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Leitlinie „Sectio caesarea“ der DGGG (Update 2026)

veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
Klassifikation gemäß AWMF: S3
Datum der Veröffentlichung: 12.10.2026
Ablaufdatum: 11.10.2031
Quelle/Quelllink: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-084.html

Inhaltsverzeichnis

Grundsätzliches

  • Sectio oder auch Kaiserschnitt, Schnittentbindung, abdominelle Entbindung, Sectio caesarea
  • weltweit häufigste Operation bei Frauen mit global stetig zunehmender Rate
  • Kaiserschnittraten in Deutschland
    • 2012: 31,9 %
    • 2018: 29,2 %
    • 2024: 33 %
  • Einteilung bezogen auf den Geburtsbeginn
    • primäre Sectio: Kaiserschnitt noch bevor die Geburt begonnen hat, also weder (vorzeitiger) Blasensprung oder muttermundwirksame Wehentätigkeit vorhanden
    • sekundäre Sectio: Geburt hat bereits vor Kaiserschnitt begonnen, es gibt also muttermundwirksame Wehen oder einen (vorzeitigen) Blasensprung
  • Einteilung nach DRG-System und internationaler Kontext
    • primäre Sectio: Kaiserschnitt, der als geplante Prozedur vor oder nach dem Einsetzen der Wehen durchgeführt wird (Entscheidung zur Sectio wurde dabei aber bereits vor Einsetzen der Wehen getroffen)
    • sekundäre Sectio (inkl. Notsectio): Kaiserschnitt, der aufgrund einer Notfallsituation oder des Geburtsverlaufs aus mütterlicher oder kindlicher Indikation (z.B. HELLP-Syndrom, Geburtsstillstand, fetaler Distress) erforderlich war, auch wenn dieser primär geplant war
  • Klassifikation der Sectio caesarea nach Robson soll angewendet werden
Robson-GruppePatientinkollektiv
1Nullipara, Einlingsgravidität, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, spontaner Wehenbeginn
2Nullipara, Einlingsgravidität, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, Geburtseinleitung (2a) oder Sectio vor Wehenbeginn (2b)
3Multipara (kein Z. n. Sectio), Einlingsgravidität, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, spontaner Wehenbeginn
4Multipara (kein Z. n. Sectio), Einlingsgravidität, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, Geburtseinleitung (4a) oder Sectio vor Wehenbeginn (4b)
5Multipara, Z. n. Sectio, Einlingsgravidität, Schädellage, ≥ 37+0 SSW
6Nullipara, Einlingsgravidität, Beckenendlage
7Multipara, inklusive Z. n. Sectio, Einlingsgravidität, Beckenendlage
8Nullipara oder Multipara, inklusive Z. n. Sectio, Mehrlingsgravidität
9Nullipara oder Multipara, inklusive Z. n. Sectio, Quer- oder Schräglage
10Nullipara oder Multipara, inklusive Z. n. Sectio, Einlingsgravidität, Schädellage, < 37+0 SSW

Aufklärung und Beratung

Kommunikation und Information

  • schwangeren Frauen sollen frühzeitig evidenzbasierte Informationen und Unterstützung angeboten werden, die sie befähigen, informiert eine Entscheidung über die Geburt treffen zu können
  • Sichtweisen und Bedenken von Frauen sollen integraler Bestandteil des Beratungs- und Entscheidungsprozesses sein
  • Kenntnisse zu Indikationen, Vorgehensweisen bei und nach der Operation, assoziierte Risiken und Vorteile sowie die Auswirkungen für weitere Schwangerschaften nach einer Sectio sollen vermittelt werden
  • Kommunikation und Information sollen in einer Form zur Verfügung gestellt werden, die für medizinische Laien verständlich ist
    • Bedürfnisse von Frauen, welche ethnischen Minderheiten (Unterscheidungsmerkmale: Sprache, Kultur und Religion) angehören, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, oder die nicht lesen können, sowie die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Frauen mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten sollen berücksichtigt werden

Besprechung der Vor- und Nachteile von vaginaler Geburt und Sectio

  • Besprechung des Geburtsmodus, Vor- und Nachteile von vaginaler Geburt und Sectio, sowie die Auswirkungen auf nachfolgende Schwangerschaften und Geburten einer Sectio sollten nach dem Shared-decision-making-Prinzip in einem zeitlich und räumlich angemessenen Rahmen stattfinden
  • Schwangere sollen darüber informiert werden, dass eine Sectio als Geburtsmodus für die erste Geburt substantielle Risiken für alle weiteren Schwangerschaften und Entbindungen hat
    • Spontangeburt als Modus der ersten Entbindung soll daher angestrebt werden, es sei denn eine Nutzen-Risiko Analyse hat einen deutlichen Benefit für die Sectio gezeigt

maternale und kindliche Komplikationen für VBAC (vaginal birth after caesarean) vs. elektive Re-Sectio caesarea (ERCS = elective repeated caesarean section) nach einer Sectio

