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Leitlinie „Consensus on Science With Treatment Recommendations: BLS, ALS, PLS, NLS, Education, Implementation & Teams First Aid Task Forces“ der ILCOR (Update 2026)

veröffentlichende Fachgesellschaft: International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 05.11.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1161/CIR.0000000000001473

Basic Life Support (BLS)

  • Gefahren für Ersthelfer*innen
    • frühere Empfehlung (2020): Die Evidenz zur Sicherheit von Ersthelfer*innen während der Reanimation ist begrenzt. Die wenigen Einzelberichte über Nebenwirkungen infolge der weitverbreiteten und häufigen Anwendung der Reanimation deuten darauf hin, dass die Durchführung der Reanimation relativ sicher ist. Auch die Abgabe eines Defibrillatorschocks mit einem AED im Rahmen der Basismaßnahmen der Reanimation (BLS) ist sicher. Die Inzidenz und Morbidität von defibrillatorbedingten Verletzungen bei Ersthelfern sind gering.
      • 2020 veröffentlichte Behandlungsempfehlung wird zurückgezogen –> neue 2026 „Good Practice“-Empfehlung: Schäden für Ersthelfer*innen während der Versorgung eines Herzstillstands oder der Reanimation sind selten. Es wurden jedoch Schäden in bestimmten Situationen berichtet, darunter Wasserrettung, unsachgemäße Entfernung eines AED, Thoraxkontakt während der Schockabgabe eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD), Durchführung der Reanimation ohne geeignete Schutzausrüstung (PSA) und während des Transports zu Patient*innen mit Herzstillstand.
  • SGA bei BLS (neue Empfehlung, 2026)
    • für entsprechend geschultes Rettungsdienstpersonal mit BLS-Ausbildung (z.B. NFS, RS, Pflegekräfte) wir die Beatmung mit einer supraglottischen Atemwegshilfe (SGA) oder einem Beatmungsbeutel empfehlen, ggf. mit Guedel-/Wendl-Tubus
    • für entsprechend geschulte ehrenamtliche BLS-Ersthelfer*innen oder andere alarmierte Ersthelfer*innen (z.B. Feuerwehrleute, Polizist*innen, Rettungsschwimmer*innen) wird die Verwendung einer SGA oder eines Beatmungsbeutels befürworten, ggf. mit Guedel-/Wendl-Tubus
    • Befürwortung von kompetenzbasierten Schulungsprogrammen mit regelmäßigen Auffrischungskursen sowohl für die Beatmung mit einem Beatmungsbeutel als auch für die Atemwegssicherung
  • Beatmungsparameter während der Reanimation von Erwachsenen
    • bei Erwachsenen mit Herz-Kreislauf-Stillstand, unabhängig davon, ob eine erweiterte Atemwegssicherung erfolgt ist oder nicht,, im Rahmen der kontinuierlichen Herzdruckmassage 2 Beatmungen mit jeweils 30 Kompressionen durchführen bzw. 10 Beatmungen/min (1 Beatmung alle 6 sec)
    • bei einer manuellen Beatmung ist es sinnvoll, ein solches Volumen zuzuführen, dass eine sichtbare Hebung des Brustkorbs erreicht wird
    • sofern das AZV gemessen werden kann, wird bei Erwachsenen mit Herz-Kreislauf-Stillstand ein AZV von 400 – 600 mL (bzw. 6 – 10 mL/kg des idealen oder geschätzten Körpergewichts) empfohlen
    • ss ist sinnvoll, eine effektive Beatmung sicherzustellen und dabei sowohl eine Hyperventilation als auch eine Hypoventilation zu vermeiden
  • Beutelgröße für die manuelle Beatmung bei der HLW bei Erwachsenen
    • Verwendung eines Beatmungsbeutels in Standardgröße für Erwachsene (max. Volumen 1500 – 1600 mL) wird zur manuellen Beatmung von Erwachsenen während der kardiopulmonalen Reanimation empfohlen
  • Kompressionsfrequenz, -tiefe und -entlastung bei der HLW bei Erwachsenen, Kindern und Säuglingen
    • Frequenz der manuellen Thoraxkompression von 100 – 120/min
    • Kompressionstiefe von etwa 5 cm; dabei sollte bei der manuellen HLW eine übermäßige Kompressionstiefe (> 6 cm bei einem durchschnittlichen Erwachsenen) vermieden werden
    • Helfer*innen sollen bei der manuellen Reanimation darauf achten, sich zwischen den Kompressionen nicht auf den Brustkorb zu stützen, um eine vollständige Entlastung des Thorax zu ermöglichen
    • bei Säuglingen den Brustkorb um mind. 1/3 des Durchmessers in anterior-posteriorer Richtung (also um etwa 4 cm) komprimieren
    • bei Kindern den Brustkorb um mind. 1/3 des Durchmessers in anterior-posteriorer Richtung (also um etwa 5 cm) komprimieren
    • bei Säuglingen und Kindern mit Herz-Kreislauf-Stillstand kann die angestrebte Frequenz für die manuelle Herzdruckmassage 100 – 120/min betragen (Good Practice Statement)
  • Rhythmusanalyse während der Kompressionen
    • Nutzen von Algorithmen zur Artefaktfilterung bei der Analyse des EKG-Rhythmus während der Reanimation im Rahmen klinischer Studien oder Forschungsinitiativen untersuchen (Good Practice Statement)
  • Pre-Charging des Defibrillators
    • manuellen Defibrillator während der Herzdruckmassage aufladen – entweder vor oder nach der Rhythmusanalyse
    • beide Vorgehensweisen erfordern eine entsprechende Schulung, um eine sichere und effektive Anwendung zu gewährleisten (Good Practice Statement)

