veröffentlichende Fachgesellschaft: French Society of Emergency Medicine (SFMU) & French Intensive Care Society (SRLF)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 05.06.2025
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://www.sfmu.org/fr/publications/recommandations-de-la-sfmu/-recommandations-sur-la-prise-en-charge-de-la-dyspnee-aigue-en-urgence/con_id/565
Beurteilung des Schweregrads einer akuten Dyspnoe
- Abklärung der folgenden Punkte als Anzeichen für eine schwere Erkrankung schon bei Anruf in der Rettungsleitstelle (ggf. unter Zuhilfenahme von Videotelefonie)
- Tachypnoe (> 25/min), inverse Atmung (Schaukelatmung)
- Unfähigkeit, vollständige Sätze zu sprechen
- Extremitäten-Zyanose
- Schweißausbrüche
- Bewusstseinsstörungen
- intubiert-beatmete Patient*innen, aber auch NIV-Patient*innen, direkt auf ITS transportieren, v.a. bei Patient*innen mit hohem O2-Verbrauch oder beim Vorliegen mindestens ein anderes Organversagen als dem respiratorischen Versagen
- erhöhtes Risiko für eine endotracheale Intubation sowie für Notwendigkeit einer ITS-Behandlung und einer höheren KH-Mortalität bei Patient*innen mit akuter Dyspnoe und Tachypnoe (AF > 25/min)
- höheres KH-Mortalitätsrisiko bei Patient*innen mit akuter Dyspnoe und Bewusstseinsstörungen oder paradoxer/inverser Atmung
Ersteinschätzung, Triage und Überwachung bei akuter Dyspnoe
- Ersteinschätzung unter Zuhilfenahme einer Triage-Skala bei Patient*innen mit Dyspnoe, um die Sterblichkeitsrate zu senken
- regelmäßige Überwachung der Vitalparameter wie RR, HF, AF, Temperatur, SpO2 sowie Bewusstseinszustand bei Patient*innen mit Dyspnoe, um die Sterblichkeitsrate zu senken (AF-Messung über mindestens 30 sec)
- Verwendung einer numerischen Skala zur Bewertung Dyspnoe durch die Patienten mit Dyspnoe selbst
diagnostisches Vorgehen bei akuter Dyspnoe
- Nutzung der PERC-Regel bei Dyspnoe-Patient*innen mit Verdacht auf Lungenembolie (LAE), um LAE sicher auszuschließen
- Nutzung von YEARS- & PEGeD-Score bei Dyspnoe-Patient*innen mit Verdacht auf LAE der Verwendung von Geneva- oder Wells-Score vorziehen
- jeweils genutztes Scoring-Tool bis zum Abschluss der Behandlung zu verwenden
- keine Nutzung der BGA zur Beurteilung des Hypoxämiegrades
- SpO2-Messung zur Beurteilung des Oxygenierungsgrades verwenden (SpO2 > 96 % bei Umgebungsluft macht PaO2 < 60mmHg unwahrscheinlich; SpO2 > 92 % bei COPD-Patient*innen macht PaO2 < 60mmHg unwahrscheinlich)
- venöse BGA zur Beurteilung des Kohlenstoffdioxidgehalts im Blut (normaler PvCO2 mit < 45 mmHg macht PaCO2 > 50 mmHg unwahrscheinlich)
- arterielle BGA-Messung als Referenzmessung, v.a. in komplexen Situationen
- keine Empfehlungen für venöser BGA zusätzlich zur SpO2-Messung zur Verbesserung der klinischen Entscheidungsfindung
- keine routinemäßige arterielle BGA für die klinische Entscheidungsfindung (Therapie, Überweisung) oder Überwachung bei Dyspnoe-Therapie (arterielle BGA bei ausgeprägter Atemnot in Betracht ziehen für die Therapiesteuerung hinsichtlich der Beatmung, v.a. wenn Zweifel an der Zuverlässigkeit der SpO2-Messung bestehen oder diese nicht messbar ist, oder um Hyperkapnie und respiratorische Azidose zu bestätigen/quantifizieren, wenn PvCO2-Wert erhöht ist)
- keine ausreichende Datenlage für die CRP- & PCT-Bestimmung als Indikator für die Einleitung einer Antibiotikatherapie
- Bestimmung des natriuretischen Peptids (ANP, BNP, CNP) zum Ausschluss einer akuten Herzinsuffizienz in allen klinischen Situationen, außer bei übergewichtigen Patient*innen (CAVE: Test nur in Verbindung mit weiteren klinischen Infos durchführen und interpretieren)
- Durchführung einer Sonographie von Lunge und Herz bei Patient*innen mit akuter Dyspnoe
- Durchführung eines Low-Dose-CT bei diagnostischen Zweifeln bei V.a. LAE
- Bewertung von Pflegebedürftigkeit und Gebrechlichkeit zur Prädiktion der KH-Mortalität (CAVE: abgesehen vom Alter gibt es keine Kriterien, die die Sterblichkeit bei Dyspnoe-Patient*innen vorhersagen)


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