  • Schwangere sollen darüber informiert werden, dass bei Z.n. Sectio:
    • eine VBAC im Vergleich zu einer ERCS ein erhöhtes Risiko einer Uterusruptur, 5‘ APGAR-Werten <7, Asphyxien und neonataler Mortalität besitzt.
    • eine VBAC nicht mit einem erhöhten Risiko von Hysterektomien, Thrombembolien, Transfusionen und ARDS sowie Aufnahme auf ICU assoziiert ist.
  • VBAC wird bei Einwilligung der Schwangeren nach Aufklärung und VBAC-Management nach Protokoll als vertretbarer Geburtsmodus angesehen, da die oben aufgeführten Risiken insgesamt niedrig sind

Risiko einer vaginalen Geburt nach zwei Sectioentbindungen (VBA2C)

  • Schwangere, die nach zwei Sectiones eine vaginale Geburt wünschen, sollen darüber informiert werden, dass
    • die Erfolgsrate 71.1 % beträgt.
    • die Uterusrupturrate 1.36 % beträgt.
    • die mütterliche Morbidität vergleichbar der bei ERCS ist.
  • Schwangere sollen darüber informiert werden, dass bei Z. n. Sectio die Wahrscheinlichkeit für folgende Komplikationen steigt:
    • Placenta accreta Spectrum (Häufigkeit des Placenta accreta Spectrum ist zudem abhängig von der Zahl der vorausgegangenen Sectiones)
    • Uterusruptur
    • Hysterektomie
  • Schwangere sollen darüber informiert werden, dass bei Z. n. Sectio sowie bestehender Placenta praevia die Häufigkeit (%) des Placenta Accreta Spectrums (PAS) in Abhängigkeit der Zahl früherer Sectiones steigt

Beratung postpartum

  • nach jeder Kaiserschnittgeburt sollte allen Beteiligten eine Nachbesprechung angeboten werden

Indikationen zur Sectio

Planung des Geburtsmodus und der äußeren Wendung bei Beckenendlage

  • bei Beckenendlage sollte unabhängig von Parität oder Z.n. Sectio der Patientin frühzeitig eine Beratung zum Geburtsmodus in einem mit beiden Modi erfahrenen Zentrum angeboten werden
  • jede Frau mit Beckenendlage soll, unabhängig von Parität oder Z.n. Sectio, über den Geburtsmodus und die äußere Wendung informiert werden
  • jeder Frau mit Beckenendlage soll die Vorstellung in einer Einrichtung angeboten werden, die Expertise in der vaginalen Beckenendlagengeburt, der Sectio sowie der äußeren Wendung besitzt
  • Frauen mit Beckenendlage am Termin sollte mitgeteilt werden, dass derzeit kein Geburtsmodus für die Kinder präferiert werden kann (Sectio vs. vaginale Geburt) –> vaginale Beckenendlagengeburt stellt Alternative mit niedrigerer mütterlicher Morbidität dar

zeitliche Planung einer Sectio und präoperative Lagekontrolle

  • bei Schwangeren mit Einlings-Beckenendlage ohne zusätzliche Risikofaktoren soll keine primäre Sectio vor 39+0 SSW empfohlen werden
  • bevor eine Sectio bei einer Schwangeren aufgrund einer Beckenendlage durchgeführt wird, soll so zeitnah wie möglich vor Sectio eine sonographische Lagekontrolle erfolgen

Fetale Wachstumsrestriktion (FGR)

  • Kaiserschnitt ist nicht bei jeder Schwangeren mit FGR erforderlich

Frühgeburt

  • Evidenz aus prospektiv – randomisierten Studien zum Entbindungsmodus bei Frühgeburt ist unzureichend –> bei Schwangeren mit einer Frühgeburt < 30+0 SSW kann im Falle einer Schädellage bei individueller Nutzen-Risiko-Abwägung eine Sectio erwogen werden
  • gibt derzeit keine Hinweise dafür, dass bei Frauen mit Einlingsschwangerschaft in Schädellage und drohender Frühgeburt ab 30+0 SSW die alleine aufgrund des Gestationsalters indizierte Sectio die neonatale Mortalität/Morbidität reduziert
  • bei Geburt < 36+0 SSW sollte im Falle einer Beckenendlage in Abhängigkeit vom sonographischen Schätzgewicht und anderen Einflußfaktoren eine Sectio zur Reduktion der neonatalen Morbidität und Mortalität erwogen werde

Mehrlinge

  • internationale Leitlinien empfehlen geplante Sectio unabhängig von der Chorionizität bei:
    • führendem Zwilling in Nicht-Schädellage
    • monoamnioten Zwillinge
    • Gewichtsdiskordanz > 25 %
    • relevanter fetaler Wachstumsrestriktion
    • maternalen Komplikationen (z.B. Placenta praevia)
    • vorangegangener Uterusoperation mit relevantem Rupturrisiko
    • schweren maternalen Erkrankungen (z.B. kardiovaskulär, schwere Präeklampsie)

