veröffentlichende Fachgesellschaft: National Association of EMS Physicians (NAEMSP)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.10.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1080/10903127.2026.2740139
Empfehlungen
- Führungskräfte in Rettungsdienstorganisationen sollten die psychische Gesundheit des Rettungsdienstpersonals als grundlegend für die Nachhaltigkeit des Personals und eine sichere Patient*innenversorgung anerkennen
- Bewusstsein für die psychische Gesundheit des Rettungsdienstpersonals sowie deren Arbeit sollten zentraler Bestandteil der Ausbildung im Rettungsdienst sein
- Rettungsdienstorganisationen sollten einen vielschichtigen Ansatz in Bezug auf die psychische Gesundheit verfolgen, wobei der Schwerpunkt darauf liegen sollte, den Zugang zu vertraulichen und kulturell kompetenten Hilfsangeboten für das Rettungsdienstpersonals und andere Fachkräfte im Bereich der öffentlichen Sicherheit, wie z.B. darunter Disponent*innen, Polizeibeamte und Feuerwehrleute, sicherzustellen
- Rettungsdienstorganisationen sollten Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung ergreifen, um Praktiken zu identifizieren und zu optimieren, die sich auf die psychische Gesundheit des Rettungsdienstpersonals auswirken
- Rettungsdienstorganisationen sollten durch politische Lobbyarbeit und den Aufbau starker Partnerschaften mit lokalen, regionalen und nationalen Behörden, inkl. Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens und Forschungseinrichtungen, sinnvolle und nachhaltige Verbesserungen der psychischen Gesundheit der Rettungssanitäter erreichen
Ansätze zur Unterstützung im Bereich der psychischen Gesundheit
Critical Incident Stress Management (CISM) / Critical Incident Stress Debriefing (CISD)
- strukturiertes Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit, das Aufklärung vor Vorfällen, Unterstützung durch Gleichaltrige, Deeskalation, CISD, Krisenberatung, Familienunterstützung und Nachsorge umfasst
- Stärken
- weitgehend implementiert
- kann die wahrgenommene Unterstützung durch die Organisation verbessern
- umfassendes Rahmenkonzept für Verhaltensgesundheit
- Einschränkungen/Schwächen
- routinemäßige Anwendung von CISD in einer einzigen Sitzung wird durch die aktuelle Studienlage nicht gestützt
- kein Nachweis einer Reduktion von PTBS, Angstzuständen oder Depressionen in Studien
- Studie berichtete von einem Anstieg der PTBS-Diagnosen nach CISD
- obligatorische Nachbesprechungen sollten vermieden werden
- kann bei manchen Personen die normale Genesung beeinträchtigen
Mitarbeiterunterstützungsprogramme
- Arbeitgeber finanzierte Beratungs- und Vermittlungsdienste für psychische Gesundheit
- Stärken
- breite Verfügbarkeit
- Zugang zu Fachkräften für psychische Gesundheit
- etablierter Überweisungsweg
- Einschränkungen/Schwächen
- Bedenken hinsichtlich Stigmatisierung und Vertraulichkeit
- begrenzte kulturelle Kompetenz der Ersthelfer*innen
- unterschiedliche Expertise in evidenzbasierten Traumatherapien
- Einbindung von Ärzt*innen ggf. nur begrenzt möglich
Peer-Unterstützung
- formelle oder informelle Unterstützung durch geschulte Kolleg*innen mit ähnlicher beruflicher Erfahrung
- Stärken
- vom Personal geschätzt
- reduziert Stigmatisierung
- ermöglicht frühzeitige Inanspruchnahme von Hilfe und Zugang zu anderen Ressourcen
- leicht zugänglich
- Einschränkungen/Schwächen
- variable Trainings- und Programmstruktur
- Bedenken hinsichtlich der Vertraulichkeit
- nur begrenzte Belege für Verbesserungen der langfristigen psychischen Gesundheit
Psychologische Erste Hilfe
- frühzeitige unterstützende Interventionen nach stressigen oder traumatischen Ereignissen, die darauf abzielen, adaptive Bewältigungsstrategien und die Genesung zu fördern
- Stärken
- Intervention mit niedrigem Risiko
- kann Stressreaktionen normalisieren, Stigmatisierung reduzieren und frühzeitiges Engagement fördern
- kann in die Peer-Unterstützung integriert werden
- Einschränkungen/Schwächen
- begrenzte Evidenz
- nur wenige qualitativ hochwertige Studien belegen nachhaltige Verbesserungen der psychischen Gesundheitsergebnisse
Notfallseelsorge
- emotionale, spirituelle und praktische Unterstützung durch ausgebildete Seelsorger*innen, die in die Organisationen eingebunden sind
- Stärken
- höchstes Vertrauen
- sichtbare Präsenz
- hohe wahrgenommene Vertraulichkeit
- ermöglicht die Anbindung an zusätzliche Ressourcen
- Einschränkungen/Schwächen
- kein Ersatz für professionelle psychotherapeutische Behandlung
- Verfügbarkeit und Schulungsmöglichkeiten variieren je nach Organisation
Einzelberatung/-therapie
- verhaltenstherapeutische Diagnostik und Behandlung durchgeführt von approbierten Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen
- Stärken
- verfügbare evidenzbasierte Therapien
- individuelle Behandlung
- Grundlage der Versorgung vieler psychischer Erkrankungen
- Einschränkungen/Schwächen
- begrenzte Verfügbarkeit von Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen, die mit der Kultur von Rettungsdienstpersonal vertraut sind
- Stigmatisierung, Kosten und Bedenken hinsichtlich der Vertraulichkeit können die Nutzung verringern
Behandlung von Substanzgebrauchsstörungen
- evidenzbasierte Behandlung von Alkohol- und Drogenkonsumstörungen, inkl. Verhaltenstherapien und Medikamenten
- Stärken
- wirksame Behandlungsmethoden vorhanden
- Verbesserung von Gesundheit, Sicherheit und Rückkehr des medizinischen Personals an den Arbeitsplatz
- behandelt wichtigen Faktor für Suizidrisiko
- Einschränkungen/Schwächen
- Stigmatisierung, Angst vor Konsequenzen bzgl. Zulassung oder Beschäftigung sowie verzögerte Anerkennung stellen weiterhin große Hindernisse für die Behandlung dar


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