veröffentlichende Fachgesellschaft: Spanish Society of Anaesthesiology, Resuscitation, and Pain Therapy (SEDAR), Spanish Society of Intensive Care Medicine, Critical Care and Coronary Units (SEMICYUC) & Spanish Society of Emergency Medicine (SEMES)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 12.05.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.55633/s3me/070.2026
Prävention und Erkennung in der Präklinik
- für die Prävention, Erkennung und Behandlung von Unterkühlung werden im Rettungsdienst angemessene diagnostische und therapeutische Ressourcen empfohlen
- nasse Kleidung entfernen, sofern dies sicher und machbar ist, wobei die Zeit der Unterkühlung stets so kurz wie möglich gehalten werden sollte –> in sehr kalten oder windigen Umgebungen kann es vorteilhafter sein, eine Dampfsperre über die nasse Kleidung zu legen, anstatt die Patient*innen auszuziehen
- bei Patient*innen, die im präklinischen Bereich versorgt werden, werden routinemäßige Temperaturmessungen und Wärmeschutz empfohlen
initiale Beurteilung in der Präklinik
- Nutzung der AVPU-Skala, um den Grad der Unterkühlung mit dem Risiko einer klinischen Verschlechterung in Zusammenhang zu bringen, v.a. wenn keine genaueren Diagnostik zur Verfügung stehen
- sofern machbar und sicher, ist bei allen Patient*innen mit akzidenteller Unterkühlung ≥ Grad II ein EKG und eine kontinuierliche Überwachung empfohlen, vorausgesetzt, dass dies die Ankunft in der Klinik nicht verzögert
- bei allen Patient*innen mit schwerem Trauma wird empfohlen, auf präventive, diagnostische und therapeutische Maßnahmen zur Temperaturkontrolle zu achten
initiale Maßnahmen bei Hypothermie
- bei allen unterkühlten Patient*innen ohne Vitalzeichen wird BLS oder ALS empfohlen, selbst wenn die klinischen Umstände ungünstig erscheinen, es sei denn, es liegen Kriterien für den Verzicht einer Wiederbelebung vor
- Risiko eines Bergetods bei unterkühlten Patient*innen berücksichtigen, v.a. während der Mobilisierung oder bei vagalen Manövern
- aktive Aufwärmstrategien, wie z.B. externe aktive, resistive oder forcierte Luftheizung, werden bei allen Patient*innen empfohlen, die in der Präklinik versorgt werden und bei denen Befunde vorliegen, die auf eine Unterkühlung hindeuten, entsprechend den klinischen Erfordernissen und der Verfügbarkeit von Ressourcen
- Verwendung eines mehrschichtigen Schutzsystems in Kombination mit aktiver Aufwärmung wird empfohlen, um die Temperaturkontrolle während eines längeren Transports in den Bergen zu verbessern
- Parameter der mechanischen Beatmung nicht ausschließlich auf Grundlage von Kapnographiedaten anpassen oder steuern
Prä- & Intrahospital-Transport und Koordination während des Krankenhausaufenthalts
- Patient*innen mit akzidenteller Unterkühlung > Grad III in Fachzentren mit ECMO-Möglichkeit verlegen, wobei die Transportzeiten zu optimieren sind und kritische Entscheidungen in den frühen Phasen der Behandlung vermieden werden sollten
- koordinierte regionale Pläne für die Behandlung akzidenteller Unterkühlung entwickeln und umsetzen, um integrierte Vorgehensweise zwischen Rettungsdiensten, Krankenhäusern und Fachzentren sicherzustellen
- Präventionsstrategien zur Verringerung des Wärmeverlusts während des Rettungstransports empfohlen, auch bei normothermen Patient*innen
- SOPs für die Versorgung aller Patient*innen mit Unterkühlung einführen und Fortbildungsmaßnahmen für das medizinische Personal durchführen
Prävention & Erkennung im Krankenhaus
- Prognose bei hypothermen Patient*innen im Krankenhaus anhand von Prognoseskalen beurteilen, anstatt sich allein auf einzelne Laborwerte zu stützen
- Risiko einer Hypothermie bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen und bei Aktivitäten im Freien während der Wintermonate vermeiden
- hoher Verdachtsindex auf Hypothermie und damit eine Temperaturmessung während der ersten Notfalluntersuchung bei allen Patient*innen >r 65 Jahren, bei Personen mit Bewusstseinsstörungen, endokrinen Störungen, mehreren Begleiterkrankungen, Anzeichen einer Intoxikation oder sozialer Isolation empfohlen