Anomalien von Plazentation und Gefäßen

  • Placenta praevia und tiefer Plazentasitz
    • Definitionen
      • Placenta praevia (totalis/partialis): Plazenta bedeckt den inneren Muttermund
      • Placenta praevia marginalis: Plazentarand reicht bis an den inneren Muttermund heran
      • tiefer Plazentasitz: Plazentarand nicht an den inneren Muttermund heranreichend, allerdings ≤ 20 mm vom inneren Muttermund entfernt
    • Schwangere mit Placenta praevia (totalis/partialis) sollen primär per Sectio entbunden werden
    • bei Schwangeren mit asymptomatischer Placenta praevia (totalis/partialis) und ohne zusätzliche Risikofaktoren sollte zwischen 37+0 – 37+6 SSW eine primäre Sectio durchgeführt werden
    • bei Schwangeren mit einer symptomatischen Placenta praevia (totalis/partialis) richtet sich der Zeitpunkt der Sectio in erster Linie nach der Klinik (Blutungsstärke, wiederholte Blutungsepisode(n), erreichtes Gestationsalter, abgeschlossene antenatale Steroid-Applikation, fetale Zustandsdiagnostik, Zervixlänge etc.), weshalb die Entscheidung zum Entbindungszeitpunkt nur individualisiert und unter strenger Risiko-Nutzen-Abwägung getroffen werden kann
    • bei Schwangeren mit tiefsitzender Plazenta, zwischen 11 – 20 mm vom inneren Muttermund entfernt, ist ein vaginaler Entbindungsversuch grundsätzlich möglich und sollte empfohlen werden
    • bei Placenta praevia marginalis bzw. tief-sitzender Plazenta ≤ 10 mm vom inneren Muttermund entfernt ist ein vaginaler Entbindungsversuch grundsätzlich möglich und kann bei sorgfältig selektierten Schwangeren nach entsprechender Risikoaufklärung und Beratung angeboten werden
    • geplante Sectio bei Schwangeren mit asymptomatischer tiefsitzender Plazenta ≤ 10 mm vom inneren Muttermund entfernt und ohne zusätzliche Risikofaktoren sollte zwischen 38+0 – 38+6 SSW erfolgen
  • Abruptio placentae
    • bei Schwangeren mit einer Abruptio placentae Grad 3 soll unverzüglich und unabhängig vom erreichten Gestationsalter, ggf. auch bei vorliegendem intrauterinen Fruchttod (IUFT), eine Sectio durchgeführt werden –> abgesehen werden kann nur, wenn es in der späten Austreibungsperiode einer vaginalen Entbindung zu diesem Szenarium kommt, und alternativ eine unverzügliche vaginaloperative Entbindung möglich ist
Gradklinische Kriterien
Grad 0
(asymptomatisch)
– Auffinden eines Blutkoagels an der mütterlichen Seite der geborenen Plazenta
– Diagnose wird retrospektiv gestellt
Grad 1
(mild)
– kein Hinweis für vaginale Blutung oder geringe vaginale Blutung
– nicht druckschmerzhafter Uterus
– maternaler Blutdruck und Herzfrequenz im Normalbereich
– kein Hinweis für fetalen Distress
– ggf. sonographischer Hinweis für Plazentalösung
Grad 2
(moderat)
– kein Hinweis für vaginale Blutung bis hin zu moderater vaginaler Blutung
– signifikanter Druckschmerz des Uterus mit tetanischen Kontraktionen
– maternale Tachykardie und orthostatische Blutdruckveränderungen
– Hinweis für fetalen Distress
– Laborauffälligkeiten: Hb-Abfall, Hypofibrinogenämie
– ggf. sonographischer Hinweis für Plazentalösung
Grad 3
(schwer)
– kein Hinweis für vaginale Blutung bis hin zu schwerer vaginaler Blutung
– tetanischer Uterus/brettharte palpatorische Konsistenz
– maternaler Schock
– Laborauffälligkeiten: Hb-Abfall, Hypofibrinogenämie und Koagulopathie
– Hinweis für schweren fetalen Distress bis hin zum IUFT
– ggf. sonographischer Hinweis für Plazentalösung
Graduierung der Abruptio placentae nach klinischen Kriterien
  • Anomalien der Gefäße
    • Definitionen
      • Insertio velamentosa: Nabelschnuransatz in den Eihäuten, sodass ein freies, nicht von Wharton-Sulze umgebenes Segment fetaler Blutgefäße zwischen Amnion- und Chorionepithel verläuft
      • tief-liegende fetale Gefäße: Frei zwischen den Eihäuten verlaufende fetale Gefäße, die in einem Abstand von 2 – 5 cm über den inneren Muttermund kreuzen
      • Vasa praevia: frei zwischen den Eihäuten verlaufende fetale Gefäße, die in einem Abstand von < 2 cm über den inneren Muttermund kreuzen
    • bei Schwangeren mit pränataldiagnostisch vermuteter Insertio velamentosa ist eine vaginale Entbindung möglich –> nach umfassender Aufklärung der Schwangeren kann eine primäre Sectio ab 39+0 SSW erwogen werden
    • Schwangere mit Vasa praevia oder tief-liegenden fetalen Gefäßen sollen primär per Sectio entbunden werden
    • bei V.a. Vasa praevia sollte über die unklare Datenlage zum idealen Entbindungszeit aufgeklärt werden –> Sectio sollte zwischen 34+0 – 35+6 SSW durchgeführt werden (CAVE: noch frühzeitigere Entbindung sollte bei zusätzlichen Risikofaktoren für Frühgeburt, z.B. Zervixverkürzung etc., erwogen werden)

