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Positionspapier „Professionalism in Emergency Medical Services“ der NAEMSP

veröffentlichende Fachgesellschaft: National Association of EMS Physicians (NAEMSP)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 28.05.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1080/10903127.2026.2669615

Grundsätzliches

  • Definition „Professionalität“: umsichtiger Einsatz von Kommunikation, Wissen, fachlichen Fähigkeiten, klinischem Urteilsvermögen, Emotionen, Werten und Reflexion in der täglichen Praxis zum Wohle des Einzelnen und der Gemeinschaft, der gedient wird (einfach formuliert: „Professionalität ist das Wissen, die Fertigkeiten und die Fähigkeiten, die von einer Person erwartet werden, die dafür ausgebildet ist, eine Aufgabe gut zu erfüllen.“)

Empfehlungen

  • Professionalität sollte Kernkompetenz der Rettungsdienstpraxis für Rettungsdienstmitarbeitende, Ausbilder*innen, medizinische Leitende und Verwaltungsangestellte sein
  • Professionalität sollte den Rahmen für die präklinische Versorgung bilden und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Rettungsdienstsysteme stärken
  • Professionalität sollte in die Grundausbildung und in die Fortbildung für Rettungsdienstfachkräfte aller Ebenen integriert werden
  • professionelles Verhalten sollte von Verwaltungsmitarbeitenden, Ausbilder*innen und medizinischen Leitenden im Rettungsdienst vorgelebt werden
  • Professionalität sollte in die täglichen Interaktionen der Rettungsdienstmitarbeitenden mit Kolleg*innen, Patient*innen und Angehörigen einfließen
  • Professionalität sollte gemessen und in Qualitäts- und Leistungsverbesserungspläne innerhalb der Rettungsdienstsysteme integriert werden

wesentliche Merkmale der Professionalität im Rettungsdienst

patient*innenorientierte Versorgung

  • Mitgefühl und Empathie
    • RD-Personal sollte ggü. Patient*innen und deren Angehörigen Einfühlungsvermögen und Verständnis zeigen und die mit Notfallsituationen verbundene emotionale Belastung anerkennen. 
  • Achtung der Würde
    • Die Wahrung der Würde und Privatsphäre der Patient*innen ist selbst unter schwierigen Umständen von entscheidender Bedeutung.
  • Aktives Zuhören und Kommunikation
    • Patient*innen und ihren Angehörigen zuhören, Abläufe erklären und diese ggf. in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen
    • mit Patient*innen in der Sprache kommunizieren, die diese fließend beherrschen
  • kulturelle Sensibilität
    • unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Weltanschauungen zu kennen und zu respektieren ist unerlässlich
  • Intellektuelle Intelligenz und Situationsbewusstsein
    • Kontext der notfallmäßigen Vorstellung verstehen und in der Lage sein, den Umgang mit den Patient*innen entsprechend dessen Alter, Entwicklungsstand und Gesundheitszustand anzupassen

fachliche Kompetenz und klinisches Urteilsvermögen

  • technische Fähigkeiten
    • RD-Personal muss über die erforderlichen fachlichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen und diese auf dem neuesten Stand halten, um eine wirksame Versorgung gewährleisten zu können
  • klinische Entscheidungsfindung
    • klinische Dilemmata bewältigen und fundierte Entscheidungen auf der Grundlage bewährter Protokolle und Grundsätze treffen
  • Vertraulichkeit
    • Vertraulichkeit der Patient*innendaten unter Einhaltung der Datenschutzgesetze, anderer Vorschriften und anderer einschlägiger Richtlinien wahren
  • lebenslanges Lernen
    • durch kontinuierliche Fortbildung und Schulungen über die neuesten Entwicklungen in der Rettungsdienstpraxis auf dem Laufenden zu bleiben ist von entscheidender Bedeutung
  • Patient*innensicherheit
    • Patient*innensicherheit durch die Einhaltung von Protokollen, den ordnungsgemäßen Einsatz von Geräten und eine effektive Kommunikation Vorrang einzuräumen ist von entscheidender Bedeutung
  • lontinuierliche Qualitätsverbesserung
    • Leistung regelmäßig zu bewerten und Verbesserungen umzusetzen, um die Patientenversorgung und -sicherheit zu optimieren, ist von entscheidender Bedeutung