Advanced Life Support (ALS)

  • Thrombolytika-Gabe bei Herzstillstand
    • keine routinemäßigen Gabe von Thrombolytika während der kardiopulmonalen Reanimation zur Behandlung eines Herzstillstands
  • i.m.-Gabe von Adrenalin bei Herzstillstand
    • keine ausreichenden Belege vorliegend, um die zusätzliche i.m.-Gabe von Adrenalin während einer Reanimation bei Herz-Kreislauf-Stillstand als Ergänzung zur Standard-Reanimationsversorgung zu empfehlen
  • i.v.-Volumengabe während und nach einem Herzstillstand
    • keine routinemäßige intravaskuläre Volumentherapie während der Reanimation bei Patienten mit unklarem, nichttraumatischem Herzstillstand ab
    • keine Gabe von Hydroxyethylstärke-Infusionen während der Reanimation oder nach ROSC ab
    • wenn die klinischen Umstände auf eine Hypovolämie vor dem Herzstillstand hindeuten, kann eine Volumentherapie angezeigt sein (Good Practice Statement)
    • nicht genügend direkte Evidenz vorliegend, um die Anwendung spezifischer Volumentherapien unmittelbar nach ROSC bei Patient*innen mit unklarem, nichttraumatischem Herzstillstand zu empfehlen oder davon abzuraten
    • nicht genügend direkte Evidenz vorliegend, um die routinemäßige Anwendung spezifischer Volumentherapien während der Reanimation bei Patient*innen mit traumatischem Herzstillstand zu empfehlen oder davon abzuraten
  • direkte versus Videolaryngoskopie zur endotrachealen Intubation bei Herzstillstand
    • keine ausreichenden Belege vorliegend, um bei einer endotrachealen Intubation während der kardiopulmonalen Reanimation die Videolaryngoskopie ggü. der direkten Laryngoskopie zu empfehlen
    • um die Erfolgsquote bei der endotrachealen Intubation – sowohl beim ersten Versuch als auch insgesamt – zu erhöhen und das Risiko einer versehentlichen ösophagealen Intubation zu verringern, kann es sinnvoll sein, bei einer CPR die Videolaryngoskopie einzusetzen, sofern die entsprechende Ausrüstung verfügbar ist und die durchführende Person im Umgang mit dem Gerät gut geschult ist (Good Practice Statement)
  • zusätzliche Sauerstoffgabe während der Reanimation
    • während der HLW die höchstmögliche Sauerstoffkonzentration verwenden
  • TEE während der Reanimation
    • keine Empfehlung für ein Good Practice Statement erstellt, und die vorliegende Evidenz rechtfertigt zum jetzigen Zeitpunkt keine systematische Übersichtsarbeit

Pediatric Life Support (PLS)