fetale Makrosomie

  • Diagnose einer fetalen Makrosomie kann erst postnatal gestellt werden –> pränatal kann lediglich der Verdacht auf eine Makrosomie geäußert werden (CAVE: bei der Entscheidung über den Geburtsmodus muss die Unsicherheit bezüglich der fetalen Gewichtsbestimmung berücksichtigt werden)
  • mit Schwangeren mit V.a. fetale Makrosomie sollen die möglichen Vorteile und Risiken einer vaginalen Geburt und einer Sectio besprochen werden

Cephalo-pelvines Missverhältnis

  • Pelvimetrie soll in der Entscheidungsfindung über den Geburtsmodus nicht einbezogen werden

Sectio aus psychosozialer Indikation

  • wenn eine Frau eine Sectio wünscht, sollen die Gründe hierfür identifiziert, diskutiert und dokumentiert werden
  • bei Frauen mit psychosozialer Sectioindikation sollen Risiken und Vorteile der Sectio im Vergleich zur vaginalen Geburt besprochen und anschließend der Inhalt des Gesprächs dokumentiert werden
  • wenn eine Frau eine Sectio nach einem ausführlichen Gespräch und im Bedarfsfall der Unterstützung durch eine auf dem Gebiet der perinatalen psychischen Gesundheit mit Fokus Geburtsangst spezialisierte Fachperson weiterhin eine Sectio wünscht, soll dieser Wunsch gewährt werden

Humanes Immundefizienz-Virus (HIV)

  • vaginale Entbindung ist bei HIV-Infektion der Schwangeren unter folgenden Voraussetzungen eine empfehlenswerte Option:
    • Schwangere nimmt antiretrovirale Kombinationstherapie ein
    • Viruslast ist am Ende der Schwangerschaft, d.h. mindestens 4 Wochen vor Entbindung und bis zur Entbindung < 50 Kopien/mL
    • Beurteilung geburtshilflicher Risiken durch eine*n erfahrene*n Geburtshelfer*in ist erfolgt
    • Klärung logistischer Probleme (z.B. Entfernung zu geeigneter Geburtsklinik) ist erfolgt

Hepatitis B Virus (HBV)

  • schwangeren Frauen mit Hepatitis B sollte nicht allein aus diesem Grund eine geplante Sectio angeboten werden, denn die Übertragung von Hepatitis B von der Mutter auf das Kind kann reduziert werden, wenn das Kind Immunglobulin und eine Impfung erhält
  • elektive Sectio kann bei hochvirämischen Schwangeren (über 2×105 IU/mL HBV-DNA), die keine antivirale Therapie in der Schwangerschaft erhalten haben, in Betracht gezogen werden

Hepatitis C Virus (HCV)

  • Hepatitis C positiven Schwangeren soll keine geplante Sectio angeboten werden, da dies die Mutter-Kind-Übertragung des Virus nicht verringert

Humanes Papillomavirus (HPV)

  • Frauen mit HPV-Infektionen soll nicht eine primäre Sectio empfohlen werden

Herpes simplex-Virus (HSV)

  • Frauen mit einer primären genitalen Herpes Simplex Virus (HSV) Infektion, die im dritten Trimenon der Schwangerschaft auftritt, sollte eine geplante Sectio angeboten werden, da dies das Risiko einer neonatalen HSV-Infektion verringert
  • Schwangeren mit rezidivierenden HSV-Infektionen sollte nicht routinemäßig eine geplante Kaiserschnittgeburt angeboten werden
  • bei Schwangeren mit rezidivierenden HSV-Infektionen soll eine Entbindung per Sectio empfohlen werden, wenn zum Zeitpunkt der Entbindung aktive Läsionen vorliegen

Durchführung der Sectio

Zeitpunkt der geplanten Sectio

  • Risiko für respiratorische Störungen Neugeborener nach einer primären Sectio ist erhöht, sinkt aber signifikant nach 39 SSW –> primäre Sectio nicht unbegründet vor 39+0 SSW durchführen

