veröffentlichende Fachgesellschaft: French Society of Anaesthesia, Critical Care and perioperative Medecine (SFAR)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 14.09.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://sfar.org/download/organisation-pour-la-prise-en-charge-des-urgences-vitales-intra-hospitalieres/
Einrichtung und Auslöseverfahren des krankenhausinternen Notfallversorgungssystems
- Einführung eines klinikinternen Notfall-/Reanimations-Teams (Rea-Team) für lebensbedrohliche innerklinische Notfälle
- Einführung dieses Teams mit den dazugehörigen Strukturen durch ein multidisziplinäres Team mit festgelegter medizinischer Ansprechperson
- schriftliches, standardisiertes und allgemein zugängliches Verfahren mit vier Bereichen:
- Früherkennung innerklinischer Notfälle
- Aktivierung des Rea-Team
- Intervention durch das Rea-Team
- Nachbesprechung innerhalb des Rea-Teams
- vor Einführung: vorausschauende Festlegung des therapeutischen Vorgehens bei klinischer Verschlechterung
- ggf. kollegiale Entscheidung über Therapiebegrenzung/-beendigung mit Dokumentation in der Patient*innenakte
- Frühwarnscores: kein nachgewiesener Vorteil ggü. der alleinigen klinischen Überwachung anhand der Vitalparameter bezüglich Morbidität und Mortalität
- Einrichtung einer einheitlichen Notrufnummer, empfohlen: 2222
- Erreichbarkeit der 2222 über DECT, Festnetz und dienstliche Mobiltelefone
- außerhalb der Geburtshilfe: unzureichende Evidenz, ob eine externe Koordination des Notrufs die Versorgung verbessert
- Geburtshilfe: keine Rufkoordination durch Personen außerhalb des Rea-Teams empfohlen
materielle Voraussetzungen und personelle Ressourcen
- Notfallwagen innerhalb der Einrichtung vereinheitlichen
- separate standardisierte Notfallwagen für Erwachsene, Kinder und Neugeborene entsprechend dem Tätigkeitsbereich
- spezifische Zusatzausrüstung in unmittelbarer Nähe des Notfallwagens bereithalten
- jede Abteilung ist für die Wartung des versiegelten Notfallwagens verantwortlich
- keine allgemeingültige Ausstattungsliste für Notfallwagen aus der Literatur ableitbar



- keine allgemeingültige Ausstattungsliste für Notfallrucksäcke aus der Literatur ableitbar
- Ausstattung des Rea-Team-Notfallrucksacks einrichtungsweit standardisieren
- Mindestausstattung für:
- Sauerstoffgabe, Beatmung und Atemwegssicherung
- Untersuchung und Monitoring
- Infusionen sowie i.v./i.o.-Medikamentengabe
- Behandlung von Herzstillstand und Schock
- separate Notfallrucksäcke für Erwachsene und Kinder
- beteiligte Abteilungen sollen die Kontrolle der versiegelten Notfallrucksäcke sicherstellen
- bei Herzstillstand einer Schwangeren: chirurgisches Set für Sectio vor Ort mitführen



- bei lebensbedrohlichen Notfällen kognitive Hilfsmittel vom Notfallwagen nutzen
- Rea-Team bei vorhandenem intensivmedizinisch erfahrenem Bereitschaftsdienst: mind. leitende*r Ärzt*in + examinierte Pflegekraft, beide entsprechend ausgebildet
Modalitäten der Versorgung und Funktionsweise des Versorgungssystems
- Einführung eines einheitlichen institutionellen Registers zur Überwachung innerklinischer Notfälle
- regelmäßige Morbiditäts- und Mortalitätsbesprechungen zu lebensbedrohlichen Notfällen
- nach Todesfällen: Angehörige informieren und Benachrichtigung dokumentieren, möglichst begleitet durch beteiligtes Pflegepersonal
- Angehörigeninformation institutionell standardisieren
- Angehörigen bei geeigneten Voraussetzungen die Anwesenheit während der Reanimation anbieten
- Personal mittels Simulationen für lebensbedrohliche Notfälle schulen
- strukturiertes Schulungsprogramm mit dokumentierter Teilnahme und Qualitätsindikatoren etablieren (Schulungsinhalte: Erkennen klinischer Verschlechterung, Alarmierung, Teamaktivierung und Notfallversorgung)
- jährliches Reanimationstraining
- Schulungen interdisziplinär und mit strukturierter Nachbesprechung durchführen
organisatorische Besonderheiten
- ohne ständige ärztliche Besetzung, aber bei anwesender intensivmedizinischer Expertise: Notfallversorgung wie in regulären Gesundheitseinrichtungen organisieren
- ohne intensivmedizinisch erfahrenes Personal vor Ort: lokale Erstversorgungsprotokolle + sofortige Alarmierung des Rettungsdienstes
- bei Erwachsenen und Kindern: getrennte Notfallteams und -verfahren, sofern pädiatrische Intensivexpertise vorhanden ist
- bei lebensbedrohlichen Notfällen von Besucher*innen oder Mitarbeitenden dasselbe Verfahren wie bei stationären Patient*innen anwenden


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