  • Beatmungsparameter bei Herzstillstand bei Kindern
    • bei Kindern mit Herz-Kreislauf-Stillstand und gesichertem Atemweg ist es sinnvoll, eine Beatmungsfrequenz anzustreben, die den altersentsprechenden physiologischen Normalwerten entspricht (Good Practice Statement)
    • es ist sinnvoll, die Beatmungsfrequenz sowie die Menge des applizierten AZV zu überwachen und eine Hypoventilation zu vermeiden (Good Practice Statement)
    • keine Belege vorliegend, die eine Behandlungsempfehlung hinsichtlich der Obergrenze für die Beatmungsfrequenz, das applizierte AZV, die Inspirationszeit oder den PEEP bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand im Kindesalter rechtfertigen würden
  • i.m.-Gabe von Adrenalin bei Herzstillstand bei Kindern
    • keine ausreichenden Belege vorliegend, um die i.m.-Gabe von Adrenalin während der Reanimation bei Kindern als Ergänzung zur Standard-Reanimationsversorgung zu empfehlen
  • Einsatz von Vasopressoren bei Herzstillstand bei Kindern
    • Verwendung von Adrenalin bei pädiatrischem OHCA empfohlen
    • Verwendung von Adrenalin bei pädiatrischen IHCA empfohlen (Good Practice Statement)
    • bereits bestehende Behandlungsempfehlungen zum Zeitpunkt der Adrenalingabe bleiben unverändert und lauten wie folgt:
      • Initialdosis Adrenalin bei pädiatrischen Patient*innen mit nicht-defibrillierbarem Rhythmus beim IHCA und OHCA so früh wie möglich in der Reanimation
      • keine Empfehlung für den Zeitpunkt der anfänglichen Adrenalindosis bei schockierbarem Rhythmus bei Kindern abgeben
    • Konfidenz der Wirkungsschätzungen ist so gering, dass keine Empfehlung zum optimalen Adrenalinintervall für nachfolgende Adrenalindosen bei pädiatrischen Patient*innen mit IHCA oder OHCA abgeben kann
  • Temperaturmanagement nach Herzstillstand bei Kindern – Zieltemperatur und Dauer
    • Einsatz von ATM bei komatösen Säuglingen und Kindern nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand (OHCA oder IHCA) empfohlen
    • Einsatz von ATM, um eine Körperkerntemperatur von > 37,5 °C zu verhindern
    • ATM-Protokolle an einer der Interventionen aus den publizierten THAPCA-Studien orientieren
      – (1) ATM bei 32 – 34 °C für 48 h, gefolgt von schrittweiser Wiedererwärmung und Aufrechterhaltung einer Temperatur von 36 – 37,5 °C bis zu einer Gesamtdauer von 120 h, ODER
      – (2) ATM bei 36 – 37,5 °C für insgesamt 120 h,
      da die aktuelle Studienlage keinen Vorteil eines bestimmten Zieltemperaturbereichs belegt und keine ausreichenden Belege vorliegen, um alternative Zeitdauern zu empfehlen

Definition „Active Temperature Management“ (ATM)
aktives Temperaturmanagement bezeichnet die gezielte Steuerung der Körpertemperatur bei Patient*innen auf einen definierten Zielbereich mithilfe eines standardisierten Behandlungsprotokolls (umfasst sämtliche Kühl- & Wärmeverfahren, die Festlegung der Dauer der Temperaturkontrolle, pharmakologische Maßnahmen sowie Überwachungsstrategien, um die angestrebte Zieltemperatur zu erreichen und aufrechtzuerhalten)

Neonatal Life Suppport (NLS)

