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Leitlinie „Management of Patients with Adrenal Insufficiency Presenting to the Emergency Department“ der IAEM

veröffentlichende Fachgesellschaft: Irish Association for Emergency Medicine (IAEM)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 31.07.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://iaem.ie/professional/clinical-guidelines/

Grundsätzliches

  • Defintion „akute Nebennierenrindeninsuffizienz“ bzw. „Addison-Krise“: lebensbedrohlicher medizinischen Notfall infolge eines absoluten oder relativen Cortisolmangels
  • Unterteilung nach der betroffenen Ebene der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA)
    • primär: Morbus Addison, Zerstörung der Nebennierenrinde
    • sekundär: Hypophysenstörung mit unzureichender ACTH-Produktion
    • tertiär: verminderte hypothalamische Stimulation, oft durch schnelles Absetzen von Corticosteroiden
  • hohe Sterblichkeitsrate (bis zu 8 %) aufgrund unspezifischer Symptome und Fehldiagnosen

Ursachen und Auslöser

primäre Nebennierenrindeninsuffizienz

  • autoimmune Adrenalitis (isoliert oder als APS Typ 1 oder 2)
  • Infektionskrankheiten (Tuberkulose als globale Hauptursache, opportunistische Infektionen bei HIV/AIDS wie CMV, Cryptococcus, Kaposi-Sarkom)
  • Nebennierenblutung/-infarkt (bilaterale Blutung durch Antikoagulanzien/Koagulopathie, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei Sepsis wie Neisseria meningitidis)
  • infiltrative Erkrankungen (Sarkoidose, Amyloidose, Hämochromatose, Metastasen)
  • medikamenteninduziert (Enzyminhibitoren wie Ketoconazol/Mitotan, Enzyminduzzer wie Rifampicin/Phenytoin/Carbamazepin, Checkpoint-Inhibitoren)

sekundäre & tertiäre Nebennierenrindeninsuffizienz

  • iatrogene HPA-Achsen-Suppression (schnelles Absetzen langfristiger exogener Corticosteroide – häufigste Ursache)
  • Hypophysen- / Hypothalamuspathologien (Hypophysenapoplexie, Sheehan-Syndrom, Tumoren, infiltrative Erkrankungen, Schädel-Hirn-Trauma)

akute Auslöser/Stressoren

  • Infektionen (häufigster Auslöser wie Magen-Darm-Infekte, HWI, Pneumonie)
  • großer physiologischer Stress (Operationen, Trauma/Verbrennungen, Myokardinfarkt oder Schlaganfall)
  • endokrine Dekompensation (thyreotoxische Krise, diabetische Ketoazidose [DKA])
  • Lebensstil & physischer/emotionaler Stress (Schwangerschaft/Geburt, schwere Dehydration, extreme körperliche Anstrengung, akuter emotionaler Stress)

Symptomatik

frühe bzw. unspezifische Symptome

  • extreme Müdigkeit und allgemeine Schwäche
  • Anorexie und Gewichtsverlust
  • Schwindel im Stehen und Synkopen
  • Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, schwere Bauchschmerzen)
  • Salzangst (spezifisch für primäre akute Nebennierenrindeninsuffizienz)
  • Muskelkrämpfe und Gelenkschmerzen

späte bzw. schwere Symptome

  • Verwirrtheit, Reizbarkeit oder vermindertes Bewusstsein
  • metabolische Enzephalopathie
  • drohendes Gefühl des Untergangs („Impending sense of doom“)

weitere Anzeichen

  • kardiovaskulär: refraktäre Hypotonie (spricht erst nach Corticosteroidgabe auf Volumen/Vasopressoren an) und Tachykardie
  • dermatologisch: Hyperpigmentierung (besonders an Hautfalten, Narben und Mundschleimhaut, klassisch bei primärer akuter Nebennierenrindeninsuffizienz)
  • metabolisch: unerklärliches Fieber (selbst ohne Infektion)
  • physischer Zustand: Zeichen ausgeprägter Dehydration und Schock

Therapie

initiales, notfallmäßiges Management

  • 100 mg Hydrocortison i.v./i.m.
  • 1 L NaCl 0,9 % über 1 h (gefolgt von angepasster i.v.-Volumentherapie über 24 h)
  • Korrektur von Elektrolytstörungen (Hyperkaliämie, Hyponatriämie, Hypoglykämie; Hinweis: Hyperkaliämie tritt nur bei primärer akuter Nebennierenrindeninsuffizienz auf, viele Patient*innen haben normale Elektrolyte)
  • Blutuntersuchungen (großes Blutbild, Elektrolyste inkl. Mg und Ca, CRP, venöse BGA für Blutzucker und Laktat, Serum-Cortisol; Cortison-Gabe jedoch nicht verzögern)
  • septisches Screening (Blutkulturen, Röntgen-Thorax, Urinstick mit Mittelstrahlurin)

weiteres Management

  • Breitspektrum-Antibiotika gemäß lokaler bzw. Klinikrichtlinien
  • weiterer Liter NaCl 0,9 %
  • ggf. Anlage Blasenkatheter
  • Verlegung auf Intensivstation bei medizinischer Indikation

Weiterverlegung/Entlassung

  • endokrinologische oder internistische Überweisung/Konsil
  • Patient*innen nach Hydrocortison i.v. keinesfalls entlassen, da diese sich oft nur vorübergehend verbessern und bei Entlassung wieder verschlechtern können
  • prophylaktische Antikoagulation prüfen (Risiko für Blutungen, Koagulopathien und Sepsis)

Behandlungsalgorithmus

Published inLeitlinien kompakt

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