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Konsensusstatement „Acute care of aneurysmal subarachnoid hemorrhage“ der DIVI

veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 30.07.2025
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1186/s42466-025-00407-x

Therapie vor Behandlung des Aneurysmas

  • kein routinemäßiger Einsatz von Tranexamsäure bei einer SAB zur Verhinderung erneuter Blutungen
  • nach der SAB-Diagnose sollte eine CT-Angiographie in die Erstdiagnostik einbezogen werden
  • invasive RR-Messung bei Patient*innen mit aneurysmatischer Subarachnoidalblutung (aSAB)
  • RRsys nach SAB-Diagnose und vor Behandlung der Blutungsquelle in einen Zielbereich von mind. 160 mmHg senken
  • bei Patient*innen mit aSAB chirurgische oder endovaskuläre Behandlung des rupturierten Aneurysmas so früh wie möglich nach der Vorstellung durchführen, idealerweise innerhalb von 24 h nach Blutungsbeginn
  • mittleren arteriellen Druck (MAD) nach Behandlung einer aSAB auf Wert von mind. ≥ 65 mmHg einstellen
  • bei Patient*innen mit aSAB ist eine Überwachung des Volumenstatus und das Anstreben einer Euvolämie sinnvoll
  • bei Patient*innen mit aSAB ist es sinnvoll, einen Hämoglobinwert von ≥ 8 mg/dL zu halten (CAVE: im Fall einer verzögerten zerebralen Ischämie können im Einzelfall höhere Hämoglobinwerte angestrebt werden)

Temperatur-Management

  • Körperkerntemperatur in der akuten Phase nach einer SAB kontinuierlich überwachen
  • Fieber bei Patient*innen mit akuter SAB vermeiden
  • Temperaturkontrolle bei intubierten Patient*innen mit akuter SAB sollte mit einem automatischen Temperature Management System-Device erfolgen, wenn physikalische und/oder pharmakologische Fieberbehandlung versagt (CAVE: Nebenwirkungen und Nutzen-Risiko-Verhältnis der automatischen TTM-Devices berücksichtigen)
  • erfahrene Zentren können eine induzierte therapeutische Hypothermie unter 36 °C als Rettungstherapie einsetzen

Behandlung des Hydrozephalus

  • kontinuierliche Durchführung einer Liquordrainage über die externe ventrikuläre Drainage (ICP-abhängig)

Erkennung und Behandlung von verzögerter zerebraler Ischämie (DCI) und Gefäßspasmen

  • transkraniellen Ultraschall zur Erkennung und Überwachung von frühen Vasospasmen einsetzen
  • routinemäßiger Einsatz von Nimodipin von Beginn der Behandlung an (Nimodipin i.v. kann als Alternative zu Nimodipin enteral verabreicht werden; CAVE: Nebenwirkungen berücksichtigen)
  • bei Patient*innen mit Verdacht auf DCI zerebrale Bildgebung mittels CT oder MRT (Perfusions-CT/MRT) durchführen
  • Durchführung einer induzierten Hypertonie, wenn eine DCI diagnostiziert wird
  • nach der Diagnose einer DCI und bei Fehlen von Kontraindikationen MAP auf mind. 80 mmHg erhöhen, in Einzelfällen auch höher
  • interventionelle Notfalltherapie, wenn eine DCI diagnostiziert wird
  • Angioplastie ist Möglichkeit zur Behandlung schwerer Gefäßspasmen und DCI, wenn die pharmakologische Spasmolyse nicht erfolgreich ist
  • kein routinemäßiger Einsatz von Thrombozytenaggregationshemmern zur Verhinderung einer DCI

Krampfanfälle und EEG-Überwachung

  • Gabe krampflösender Medikamente, wenn ein Krampfanfall infrage steht (CAVE: sorgfältige Neubewertung nach der akuten Phase)
  • prophylaktische antikonvulsive Therapie bei Patient*innen mit intrazerebralem Hämatom in Betracht ziehen
  • EEG-Monitoring (ggf. kontinuierlich) ist eine sinnvolle Option zur Überwachung bei neurologisch schwer zu beurteilenden Patient*innen
  • routinemäßige EEG-Diagnostik bei Patient*innen mit intrazerebralem Hämatom, um mögliche Krampfanfälle zu erkennen und zu behandeln (CAVE: Dauer der antikonvulsiven Medikation sollte sich an klinischen Kriterien und der EEG-Diagnostik orientieren)

invasive Monitoringmaßnahmen

  • Einsatz einer multimodalen Überwachung zur besseren Therapiekontrolle bei Patient*innen, die nicht beurteilbar sind, u.a. parenchymale Sauerstoffpartialdruckmessung (PtiO2), jugularvenöse Sauerstoffsättigung, Nahinfrarotspektroskopie, Mikrodialyse und/oder kontinuierliches EEG
  • Therapieversuch durch Erhöhung des CPP und/oder Erhöhung der inspiratorischen O2-Konzentration bei zuverlässigen pathologischen Befunden (ptiO2 < 15 mmHg) ausschließlich bei der ptiO2-Messung (CAVE: andere Parameter im Zusammenhang mit dem ptiO2-Wert interpretieren)
Published inLeitlinien kompakt

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