veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 13.10.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1007/s10049-026-01827-1
Konzept
- konventioneller Ablauf
- Rhythmusanalyse führt zu erster Unterbrechung der Thoraxkompressionen
- wird schockbarer Rhythmus erkannt, wird die Kompression wieder aufgenommen, der Defibrillator geladen und für die Schockabgabe erneut unterbrochen
- „Precharging“-Ablauf
- Defibrillator wird bereits gegen Ende des zweiminütigen Reanimationszyklus während laufender Thoraxkompressionen aufgeladen
- bei der anschließenden Rhythmusanalyse (Unterbrechung < 5 sec) kann ein Schock bei Kammerflimmern (VF) oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie (pVT) sofort abgegeben werden
- zeigt sich ein nicht schockbarer Rhythmus (PEA oder Asystolie), wird die Energie intern sicher entladen
- Ziel
- Zusammenlegung von Analyse und Schockabgabe in eine einzige kurze Pause, um die unterbrechungsfreie Zeit ohne Thoraxkompression (Hands-off-Zeit) zu minimieren

b) Precharging-Algorithmus
wissenschaftliche Evidenz
- Studien (u.a. Iversen et al.) belegen, dass Precharging die Hands-off-Zeit signifikant reduziert (in der Dänemark-Studie von durchschnittlich 12,6 auf 7,6 sec)
- bislang keine klinischen Studien, die nachweisen, dass Precharging das Überleben bis zur Krankenhausentlassung oder das neurologische Outcome der Patienten tatsächlich verbessert
Gründe gegen routinemäßigen Standard (ERC, GRC & ILCOR)
- fehlender Outcomenachweis: theoretischer physiologischer Vorteil übersetzt sich bisher nicht nachweisbar in höhere Überlebensraten
- erhöhte Komplexität: Verfahren verlangt dem Team eine unmittelbare Entscheidungsfindung direkt nach der Rhythmusanalyse ab
- Fehleranfälligkeit: Fehlinterpretationen des Rhythmus unter Zeitdruck oder Unruhe im Team können Vorteile rasch zunichtemachen
- Teamdynamik: in unzureichend geschulten oder wechselnden Teams erzeugt der geladene Defibrillator zusätzliche kognitive Belastung und Sicherheitsrisiken
Fazit für die Praxis
- aktuell handelt es sich beim Precharging nicht um eine Routinemaßnahme
- gerade in der prähospitalen Notfallmedizin ist es (zumindest im deutschsprachigen Raum) eher die Regel, dass in Ad-hoc-Teams gearbeitet wird – und nicht in sehr gut trainierten und eingespielten Teams
- wird jedoch Precharging in einem Rettungsdienstbereich systematisch trainiert und in ein stringentes Aus- und Weiterbildungskonzept erweiterter Reanimationsmaßnahmen integriert, ist es eine geeignete Maßnahme, die Hands-off-Zeit weiter zu reduzieren


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