veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI)
Klassifikation gemäß AWMF: S1
Datum der Veröffentlichung: 10.03.2026
Ablaufdatum: 09.03.2031
Quelle/Quelllink: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/048-018
Diagnostik
- initiale Diagnostik beinhaltet vollständige klinische Untersuchung, Erhebung der Vitalparameter sowie Suche nach alternativen Infektionsfoci außerhalb der Atemwege
- Vitalzeichen: Temperatur, Atemfrequenz, transkutane, SpO2, Blutdruck, Diurese
- weiterführende Diagnostik umfasst zielgerichtete Labor- und mikrobiologische Diagnostik (ink. Blutkulturen bei schwerem Verlauf) sowie Gewinnung möglichst tiefen Atemwegssekrets, wobei Kolonisation und Infektion kritisch voneinander abgegrenzt werden sollten
- Blutbild, Kreatinin, C-reaktives Protein oder Procalcitonin, Blutgasanalyse inkl. Natrium, Kalium, Kalzium
- bei schwerer Erkrankung und v.a. vor Beginn einer antibiotischen Therapie auch Abnahme eines Blutkultur(BK)-Sets (CAVE: mit 1 – 3 mL zu beimpfende aerobe pädiatrische BK-Flaschen nach Möglichkeit nur bei Kindern < 10 kgKG einsetzen)
- < 10 kgKG: 3 mL in (aerobe) pädiatrische BK-Flasche (zusätzlich anaerobe BK bei V.a. Aspirationspneumonie: 3 – 5 mL)
- 10 – 20 kgKG: 5 mL pro BK-Flasche
- > 20 kgKG: 10 mL pro BK-Flasche
Therapie
- Basistherapie umfasst konsequente symptomatische Behandlung mit…
- angepasster Hydrierung
- Fieberkontrolle
- Sauerstoffgabe bei Hypoxämie
- inhalativer, physiotherapeutischer und apparativer Unterstützung des Sekretmanagements
- bei respiratorischer Insuffizienz frühzeitige interdisziplinäre Mitbeurteilung
- bei V.a. virale Infektionen der unteren Atemwege (lower respiratory tract infections, LRTI) steht gezielte antivirale Therapie bei entsprechender Indikation (z. B. Influenza) sowie engmaschige klinische Reevaluation im Vordergrund, v.a. zur Erkennung bakterieller Super- oder Koinfektionen bei klinischer Verschlechterung
- bei V.a. bakterielle LRTI orientiert sich die initiale kalkulierte Antibiotikatherapie an pragmatischer Gruppeneinteilung:
- Gruppe I: ambulant erworbene LRTI oder Aspirationspneumonie –> Therapie mit Aminopenicillin plus Betalaktamaseinhibitor
- Gruppe II: Chronische Lungenerkrankung oder tracheotomierte Patient*innen mit rezidivierenden LRTI –> Therapie mit Piperacillin-Tazobactam
| Gruppe I Patient*innen mit ambulant erworbener LRTI oder Aspirationspneumonie | Aminopenicillin plus Betalaktamaseinhibitor, z.B.: Ampicillin-Sulbactam i.v. (150 mg/kgKG/d bezogen auf Ampicillinanteil in 3 Einzeldosen; max. Einzeldosis 2 g) ODER falls kein i.v.-Zugang mgl. und enterale Resorption gewährleistet ist: Amoxcillin-Clavulansäure 7:1 p.o. oder per gastraler Sonde ((50) – 90 mg/kgKG/d bezogen auf Amoxicillin-Anteil in 3 Einzeldosen; max. Einzeldosis 875 mg Amoxicillin)) oder Sultamicillin p.o. oder per gastraler Sonde ((50) – 90 mg/kgKG/Tag bezogen auf Ampicillin-Anteil in 3 Einzeldosen; max. Einzeldosis 750 mg Sultamicillin)) |
| Gruppe II Patient*innen mit chronischer Lungenerkrankung und/oder Tracheotomierte mit häufig rezidivierenden LRTI | Piperacillin-Tazobactam i.v. 300 mg/kgKG/Tag bezogen auf Piperacillin-Anteil in 3 – 4 Einzeldosen (4,5 g Piperacillin-Tazobactam enthalten 4 g Piperacillin; max. Einzeldosis 4/0,5 g). |
- bekannte Pseudomonas-Besiedelung rechtfertigt nur bei entsprechender Anamnese oder kritischem Krankheitsbild initiale Erweiterung des Therapiespektrums (bei fehlender Vorgeschichte und stabiler Klinik bleibt bei ambulant erworbener LRTI oder Aspirationspneumonie ein Therapieversuch mit Aminopenicillin plus Betalaktamaseinhibitor vertretbar
- bei MRE-Besiedelung ohne kritische Erkrankung werden Vorbefunde kontextabhängig berücksichtigt (mögliche temporäre Kombinationstherapie zur Überbrückung bis zum Antibiogramm erscheint sinnvoller als primärer Einsatz von Reserveantibiotika)
- initiale Erweiterung der antibiotischen Wirksamkeit gemäß letztem Antibiogramm mit konsequenter Reevaluation und Fokussierung der Therapie im Rahmen eines frühen Antibiotic Timeout bei kritisch kranken Patient*innen mit bekannter MRE-Besiedelung
Algorithmus für Management



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