Dringlichkeit der Sectio

  • Dringlichkeit einer Sectio soll nach dem folgenden standardisierten Schema dokumentiert werden, um eine eindeutige Kommunikation mit den anderen beteiligten Fachdisziplinen zu gewährleisten:
    • unmittelbare Lebensbedrohung für Mutter oder Fetus
    • maternale oder fetale Beeinträchtigung, die nicht unmittelbar lebensbedrohlich ist
    • keine maternale oder fetale Beeinträchtigung, zügige Entbindung ist jedoch erforderlich
    • keine maternale oder fetale Beeinträchtigung
  • Durchführung einer Sectio der Kategorie 1 und 2 soll unverzüglich nach der Indikationsstellung erfolgen, insbesondere die der Kategorie 1 („Notsectio“)
  • Entschluss-Entwicklung-Zeit (E-E-Zeit) einer Kategorie 1 („Notsectio“) soll maximal 20 Minuten betragen

präoperative Maßnahmen

  • Laborkontrolle
    • Hämoglobin-Status vor einer Sectio sollte erhoben werden, um eine vorliegende Anämie zu identifizieren
  • Bereitstellung von Blutkonserven
    • Sectio aufgrund einer antepartalen Blutung, einer Plazentalösung, einer Uterusruptur, vorzeitige Lösung, einer Plazentationsstörung oder einer Placenta praevia hat ein erhöhtes Risiko für einen Blutverlust von mehr als 1000 mL –> Sectio dort durchführen, wo ein leistungsfähiger Transfusionsdienst vorhanden ist
    • bei gesunden Schwangeren sollte eine Bereitstellung von Blutkonserven zur Sectio nicht routinemäßig erfolgen

Blasenkatheter

  • Frauen, die einen Kaiserschnitt erhalten, sollte ein transurethraler Blasenkatheter gelegt werden, um eine Überdehnung der Blase zu vermeiden

antibiotische Prophylaxe

  • bei der Durchführung einer Sectio soll eine perioperative Antibiotikaprophylaxe eingesetzt werden
  • perioperative Antibiotikaprophylaxe sollte vor Hautschnitt erfolgen

operative Maßnahmen

  • Eröffnung des Abdomens
    • Verwendung von verschiedenen Skalpellen für die Hautinzision und tiefere Schichten ist bei einer Sectio nicht empfohlen, da dies Wundinfektionen nicht reduziert
    • Sectio soll mit Unterbauchquerschnitt durchgeführt werden, da dies im Vergleich zum Längsschnitt mit geringeren postoperativen Schmerzen und einem besseren kosmetischen Ergebnis assoziiert ist
    • Unterbauchquerschnitt durchführen und weitere Schichten möglichst stumpf eröffnen, da dieses Vorgehen mit einer kürzeren Operationszeit und einer geringeren febrilen Morbidität assoziiert ist
    • Faszie kann sowohl stumpf als auch scharf eröffnet werden
    • Rektusmuskeln sollten nicht durchtrennt werden
  • intraabdominelle Maßnahmen
    • Abpräparation der Harnblase („bladder flap“) sollte nicht routinemäßig erfolgen
    • Uterotomie sollte mittels Querschnitts am unteren Uterussegment erfolgen, da dies ein geringeres Risiko für eine Uterusruptur in einer folgenden Schwangerschaft hat
    • wenn ein ausreichend formiertes unteres Uterinsegment vorhanden ist, sollte eine stumpfe Erweiterung der uterinen Inzision erfolgen, da dies Blutverlust, postpartale Blutungen und die Notwendigkeit von Bluttransfusionen verringert

Kindsentwicklung

  • Kindsentwicklung soll so atraumatisch wie möglich erfolgen (CAVE: langes Uterotomie-Entwicklung-Intervall kann zu schlechteren Nabelschnurblut- und Apgar-Werten führen)
  • verschiedene Methoden, die bei einer schwierigen Kindsentwicklung zum Einsatz kommen können, sollen bekannt sein

Maßnahmen nach der Kindsentwicklung

  • Abnabelung des Kindes sollte auch bei einem Kaiserschnitt verzögert erfolgen, insbesondere bei einer Frühgeburt
  • prophylaktische intravenöse Gabe eines Kontraktionsmittels soll im Rahmen einer Sectio zur Kontraktionssteigerung und Verringerung des Blutverlustes erfolgen
  • Plazenta sollte mittels Zugs an der Nabelschnur („cord traction“) und nicht durch manuelle Lösung erfolgen
  • Naht der Uterotomie kann sowohl intraabdominal erfolgen oder nach Hervorluxieren des Uterus
  • keine routinemäßige Kürettage des Uterus
  • Dilatation des Gebärmutterhalses kann erfolgen

Naht des Uterus

  • Naht des Uterus sollte ohne Einschluss des Endometriums erfolgen
  • Effektivität und Sicherheit einer ein- versus zweischichtigen Naht in Bezug auf geburtshilfliche Outcomeparameter ist unklar –> keine klare Empfehlung
  • zum Uterusverschluss sollte eine nicht-verriegelte (unlocked suture) Naht angewendet werden, da diese mit besseren Heilungsergebnissen der Uterotomie einhergeht