  • initialer Gefäßzugang bei der Neugeborenenreanimation
    • Anlage eines Nabelvenenkatheters (NVK) als primäre Methode zur Etablierung eines vaskulären Notfallzugangs bei der Reanimation von Neugeborenen unmittelbar nach Geburt
    • i.o.-Zugang als sinnvolle Alternative zur Schaffung eines vaskulären Notfallzugangs, sollte die Anlage eines Nabelvenenkatheters bei der Reanimation von Neugeborenen unmittelbar nach Geburt nicht erfolgreich oder nicht durchführbar sein
    • nach der unmittelbaren Neugeborenenperiode, wenn die Nabelvene nicht mehr durchgängig ist, ist die Anlage eines i.o.-Zugangs eine sinnvolle Methode zur Schaffung eines vaskulären Notfallzugangs
    • keine ausreichenden Belege vorliegend, um eine Empfehlung für die Verwendung eines peripheren Venenkatheters als vaskulären Notfallzugang bei einem Herzstillstand oder einer Bradykardie bei Neugeborenen auszusprechen
  • Feedback-Geräte zur Überwachung der Atemfunktion (Respiratory Function Monitor, RFM) während des Trainings
    • bei der Ausbildung von medizinischem Fachpersonal zur Durchführung der Neugeborenenreanimation während einer Simulation mit Übungspuppen kann RFM, sofern die Ressourcen dies zulassen, als Ergänzung zur Verbesserung der Fähigkeiten bei der Beatmung mit Gesichtsmasken eingesetzt werden
  • Strategien für die Überdruckbeatmung (positive-pressure ventilation, PPV)
    • keine Belege vorliegend, die den Einsatz von Beatmungsdrücken rechtfertigen, die über das Maß hinausgehen, das zur Verbesserung der Herzfrequenz oder zur Ausdehnung des Brustkorbs erforderlich ist
      • bei reifgeborenen Säuglingen lässt sich dies i.d.R. mit einem Beatmungsdruck von 30 cm H2O erreichen (gelegentlich sind höhere Drücke erforderlich)
      • bei Frühgeborenen lässt sich dies i.d.R. mit einem Beatmungsdrücken von 20 – 25 cm H2O erreichen (gelegentlich sind höhere Drücke erforderlich)

Bildung, Implementierung & Teams

  • gezieltes BLS-Training für potenzielle Ersthelfer*innen bei Hochrisikogruppen
    • BLS-Schulung für potenzielle Ersthelfer*unn bei Erwachsenen und Kindern mit hohem Risiko für einen außerklinischen Herzstillstand empfohlen
    • für medizinisches Fachpersonal, potenzielle Ersthelfer*innen bei Erwachsenen und Kindern mit hohem Risiko für einen Herzstillstand wird empfohlen zur Teilnahme an einer BLS-Schulung zu ermutigen und sie entsprechend anzuleiten

Erste Hilfe

  • Virtuelle Aufklärung über Opioidvergiftungen und Abgabe von Naloxon (Opioid Poisoning Education and Naloxone Distribution, OPEND)
    • virtuelle und persönliche OPEND-Programme sind wirksam und geeignet, um das Wissen und die Handlungsbereitschaft für den Notfall bei einer Opioidintoxikation zu verbessern – v.a. in Kombination mit der Abgabe von Naloxon (Good Practice Statement)
    • v.a. virtuelle Programme ermöglichen es, Wissen über das richtige Verhalten bei einer Opioidintoxikation überall dort zu vermitteln, wo ein entsprechender Bedarf besteht – etwa in ländlichen oder unterversorgten Regionen –> bieten lebensrettende Informationen für den Notfall bei einer Opioidintoxikation, unabhängig davon, ob zusätzlich Naloxon abgegeben wird oder nicht (Good Practice Statement)
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Verätzungen durch chemische Substanzen bei Erwachsenen und Kindern
    • nach einer Verätzung ist die betroffene Körperstelle der verletzten Person umgehend mit reichlich Wasser oder Kochsalzlösung zu spülen (Good Practice Statement)
  • einfache, einstufige Bewertungssysteme für Gehirnerschütterungen im Kontext von Erste-Hilfe-Maßnahmen
    • wenn festgestellt werden soll, ob eine Gehirnerschütterung vorliegt, können Personen ohne medizinische oder gesundheitsfachliche Ausbildung (z.B. Ersthelfer*innen) ein Screening-Verfahren mit drei Fragen anwenden:
      • Ist eine potenzielle Verletzung aufgetreten?
      • War der Verletzungshergang mit einer möglichen Kopfverletzung verbunden?
      • Lag eine Veränderung des Bewusstseinszustands vor?
    • wird jede dieser drei Fragen mit „Ja“ beantwortet, legen die vorliegenden Fachinformationen nahe, dass die betroffene Person aus der aktuellen Aktivität (z.B. Sport) genommen, der Rettungsdienst alarmiert oder die Person an eine medizinische Fachkraft verwiesen werden sollte (Good Practice Statement)
    • da die Symptome einer Gehirnerschütterung variieren können, sollten Ersthelfer*innen, die sich unsicher sind, ob eine Gehirnerschütterung vorliegt, die betroffene Person vorsichtshalber aus der aktuellen Aktivität nehmen, bis eine medizinische Fachkraft eine entsprechende Beurteilung vornehmen kann (Good Practice Statement)
Published inLeitlinien kompakt

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