5 – 15 min)
        • Verzicht der Glukosegabe bei relevanter Hyperglykämie (> 200 mg/dL) erwägen
        • anschließend engmaschiges Glukosemonitoring (alle 30 min)
      • Betamimetika
        • Gabe von 10 – 20 mg Salbutamol inhalativ oder alternativ 0,5 mg i.v. als Kurzinfusion bei [S‑K+] > 6,0–6,5 mmol/L unter Abwägung etwaiger Kontraindikationen (Tachykardie, Arrhythmien, koronare Herzkrankheit) zur Senkung der [S‑K+]
        • Therapie kann mit Gabe von Insulin (und Glukose) kombiniert werden
        • zeitgleiches kardiales Monitoring aufgrund des potenziellen Nebenwirkungsprofils bei Risikopatient*innen
        • alternativ auch 0,5 mg Terbutalin als Bolus (CAVE: nur 0,25 mg Sultanol/Terbutalin in 10 mL NaCl langsam i.v. oder als Injektion mit 0,5 mg Sultanol/Terbutalin s.c.; kaliumsenkende Wirkung setzt nach ca. 30 min ein und hält mind. 2 h an)
        • CAVE: nichtselektive Betablocker reduzieren kaliumsenkende Wirkung deutlich
      • Bikarbonat
        • Gabe von Natriumbikarbonat ausschließlich bei schwerer Hyperkaliämie und konkomitanter schwerer hyperchloridämischer metabolischer Azidämie (pH < 7,2) als zusätzliche Therapie erwägen
    • Kaliumelimination
      • Diuretika
        • Einsatz von Diuretika, v.a. i.v.-Schleifendiuretika, in der Therapie der schweren Hyperkaliämie erwoägen, aber auf Patient*innen ohne zeitgleiche Hypovolämie beschränken
      • Kaliumbinder
        • Patiromer und Natrium-Zirkonium-Cyclosilicat (SZC) ausschließlich als Zusatz zu den oben genannten Maßnahmen in der Behandlung einer schweren Hyperkaliämie (CAVE: verzögerter Wirkung und mutmaßlich interindividuell schwer abschätzbarer Effekt; Kaliumrebound n der weiterführenden Therapie verhindern)
        • Dosierungen, Wirkung und Nebenwirkungen für intestinale Kaliumbinder (s. Tabelle)
    • Therapie von Risikofaktoren
      • Suche nach provozierenden Faktoren (Medikamente, Diät, Komorbiditäten, Kaliumsupplemente) bei allen Patient*innen mit schwerer Hyperkaliämie (auch zur Reduktion des Risikos einer nochmaligen Hyperkaliämie)
    • Indikation zur Nierenersatztherapie
      • Hämodialyse bei allen Patient*innen mit terminaler Nierenerkrankung unter chronischer Nierenersatztherapie mit schwerer Hyperkaliämie
      • Hämodialyse bei Patient*innen mit therapierefraktärer (inklusive Rebound‑)Hyperkaliämie
      • Hämodialyse im Kontext mit schwerer akuter Nierenerkrankung (z. B. Anurie)
      • Indikation zur Nierenersatztherapie mit Fachärzti*innen für Nephrologie absprechen
    • Monitoring bei schwerer Hyperkaliämie
      • Monitoring mit EKG, Herzfrequenz, Blutdruck & SpO2 bis Hyperkaliämie normalisiert oder deutlich rückläufig ist, v.a. bei initialem Vorhandensein von EKG-Veränderungen
      • engmaschige Kontrolle der Kaliumkonzentration bei jeder moderaten und schweren Hyperkaliämie
      • bei Gabe von Insulin Kontrolle der Blutglukose zur Vermeidung einer Hypoglykämie