Verschluss der Bauchwand

  • Peritoneum
    • keine klare Empfehlung bzgl. des Peritonealverschlusses mit Fokus auf Uteruswanddefekte und klinisch relevante Adhäsionen
    • viszerale und das parietale Peritoneum sollten bei einer Sectio nicht vernäht werden, da dies die Operationszeit verkürzt, den Bedarf an postoperativem Schmerzmittel verringert und die mütterliche Zufriedenheit verbessert
  • Naht der Faszie
    • anhand der vorliegenden Evidenz kann keine Empfehlung zur idealen Verschlusstechnik der Faszie bei einer Sectio getroffen werden
  • Naht der Rektusmuskulatur
    • Naht der Rektusmuskulatur sollte bei einer Sectio nicht routinemäßig erfolgen, da dies mit einer höheren Rate an postoperativen Schmerzen und Schmerzmittelbedarf assoziiert ist
  • Naht des subkutanen Fettgewebes
    • subkutanes Gewebe sollte nicht routinemäßig vernäht werden – mit Ausnahme von mehr als 2 cm Fettgewebe –, da dies nicht das Risiko von Wundinfektionen verringert
  • Wundspülung des subkutanen Gewebes
    • Spülung des subkutanen Gewebes bei einem Kaiserschnitt sollte nicht routinemäßig durchgeführt werden
  • Hautnaht
    • Verschluss der Haut sollte durch intrakutane Naht der Haut mittels resorbierbarem Faden erfolgen, da dies mit weniger Wundkomplikationen als mit Hautklammern assoziiert ist

Verwendung von Drainagen

  • Wunddrainagen sollen bei einer Sectio nicht routinemäßig verwendet werden, da dies nicht das Auftreten von Wundinfektionen oder Hämatomen verringert

Adhäsionsprophylaxe

  • keine Maßnahmen zur Adhäsionsprophylaxe im Rahmen einer Sectio können empfohlen

Wundverband

  • aktuell kann kein spezieller Wundverband nach einer Sectio empfohlen werden

Thromboseprophylaxe

  • Thromboseprophylaxe sollte nach einer Sectio erfolgen, da diese mit einem erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien einhergehen
  • Wahl der Thromboseprophylaxe sollte dabei das Ausgangsrisiko berücksichtigen und sich an bestehenden Leitlinien orientieren

Schwangerschaft und Geburt nach Sectio

Vor- und Nachteile einer VBAC/ERCS

  • Geburtsmodus-Gespräch bei Frauen mit Z. n. Sectio caesarea soll folgende Faktoren berücksichtigen:
    • mütterliche Präferenz
    • Abwägung der Vorteile und Risiken der Re-Sectio vs. der vaginalen Geburt

Überwachung von Mutter und Kind bei TOLAC

  • allen Frauen mit Z.n. Kaiserschnitt soll ab regelmäßiger, zervixwirksamer Wehentätigkeit eine kontinuierliche CTG- Überwachung des Kindes und die Möglichkeit empfohlen werden, in einer Einrichtung zu gebären, in der eine Notsectio jederzeit möglich ist und die Möglichkeit für eine Bluttransfusion besteht

Uterusruptur bei Z.n. Sectio

  • Definitionen
    • komplette Uterusruptur: vollständige Durchtrennung der Uteruswand mit Fruchtwasser, Plazenta oder kindlichen Teilen in der freien Bauchhöhle der Mutter
    • partielle Wandruptur (oder Dehiszenz): zwar komplette Durchtrennung der Wand mit Ballonierung der Amnionmembran vorliegt, aber ohne Fruchtwasser, Plazenta oder Kindsteilen in der freien Bauchhöhle
    • Uterusruptur kann zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft oder der Geburt auftreten, wobei die Mehrheit der Uterusrupturen intrapartal diagnostiziert wird
  • Symptomatik
    • abdominale Schmerzen (auch zwischen den Wehen)
    • pathologisches CTG
    • vaginale Blutung
    • plötzliche Sistieren der Wehentätigkeit
    • maternale Tachykardie & Hypertonie
    • maternale Hypotonie bzw. ein hämorrhagischer Schock als späte Symptome
  • Management
    • keine validierte Methode vorhanden, um eine Uterusruptur oder -dehiszenz vor Wehenbeginn vorherzusagen
    • zur Therapie der kompletten Uterusruptur ist eine Laparotomie erforderlich
      • CAVE: bei klinisch
      • hochgradigem Verdacht auf eine eingetretene Uterusruptur muss die Operation sofort erfolgen –> i.d.R. ist eine Notsectio indiziert

Schwangerschaft und Geburt bei Placenta Accreta Spektrum (PAS)

  • PAS-Screening (PAS-Score)
    • im zweiten Trimenon kann der Score von Tovbin et al. (2016) zum Screening auf PAS verwendet werden
ParameterPunkte
Häufigkeit vorausgegangener Kaiserschnitte:
1
≥ 2

1 Punkt
2 Punkte
Lacunen –> maximaler Durchmesser:
≤ 2 cm
2 cm

1 Punkt
2 Punkte
Lacunen –> Zahl.
≤ 2
2

1 Punkt
2 Punkte
Verlust der hypoechogenen retrochorialen Zone (=Clear zone; uteroplazentare Grenzzone)2 Punkte
Lokalisation der Plazenta:
– anterior
– Placenta praevia

