veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
Klassifikation gemäß AWMF: S3
Datum der Veröffentlichung: 01.05.2025
Ablaufdatum: 30.04.2030
Quelle/Quelllink: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-074
Grundsätzliches
- Fieber: üblicherweise zentrale Körpertemperatur von ≥ 38,5 °C (CAVE: bei Kindern < 3 Monate Temperatur von ≥ 38,0 °C)
- Begriff „Hyperpyrexie“ wird im englischsprachigen Bereich manchmal für hohes Fieber (je nach Quelle ab 40 °C bis ab 41,5 °C) genutzt –> laut Leitliniengruppe keine Verwendung des Begriffs, da bei infektionsbedingtem Fieber keine pathophysiologische Grundlage für die Verwendung des Begriffes Hyperpyrexie ab einer bestimmten Temperatur
Fieberverlauf/-phasen
- 1 – Vorlauf (Prodromalphase): Kind hat noch kein Fieber, aber Befinden und Verhalten sind etwas verändert (leichte Gereiztheit, Rückzugsbedarf, Ungeschicklichkeit etc.)
- 2 – Fieberanstieg (incrementi): innere Solltemperatur steigt an und der Körper reagiert mit Frösteln und Wärmebedarf bis hin zu Schüttelfrost
- 3 – Fieberplateau (fastigium): Körpertemperatur erreicht Höhepunkt und kann mit leichten Schwankungen auf dieser Höhe bleiben
- 4 – Fieberabfall (decrementi): innere Solltemperatur sinkt, was mit Schwitzen einhergehen kann, als Zeichen, dass der Körper eine niedrigere Temperatur anstrebt
- 5 – Genesung (Rekonvaleszenz): Kind hat kein Fieber mehr, ist aber häufig noch etwas antriebslos
Empfehlungen
- Bezugspersonen über Fieber als normale und meistens hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers im Umgang mit Krankheitserregern aufklären
Messung der Körpertemperatur
- wenn bei Neugeborenen und Säuglingen eine Messung der Körperkerntemperatur (KKT) vorgenommen wird, soll diese rektal mit einem Digitalthermometer erfolgen (Thermometer sollte gleitfähig gemacht werden)
- bei Kindern > 1 Jahr und Jugendlichen gilt die Messung mit einem Infrarot-Trommelfellthermometer in den meisten Fällen als ausreichend genau zur Ermittlung der Körpertemperatur
- Messung der Körpertemperatur mit Infrarot-Stirn-/Schläfenthermometer ist ungenauer als die Messung rektal und im Ohr, sie kann dennoch erwogen werden
- alternativ zum Trommelfellthermometer Messung der Körpertemperatur bei geschlossenem Mund unter der Zunge mit einem Digitalthermometer (CAVE: Messung ist allerdings fehleranfällig und sollte nur bei Jugendlichen durchgeführt werden)
- axilläre Messung mit Digitalthermometer in keiner Altersklasse zur verlässlichen Messung der Körpertemperatur einsetzen
Bewertung von Warnzeichen und Risiken
- bei Fieber nach korrekt durchgeführter Messung selbiges immer im Zusammenhang mit dem Allgemeinzustand, Wohlbefinden, Warnzeichen sowie Unsicherheit und Sorge der Bezugspersonen interpretieren (Warnzeichen sind insbesondere Bewusstseinsstörungen, Berührungsempfindlichkeit, starke Schmerzen, schrilles Schreien, Hauteinblutungen (nicht-wegdrückbarer Hautausschlag), Austrocknung, sehr schnelles Atmen, Rekapillarisierungszeit über 3 Sekunden, sehr blasse, graue oder blaue Haut, ein schwerkrankes Kind oder Fieberdauer >3 Tage)
- Ampelsystem zur Risikoeinschätzung einer schweren Erkrankung bei fiebernden Kindern und Jugendlichen


- Pädiatrisches Dreieck ist ein einfacher, schneller und leicht zu erlernender Beurteilungsalgorithmus für medizinisches Personal zur Ersteinschätzung (CAVE: keine Validierung, wann sich ein krankes Kind in einem bedrohlichen Zustand mit der Gefahr bleibender Schäden befindet)

