veröffentlichende Fachgesellschaft: Chinese Stomatological Association (CN Dent)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 24.09.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.3290/j.cjdr.b7093213
initiale Hämostase
- sofort vorläufige blutstillende Maßnahmen ergreifen
- bei aktiven Blutungen durch Trauma, Operationen oder Tumore temporäre Methoden wie Fingerdruck oder Gazetamponaden wählen
- Schleimhautblutungen und Hämatome erfordern rasche Ursachenklärung und engmaschige Überwachung
Triage-Einstufung
- Stufe I (lebensbedrohliche Blutung): akute Lebensgefahr durch Herz-Kreislauf-Arrest, Atemwegsverlegung oder Schock –> sofortige Behandlung im Schockraum
- Stufe II (schwere bis kritische Bltung): Vorliegen schwerer Zustände wie Massenblutungen durch Gefäßtumore oder Malignome –> sofortiges Monitoring und Verlegung in den Schockraum
- Stufe III (prioritärer Notfall): dringliche Fälle ohne unmittelbare Lebensgefahr, z.B. Nachblutungen nach Zahnextraktionen oder Zahnfleischblutungen –> bevorzugte Behandlung und lokale Hämostase
- Stufe IV (allgemeiner Notfall/Nicht-Notfall): stabile Vitalzeichen ohne aktive Blutung –> Behandlung erfolgt in zeitlicher Reihenfolge
Grundsätze für Stufe-I- & Stufe-II-Patient*innen
- sofortige Einleitung von Notfallmaßnahmen ohne Verzögerung
- Überwachung der Vitalparameter, Vorbeugung von Schock sowie Sicherung des Atemweg
- nach Erststabilisierung erfolgt Verlegung in die entsprechende Fachabteilung oder ein Schwerpunktkrankenhaus
Grundsätze für Stufe-III- & Stufe-IV-Patient*innen
- Anamneseerhebung, lokale Hämostase und Beruhigung der Patient*innen im zahnärztlichen Notdienst
- Durchführung von Laboruntersuchungen sofern verfügbar und bei Auffälligkeiten oder unzureichenden Ressourcen Weiterleitung an Schwerpunktklinik
Notfallbehandlungsprotokoll für orale Blutungen
Protokoll für Stufe-III- & Stufe-IV-Patient*innen
- emotionaler Beistand & Lagerung
- Patient*innen beruhigen, da mit Speichel vermischtes Blut oft fälschlicherweise wie ein massiver Blutverlust wirkt
- Lagerung in sitzender oder halbliegender Position zur Vermeidung von Synkopen
- Anamneseerhebung
- Erfassung von Dauer, Art und Stärke der Blutung, Grunderkrankungen (z.B. Hypertonie, Leber- oder Nierenerkrankungen), Traumata, vorausgegangenen Eingriffen sowie der Einnahme von Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern
- körperliche Untersuchung
- Entfernen von Blutkoageln unter guter Beleuchtung und Absaugung zur präzisen Lokalisation der Blutungsquelle
- gezielte Hämostase
- Lokalbehandlung durch Kompression, Wundnaht, Wundtamponade (z.B. Jodoformgaze, Gelatineschwamm) oder Gefäßligaturen
- in extremen Ausnahmefällen Ligatur der A. carotis externa
- Laboruntersuchungen:
- Blutbild (PLT)
- Thrombozytenwerte < 100 x 109/L zeigen Thrombozytopenie an
- Werte < 30 x 109/L erfordern hämatologische Konsultation
- bei Werten < 10 x 109/L besteht ein extrem hohes Spontanblutungsrisiko
- Gerinnungsparameter
- PT/APTT > 1,5-faches der Norm oder Fibrinogen < 1 g/L weisen auf ein Versagen der Hämostase hin
- INR-Wert ≥ 3,5 gilt als kritischer Schwellenwert
- Blutbild (PLT)
- Überwachung & Nachsorge
- nach Blutstillung mind. 30 min Nachbeobachtung
- Verhaltensregeln für 24 h: kein Zähneputzen, kein heftiges Spülen, Aufnahme kühler und weicher Nahrung
Behandlungsempfehlungen für häufige Blutungsstellen
- Extraktionswunden
- Entfernung störender Koageln zur genauen Wundabklärung.
- Schleimhautrisse vernähen, entzündliches Granulationsgewebe kürettieren und die Wunde mit Gelatineschwamm oder Jodoformgaze versorgen
- bei Unterkiefer-Weisheitszahnextraktionen engmaschige Atemwegsüberwachung zur Früherkennung von Zungengrund- oder Mundbodenhämatomen
- Zahnfleischblutungen
- Spülung der Zahnfleischtaschen mit 1 – 3 % Wasserstoffperoxid und NaCl
- Einbringen von Gelatineschwämmen, Parodontalverbänden oder Jodoformgaze
- bei vorhandenem Zahnstein vor der Blutstillung lokales Scaling durchführen
- postoperative Gaumenblutungen
- Druckapplikation mit feuchter Gaze
- bei persistierenden Blutungen Elektrokoagulation oder Ligatur des N. palatinus majus bzw. Gefäßbündels
- Nutzung von Jodoformgaze-Tamponaden oder Gaumenverbandplatten
- traumatische Schleimhautblutblasen
- kleine, beschwerdefreie Blasen heilen innerhalb einer Woche spontan ab
- große Blasen mit Schluckbeschwerden mit steriler Nadel punktieren oder an der tiefsten Stelle inzidieren
- Blasenwand soll zum Wundschutz erhalten bleiben
- lokale Entzündungs- und Schmerztherapie anwenden
- postoperative/subkutane Blutungen & Hämatome im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich
- Aufklärung der Patient*innen über den natürlichen Abheilungsverlauf (ca. 1 – 2 Wochen)
- in den ersten 24 – 48 h intermittierend kühlen, ab 72 h Wärmeanwendung zur Resorptionsförderung
- Mundbodenhämatom
- CAVE: potenziell lebensbedrohlicher Notfall durch Verlegung der Atemwege!
- kontinuierliche Überwachung der Vitalzeichen und Sicherstellung der Atemwege (ggf. Einbringen eines Nasenwendel-Tubus oder Notfall-Koniotomie/Tracheotomie)
- bei progressiver Vergrößerung Bimanualkompression, gefolgt von chirurgischer Revision, Ausräumung des Koagels und Gefäßligatur


Sei der Erste der einen Kommentar abgibt