1 Punkt
2 Punkte
Doppler:
– Blutfluss in plazentaren Lacunen
– Hypervaskularität der Plazenta, Harnblase und/oder der uteroplazentaren Grenzzone
1 Punkt
2 Punkte
Wahrscheinlichkeit für PAS:
– niedrig (≤ 5 Punkte)
– moderat (6 – 7 Punkte)
– hoch (8 – 12 Punkte)
  • Diagnose des PAS und Konsequenzen präpartal
    • wenn im zweiten Trimenon im Ultraschall bei Z.n. Sectio (oder Uterusoperationen) eine Placenta praevia oder eine tief sitzende Placenta auffällt, soll ein B-Bild-Ultraschall mit Farbdoppler durchgeführt werden
    • Ultraschall sollte nicht später als 30 SSW durch eine*n Kliniker*in mit Erfahrung in der Diagnose einer Placenta accreta durchgeführt werden
    • zur Planung der chirurgischen Versorgung des Placenta accreta Spectrums kann ein MRT zusätzlich zur Ultraschalldiagnostik durchgeführt werden
    • wenn im B-Bild und Farbdoppler eine Placenta accreta vermutet wird, soll die Patientin an ein Zentrum zur Behandlung des Placenta accreta Spectrums zur weiteren Betreuung und Geburt überwiesen werden
  • Management von Frauen mit PAS an spezialisierten Zentren
    • bei Diagnose des PAS soll frühzeitig eine Hb-Optimierung angestrebt werden (Patient Blood Management) –> schließt die Testung auf Eisenmangel, die Applikation von Eisenpräparaten i.v. im 2.& 3. Trimenon sowie Verwendung von Erythropoese-stimulierenden Substanzen ein
    • bei Vorliegen eines PAS sollten Details der Entbindung besprochen werden (Zeitpunkt der Entbindung, operative Interventionen einschließlich einer Hysterektomie, Risiken für Verletzung u.a. des Urogenitaltraktes, des Darms und von Blutgefäßen, fremdblutsparende Maßnahmen, Blutprodukte, Gerinnungstherapie) –> Aufklärung sollte durch eine*n hierfür erfahrene*n Geburtshelfer*in und Anästhesist*in erfolgen
    • für die Planung einer Sectio bei vermutetem Placenta accreta Spectrum sollte das multidisziplinäre Team die Expertise folgender Fachgruppen konsultieren und/oder hinzuziehen: erfahrene*r gynäkologische*r Operateur*in/Chirurg*in/interventionelle*r Radiolog*in/Urolog*in – abhängig von der Ausdehnung des Placenta accreta Spectrums (CAVE: vorab besprechen, welche Verantwortlichkeit jedes Teammitglied besitzt)
    • für die Planung einer Sectio bei Placenta accreta Spectrum sollten folgende Voraussetzungen sichergestellt sein:
      • Anwesenheit eines multidisziplinären Teams mit Erfahrung in PAS- Chirurgie, bestehend aus Fachärzt*innen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Anästhesie sowie in der Versorgung von Früh- & Neugeborenen erfahrener Ärzt*innen
      • Intensivbett für die Schwangere
      • Neonatologiebett für das Neugeborene (im Notfall soll die Operation ohne ein verfügbares Bett begonnen werden)
      • Erreichbarkeit einer Abteilung für Transfusions- & Gerinnungsmedizin
      • ausreichend gekreuztes Blut und Gerinnungsfaktoren
      • Einwilligungen (OP inclusive HE, Blasen und Ureterverletzung etc., Anästhesie, Transfusion)
    • bei sehr hohem Risiko für eine schweren PPH (z.B. gesichertes, ausgedehntes PAS) kann prospektiv der Einsatz von REBOA erwogen werden

anästhesiologische Maßnahmen

Gerinnungsanalyse vor Regionalanästhesien zur Sectio

  • routinemäßige laborchemische Gerinnungsanalyse vor Regionalanästhesien zur Sectio soll bei leerer Gerinnungsanamnese und unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf nicht angefordert werden

Nüchternheit und Vermeidung von Aspiration und Aspirationsfolgen

  • Schwangeren unter der Geburt soll eine Flüssigkeitsaufnahme in Form von klaren Getränken, z.B. Wasser, Tee oder auch isotonischen Getränken erlaubt werden
  • ist die Wahrscheinlichkeit einer operativen Beendigung der Geburt sehr niedrig, kann die Schwangere nach ihrem Bedürfnis leichte Mahlzeiten zu sich nehmen
  • bei einem sich während des Geburtsverlaufs abzeichnenden hohen Risiko für eine Schnittentbindung soll von einer Nahrungsaufnahme abgesehen werden und allenfalls eine Aufnahme von klaren Flüssigkeiten erfolgen
  • bei Indikationsstellung zu einer Schnittentbindung soll von einer Nahrungsaufnahme abgesehen werden (es gelten dann die für operative Eingriffe empfohlenen Nüchternheitsregeln)
  • zur Aspirations- und Aspirationsfolgeprophylaxe sollte im Rahmen einer geplanten Sectio die Gabe eines Antazidums (z.B. Natriumcitrat) und Medikamenten, die den pH-Wert des Magens erhöhen (z.B. H2-Blocker) sowie den Mageninhalt reduzieren (z.B. Metoclopramid) erwogen werden