- Überwachung der Temperatur mittels eines Geräts zur Messung der Kerntemperatur wann immer möglich empfohlen, v.a. bei Patient*innen mit Anzeichen einer schweren Erkrankung
- bei der klinischen Entscheidungsfindung die Grenzen und die Zuverlässigkeit verschiedener Temperaturmessstellen berücksichtigen
- Umsetzung multidisziplinärer Protokollierungs- und Qualitätsverbesserungsprogramme empfohlen, um die Temperaturmessung bei allen Patient*innen sicherzustellen, die sich in einer Notaufnahme vorstellen
- Präventionskampagnen & -strategien, die auf gefährdete Bevölkerungsgruppen (ältere Erwachsene, Obdachlose und Menschen, die Drogen konsumieren) abzielen, v.a. bei kalter Witterung
besondere Aspekte bei Traumapatient*innen
- bei allen Traumapatient*innen werden präventive Strategien zur Wiedererwärmung im Krankenhaus empfohlen, bis die Temperatur gemessen wurde
- Temperaturmessung als Teil der ersten initialen Beurteilung aller Traumapatient*innen empfohlen, v.a. bei Vorliegen eines SHT oder bei V.a. schwere Verletzung (ISS > 16)
- Körpertemperatur < 36 °C sollte als traumabedingte Hypothermie behandelt werden, während der Begriff „unfallbedingte Hypothermie“ einer Kerntemperatur < 35 °C vorbehalten bleiben sollte
- Temperaturüberwachung wird bei allen Traumapatient*innen empfohlen, die Bluttransfusionen benötigen
- Hypothermie als physiologischen Schweregradfaktor in alle Traumabeurteilungs- und Triage-Skalen aufnehmen
innerklinisches Management
- für alle Patient*innen mit Hypothermie werden aktive Maßnahmen zur Wiedererwärmung im Krankenhaus empfohlen, die sich nach den örtlichen Protokollen richten
- zur Vermeidung einer weiteren Abkühlung wird die Verabreichung ausschließlich erwärmter Flüssigkeiten empfohlen (CAVE: Therapie mit erwärmten Flüssigkeiten sollte aufgrund der begrenzten thermischen Wirksamkeit nicht als primäre Strategie zur Wiedererwärmung eingesetzt werden)
- aktive Maßnahmen zur Wiedererwärmung bei allen Patient*en mit mittelschwerer bis schwerer Hypothermie empfohlen, bei denen keine ECMO durchgeführt wird oder diese nicht verfügbar ist –> bei diesen Patient*innen bei Vorliegen einer hämodynamischen Instabilität (RRsys < 90 mmHg) oder Bewusstseinsstörung ein mehrschichtiges System angewendet und der Einsatz weiterer aktiver Zusatzmaßnahmen erwogen werden
Herz-Kreislauf-Stillstand & Reanimation
- VA-ECMO wird als Therapie der 1. Wahl bei Herzstillstand aufgrund einer akzidentellen Hypothermie empfohlen, wobei die kardiopulmonale Bypass-Therapie als Alternative vorbehalten bleibt, wenn keine ECMO zur Verfügung steht
- bei Patient*innen mit Hypothermie, bei denen eine ECMO kontraindiziert oder nicht verfügbar ist, werden Ansätze zur kontinuierlichen venovenösen Hämodiafiltration empfohlen –> sind diese nicht verfügbar, sollten andere aktive Aufwärmtechniken entsprechend den Möglichkeiten der Klinik eingeleitet werden
- bei Patient*innen mit schwerer Hypothermie und hämodynamischer Instabilität wird die Therapie mit einer VA-ECMO empfohlen, wobei die Indikation individuell entsprechend der Verfügbarkeit und Erfahrung festzulegen ist
- bei hypothermem Herzstillstand werden mechanische Thoraxkompressionsgeräte empfohlen, um eine wirksame und kontinuierliche Thoraxkompression während der Herz-Lungen-Wiederbelebung und eines längeren Transports sicherzustellen
- während der extrakorporalen Reanimation wird eine Aufwärmgeschwindigkeit von 2 – 5 °C/h empfohlen
- Entscheidungen über die Sinnlosigkeit weiterer Maßnahmen sollten auf multivariablen Vorhersagemodellen wie dem HOPE-Score basieren und nicht auf isolierten klinischen Parametern
- Verwendung des HOPE-Scores wird empfohlen, um Patient*innen mit hypothermem Herzstillstand zu identifizieren, die von einer ECMO profitieren könnten
typische Symptomatik für bzw. Anzeichen bei akzidenteller Hypothermie

Therapiealgorithmus




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