- Risikovorerkrankungen
- systemischer Lupus erythematodes sowie autoimmune/autoinflammatorische Erkrankungen
- liegende zentralvenöse Katheter
- ventrikulo-peritonealer Shunt, ventrikulo-atrialer Shunt
- angeborene Herzerkrankungen (bspw. Klappenvitien)
- bösartige Erkrankungen (bspw. Leukämie)
- Harntraktanomalien
- hämatologische Erkrankungen und Einschränkung der Milzfunktion (bspw. bei Sichelzellanämie, Thalassämie), Zustand nach Stammzelltransplantation, anatomische oder funktionelle Asplenie
- erworbene Immundefekte (bspw. bei immunsuppressiver Therapie)
- angeborene Immundefekterkrankungen (bspw. bei Antikörpermangel)
- Kinder < 3 Monate mit (rektaler) Temperatur von ≥ 38 °C ärztlich sorgfältig hinsichtlich einer schweren bakteriellen Infektion untersuchen (CAVE: Fieber kann in dieser Altersgruppe oft fehlen, obwohl eine schwere bakterielle Infektion besteht; entscheidend ist immer der klinische Befund)
nicht-medikamentöses Fiebermanagement
- Fieber bei einer Infektion ist normalerweise selbstlimitierend (bei zuvor gesunden fiebernden Kindern und Jugendlichen gibt es keine Indikation, das Fieber aufgrund der Höhe der Temperatur zu senken)
- für das häusliche Fiebermanagement Bezugspersonen dahingehend beraten, dem Kind regelmäßig Flüssigkeit anzubieten
- Kind bei Appetit leichte Kost anbieten (es ist zunächst nicht wichtig, dass das Kind isst)
- für das häusliche Fiebermanagement Bezugspersonen dahingehend beraten, dem Kind ungestörten Schlaf zu ermöglichen (CAVE: ruhig schlafende Kinder und Jugendliche mit Fieber nicht für Messungen oder Maßnahmen wecken, brauchen jedoch wahrnehmbare Nähe der Bezugspersonen)
- für das häusliche Fiebermanagement Bezugspersonen wie folgt beraten
- im Fieberanstieg Kinder und Jugendliche, wenn sie frieren (kühle Hände und Füße, Schüttelfrost), ihrem Wärmebedarf gemäß versorgen und zudecken, bis eine für Kind oder Jugendliche/n angenehme Temperatur erreicht ist
- wenn dem Kind zu warm ist, kann es leichter bedeckt sein
- Kind oder Jugendlichem durch liebevolle Zuwendung Ruhe und Sicherheit vermitteln
- Kinder und Jugendliche mit Fieber nicht entkleiden und/oder kalten Umgebungstemperaturen aussetzen (Hauptaugenmerk sollte auf Wohlbefinden des Kindes oder Jugendlichen liegen)
- bei fiebernden Kindern/Jugendlichen mit warmen Händen/Füßen, also nicht zentralisierter Wärme, aber Leidensdruck durch Fieber, ggf. bei Unwohlsein Wadenwickel anwenden (CAVE: Wadenwickel sollten körperwarm sein, um Gegenregulation zu vermeiden)
Antipyretika
- fiebersenkende Medikamente nicht mit alleinigem Ziel verwenden, die KKT bei Fieber zu senken, sondern nur zur Schmerzlinderung und Verbesserung des Befindens
- Ibuprofen (ab Alter > 3 Monate) oder Paracetamol bei Kindern und Jugendlichen, die vom Fieber stark beeinträchtigt sind, anwenden, aber nur so lange verabreichen, wie die Beeinträchtigung anhält
- fiebersenkende Medikamente verhindern Fieberkrämpfe nicht und sollen nicht speziell für diesen Zweck eingesetzt werden
- keine prophylaktische Gabe von fiebersenkenden Medikamenten bei Impfungen
- alternierende Gabe von Ibuprofen und Paracetamol oder Medikamentenumstellung kann nach ärztlicher Konsultation erwogen werden, wenn das Kind weiterhin beeinträchtigt ist, bevor die nächste Dosis des gleichen Wirkstoffes möglich und eine korrekte Gabe sichergestellt ist
- Medikamentendosierungen
| Medikamenten | Dosierungshinweise |
|---|---|
| Paracetamol | – empfohlene Einzeldosis von 10 – 15 mg/kg nicht überschreiten – maximale Einzeldosis (1000 mg) und maximale Tagesdosis (4000 mg für Kinder > 12 Jahre) nicht überschreiten – abhängig von Einzeldosis nicht mehr als vier (bei 10 bis 15 mg/kg) bis sechs Dosen (bei 10 mg/kg) pro Tag verabreichen |
| Ibuprofen | – empfohlene Einzeldosis von 7 – 10 mg/kg/Dosis nicht überschreiten – maximale Einzeldosis für Kinder > 12 Jahre: höchstens 600 mg – maximale Tagesdosis (40 mg/kg oder 2400 mg) soll nicht überschreiten; nicht mehr als 4 Dosen pro Tag |
| Metamizol | Metamizol kann bei stark beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen nach unzureichendem Ansprechen auf Ibuprofen oder Paracetamol verabreicht werden (10 – 15 mg/kg bis viermal pro Tag) |
| Acetylsalicylsäure | CAVE: Ansprechen auf Antipyretika korreliert nicht mit Schwere oder Ätiologie von Infektionskrankheiten (viral oder bakteriell) und sollte deshalb nicht zu dieser Unterscheidung eingesetzt |
Antibiotika
- Antibiotika restriktiv, rational und leitlinienkonform bei Kindern und Jugendlichen mit Fieber verordnen
- Fieber an sich ist keine Indikation für ein Antibiotikum (CAVE: meiste Infektionskrankheiten bei Kindern und Jugendlichen werden nicht durch Bakterien verursacht; virale Infektionen und einige bakterielle Infektionen bedürfen keiner Antibiotikatherapie –> Gabe von Antibiotika hat in diesen Fällen keinen Nutzen und kann schaden)
Zeit für Rekonvaleszenz
- Bezugspersonen sollen dahingehend beraten werden, für eine ausreichend lange Genesung zu sorgen – dies bedeutet für Kinder und Jugendliche, mindestens einen Tag fit und fieberfrei zu sein, bevor sie wieder den Kindergarten oder die Schule besuchen.


[…] Die Veröffentlichung vom 1. Mai 2025 ist bis zum 30. April 2030 gültig und bietet umfassende Richtlinien, die nicht nur Ärzte und Pflegekräfte, sondern vor allem auch Eltern in diesen sensiblen Situationen unterstützen sollen. Fiebermanagement ist ein bedeutender Bestandteil der kindlichen Gesundheitsversorgung, und der richtige Umgang damit ist essentiell für die Genesung und das Wohlbefinden der Kinder. Weitere Informationen dazu finden sich unter Universität Witten/Herdecke, DGKJ und foamio.org. […]