Anästhesieverfahren zur Sectio

  • im Rahmen der Aufklärung zur Anästhesie soll Patientinnen bei anstehender Sectio ein Regionalverfahren (Spinal- oder Epiduralanästhesie, bzw. Modifikationen davon) als Verfahren der 1. Wahl angeboten werden
  • ist eine Allgemeinanästhesie indiziert (z.B. Kontraindikationen für die Durchführung eines regionalanästhesiologischen Verfahrens, Wunsch der Mutter), sollte die Mutter dahingehend informiert werden, dass diese Entscheidung nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht mit relevanten nachteiligen Effekten hinsichtlich maternaler und neonataler Endpunkte verknüpft ist
  • im Rahmen einer Allgemeinanästhesie soll – in Analogie zum nicht nüchternen Patient*innen – spätestens ab 20+0 SSW eine Rapid Sequence Induction (Ileuseinleitung) durchgeführt werden
  • insuffiziente Wirkung der Regionalanästhesie
    • im Rahmen der Spinalanästhesie zur Sectio sollte ein kristalloides Co-Loading zusätzlich zur prophylaktischen Vasopressorgabe erfolgen, um das Risiko einer Hypotonie während der Sectio zu verringern
    • routinemäßige „leichte“ Tischkippung (~ 10°) mit der Intention das Supine Hypotensive Syndrom („V. cava. Kompressionssyndrom“) im Rahmen der Sectio zu vermeiden sollte nicht durchgeführt werden
    • im Rahmen der Sectio sollten Maßnahmen zum Wärmeerhalt durchgeführt werden (konvektive und/oder konduktive Wärmeverfahren)

intra- und postoperative Überwachung

  • bei schwangeren Frauen, bei denen eine Schnittentbindung geplant ist, sollen intraoperativ die gleichen Anforderungen an die Überwachung gestellt werden wie bei allen anderen Eingriffen unter neuraxialer Blockade oder in Allgemeinanästhesie
  • in der postoperativen Phase nach Sectio soll eine apparative Überwachung durchgeführt werden, die die Mindestanforderungen in Bezug auf Ausstattung der Räumlichkeit und Dokumentation für die postoperative Überwachung erfüllt

postoperative Schmerztherapie

  • schwangere Frauen, bei denen eine Schnittentbindung geplant ist, sollen über die Möglichkeiten der postoperativen Analgesie informiert werden, damit eine bedarfsgerechte und den Erwartungen entsprechende Analgesieform – unter Berücksichtigung der prozeduralen, logistischen und individuellen Rahmenbedingungen – definiert und durchgeführt werden kann
  • im Rahmen des Analgesiekonzeptes sollen systematisch geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die Notwendigkeit einer postoperativen analgetischen Bedarfsmedikation zu reduzieren
    • Maßnahmen umfassen intrathekale oder epidurale Opioidgabe, Beschickung eines liegenden Epiduralkatheters bzw. fixe Verordnung von Nichtopioiden (z.B. Ibuprofen) und Einmalgabe von Dexamethason
  • im Rahmen des systematischen postoperativen Analgesiekonzeptes soll gewährleistet werden, dass die Patientinnen einen dem Bedarf gemäßen Zugang zu starkwirksamen Opioiden, z.B. im Rahmen eines patientinnen-kontrollierten Verfahrens oder einer Opioidgabe p.o. erhalten

postnatale Maßnahmen

Überwachung des Kindes

  • ein*e in der Reanimation des Neugeborenen ausgebildete*r Ärzt*in soll bei einer Sectio kurzfristig verfügbar sein
  • Anwesenheit von in der Reanimation des Neugeborenen ausgebildeter Ärzt*innen (möglichst Pädiater*in) soll bei einer Vollnarkose oder bei zu erwartenden fetalen Problemen gegeben sein
  • Kinder, die durch Sectio geboren wurden, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine niedrigere Temperatur zu haben (Gefahr adäquat begegnen)

Bonding bei der Sectio

  • früher Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen der Mutter und ihrem Baby soll gefördert und erleichtert werden, weil es die Wahrnehmung des Kindes verbessert und den Stress bei Mutter und Kind reduziert –> mütterliche Kontaktaufnahme (Bondung) wird erleichtert und das Stillen gefördert
  • Frauen, die eine Sectio hatten, sollen, bei gutem Zustand des Kindes, bereits im OP mit dem Bonding (Hautkontakt) beginnen
Published inLeitlinien kompakt

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