    Therapie bei milder bis moderater Hyperkaliämie

    • Adaptierung der Medikation
      • Medikamente ohne prognostischen Benefit, welche Kaliumspiegel anheben (z. B. NSAR, Trimethoprim, Kaliumsupplemente), absetzen
      • Absetzen der RAASi-Therapie aufgrund Hyperkaliämie ausschließlich bei persistierender [S‑K+] > 6,0 mmol/L trotz Ausschöpfung kaliumsenkender Therapieoptionen indiziert
    • Kaliumelimination
      • Kaliumbinder (Patiromer oder SZC) bei CKD + [S‑K+] > 6,0 mmol/L einsetzen, v. a. um Einsatz bzw. maximale Dosierung einer nephroprotektiven RAASi-Therapie zu ermöglichen
      • Schleifen- und Thiaziddiuretika zur Senkung der [S‑K+] einsetzen, wenn primär bereits Indikation dafür besteht (Hypervolämie, Hypertonie, Proteinurie), ebenso SGLT‑2-Hemmer
      • Laxanzien zur Stuhlregulation bei Obstipation können [S‑K+] ebenfalls senken
      • keine Empfehlung für Einsatz von Puffersubstanzen (wie Natriumhydrogenkarbonat) zur Senkung der [S‑K+] aufgrund der geringen Wirkung und des Risikos der Natriumbelastung
    • Kaliumbinder
      • Kaliumbinder (Patiromer oder SZC) bei Patient:innen mit NET + [S‑K+] > 6,0 mmol/L einsetzen
    • Diuretika
      • keine offizielle Empfehlung durch ÖGN
      • Thiaziddiuretika (v. a. Chlortalidon) und Schleifendiuretika können bei guter Restnierenfunktion die renale Kaliumelimination erhöhen
      • kaliuretische Effekt von Schleifendiuretika besser als der von Thiaziddiuretika
    • Laxanzien
      • keine offizielle Empfehlung durch ÖGN
      • Einsatz von Laxanzien ist mit niedrigeren Kaliumwerten assoziiert, was Einsatz von Laxanzien bei CKD-assoziierter Hyperkaliämie und Obstipation sinnvoll macht
    • Puffertherapie
      • keine offizielle Empfehlung durch ÖGN
      • Einsatz zur Behandlung der Hyperkaliämie bei Serum-Bikarbonat > 18 mmol/L primär nicht zu empfehlen
    • Nierenersatztherapie
      • bei chronischer Hämodialyse bis zu prädialytischer [S‑K+] von 8,0 mmol/L die Dialysat-Kaliumkonzentration nicht auf < 2,0 mmol/L absenken
      • bei Peritonealdialyse kann Intensivierung der Behandlung (mehr Behandlungsvolumen) die Kaliumelimination erhöhen
    • Ernährungsempfehlungen
      • Erhebung der aktuellen Kaliumzufuhr im Rahmen einer professionellen Ernährungsberatung („food record“)
      • Reduktion der Kaliumzufuhr bei hoher Kaliumzufuhr > 100 mmol/d (gleiche Diätempfehlungen bezüglich der Art und Menge der Kaliumzufuhr wie bei CKD ohne Dialyse)

    Therapie der Hyperkaliämie unter RAAS-Blockade

    • Kaliumbinder (Patiromer oder SZC) bei Patient*innen unter RAASi + [S‑K+] > 5,5 mmol/L einsetzen, v. a. um den Einsatz bzw. die maximale Dosierung einer kardio- und nephroprotektiven RAASi-Therapie zu ermöglichen
    • liegt [S‑K+] unter Ausschöpfung der K+-senkenden Therapie aber bei > 6,0 mmol/L, RAASi in der Dosis passager reduzieren oder pausieren
    • Schleifen- und Thiaziddiuretika können ebenso wie SGLT-2-Hemmer zur Senkung der [K+] eingesetzt werden, wenn primär bereits Indikation dafür besteht (Hypervolämie, Proteinurie etc.)

    chronische Therapie der Hyperkaliämie bei Herzinsuffizienz

    • Herzinsuffizienztherapie (RAASi, Betablocker, MRA) möglichst aufrechterhalten
    • liegt die [S‑K+] unter Ausschöpfung der kaliumsenkenden Therapie aber > 6,0 mmol/L, RAASi in der Dosis reduzieren oder absetzen.
    • natriumfreie Kaliumbinder (z. B. Patiromer) bei Patient*innen unter RAASi + [S‑K+] > 5,5 mmol/l einsetzen, v. a. um Einsatz bzw. maximale Dosierung einer nephroprotektiven RAASi-Therapie zu ermöglichen
    • SGLT-2-Hemmer können [S‑K+] senken; als Teil der Herzinsuffizienztherapie einsetzen
    • Schleifen- und Thiaziddiuretika zur Senkung der [K+] einsetzen, wenn primär bereits Indikation dafür besteht (Hypervolämie, Proteinurie etc.)

    chronische Therapie der Hyperkaliämie bei Diabetes

    • kardio- und nephroprotektive Therapie mit RAASi bei Diabetes mellitus Typ 2 möglichst aufrechterhalten
    • liegt [S‑K+] unter Ausschöpfung der kaliumsenkenden Therapie aber > 6,0 mmol/L, RAASi in der Dosis reduzieren oder absetzen
    • Kaliumbinder (Patiromer oder SZC) bei Patient*innen unter RAASi + [S‑K+] > 5,5 mmol/L einsetzen, v. a. um Einsatz bzw. maximale Dosierung einer nephroprotektiven RAASi-Therapie zu ermöglichen
    • SGLT-2-Hemmer können [S‑K+] senken; als Teil der Herzinsuffizienztherapie einsetzen
    • Schleifen- und Thiaziddiuretika zur Senkung der [K+] einsetzen, wenn primär bereits Indikation dafür besteht (Hypervolämie, Proteinurie etc.)
    Published inLeitlinien kompakt

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