Teamarbeit

  • Interdisziplinäre Kommunikation
    • RD-Personal sollten effektiv mit anderem medizinischen Personal, der Leitstelleund den Strafverfolgungsbehörden kommunizieren
  • gegenseitiger Respekt und Vertrauen
    • Schaffung eines Arbeitsumfelds, das auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert
  • Führung und Mentoring
    • Führung und Mentoring spielen eine wichtige Rolle bei der Betreuung und Unterstützung neuerer Kolleg*innen

berufliche Identität

  • „Der Weg zum“ und „das Sein als“ Profi
    • RD-Personal sollte ein starkes Bewusstsein für ihre berufliche Identität und ihre Werte entwickeln
  • Resilienz und Selbstfürsorge
    • eigenes Wohlbefinden in den Vordergrund stellen und wirksame Bewältigungsstrategien entwickeln, um mit dem berufsbedingten Stress umzugehen
  • berufliche Sozialisation
    • Teilnahme an Weiterbildungs- und Networking-Aktivitäten, die zu einer starken beruflichen Identität beitragen

Strategien zur Einbindung professioneller Standards in Rettungsdienstsysteme

  • klare Werte und Erwartungen definieren
  • Grundwerte ermitteln und formulieren, die die Professionalität im Rettungsdienst ausmachen (z.B. Integrität, Respekt, Verantwortungsbewusstsein, Transparenz, Zusammenarbeit & Vertrauen)
  • klare Kommunikationskanäle & -protokolle einrichten, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten die Erwartungen verstehen
  • Entwicklung und Umsetzung klarer Richtlinien und Verfahren, die Themen wie Konfliktlösung, Prävention von Belästigung und ethisches Verhalten behandeln
  • respektvolle und integrative Kultur fördern
  • aktives Zuhören und einen offenen Dialog fördern, um einen Raum zu schaffen, in dem sich jede*r gehört und wertgeschätzt fühlt
  • unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen schätzen und dafür sorgen, dass sich jede*r wohlfühlt, ihre/seine Meinung zu äußern
  • respektvolle Kommunikation fördern, sowohl verbal als auch nonverbal sowie schriftlich, und dabei Negativität, Klatsch und andere unprofessionelle Verhaltensweisen vermeiden
  • alle im Rettungsdienst, inkl. Führungskräften, die als Vorbilder für die Mitarbeitenden dienen, sollen Professionalität an den Tag legen
  • Anerkennungsprogramme einführen, um Mitarbeitende zu würdigen, die stets Professionalität an den Tag legen und zu einem positiven Arbeitsklima beitragen
  • Mitarbeitende würdigen und belohnen, die positives Verhalten zeigen (z.B. Teamarbeit, Zusammenarbeit und überdurchschnittliches Engagement)
  • regelmäßig positives Feedback und praktische Ratschläge geben, um den Mitarbeitenden zu helfen, ihre Leistung zu verbessern und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln
  • Weiterbildung und Personalentwicklung anbieten
  • Fortbildungsprogramme anbieten, die sich mit zentralen Aspekten der Professionalität befassen (z.B. Kommunikationsfähigkeiten, Konfliktlösung und ethisches Verhalten, und dabei weiterhin den Schwerpunkt auf die medizinische Ausbildung und die fachliche Kompetenz legen)
  • Mitarbeitenden die Möglichkeiten bieten, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse durch Schulungen, Mentoring und andere Weiterbildungsmaßnahmen zu erweitern
  • Mitarbeiter befähigen, indem ihnen Eigenverantwortung, Entscheidungsbefugnisse und Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt werden
  • unterstützendes und kooperatives Umfeld schaffen
  • offene und transparente Kommunikation fördern, um Vertrauen aufzubauen und die Zusammenarbeit zu stärken
  • Teamarbeit und Zusammenarbeit fördern, indem den Mitarbeitenden Gelegenheiten geboten werden, gemeinsam an Projekten zu arbeiten und Ideen auszutauschen, um die Patient*innenversorgung zu optimieren und die Dienstleistungsqualität zu verbessern
  • Unterstützung und Ressourcen anbieten, um den Mitarbeitenden zu helfen, den Wandel zu bewältigen und sich an neue Herausforderungen anzupassen
Published inLeitlinien kompakt

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