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Leitlinie „Unterarmschaftfrakturen im Kindesalter“ der DGKCH

veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
Klassifikation gemäß AWMF: S1
Datum der Veröffentlichung: 21.12.2023
Ablaufdatum: 20.12.2028
Quelle/Quelllink: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/006-062

Grundsätzliches

  • Unterarmschaftfrakturen im Kindesalter = Unterarmschaftfrakturen bei offenen Wachstumsfugen (Frakturen im Bereich der Diaphyse des Unterarms)
  • prinzipielle Unterscheidung in
    • Unterarmschaftfraktur (Frakturen des Radius und der Ulna, 22-D)
    • Radiusschaftfraktur, isoliert (22r-D)
    • Ulnaschaftfraktur, isoliert (22u-D) oder mit proximaler Radiusluxation
      (Monteggia-Fraktur, 22u-D6)
  • Unterscheidung bzgl. der Vollständigkeit und dem Grad der Dislokation
    • unvollständige Frakturen (stabil oder „semistabil“)
    • vollständige Frakturen (instabil)
    • Monteggia-Frakturen sind auch in Kombination mit unvollständigen Ulnafrakturen möglich
  • Epidemiologie
    • ca. 10 % aller Frakturen im Kindesalter (davon bis zu 37,5 % Grünholzfrakturen)
    • zweigipflige Altersverteilung mit höchster Inzidenz im 8. und 12. Lj.
    • Dominanz des männlichen Geschlechts

Symptomatik/Klinik

  • schmerzhafte Bewegungseinschränkung
  • meist sichtbare Fehlstellung des Unterarmes
  • lokalisierte Einblutung in die Weichteile (Ekchymosis) eher diskret ca. 7 % erstgradig offene Frakturen, selten höhergradige Weichteilbeteiligung
  • Begleitverletzungen: proximale Luxation des Radius im Zusammenhang mit Ulnaschaftfraktur (Monteggia-Fraktur)

Management

Präklinik

  • Lagerung auf einer (Oberarm-) Schiene in bequemer Spontanhaltung
  • adäquate Analgesie mit NSAR oder Opiaten
  • periphere DMS (Durchblutung, Motorik, Sensibilität) dokumentieren
  • bei drohender Perforation: unter Analgesie präliminäre Reposition durch Zug/Gegenzug
  • bei offener Fraktur: steriler Verband, Fotodokumentation, ggf. präliminäre Reposition

Klinik – Diagnostik

  • erneute Prüfung und Dokumentation von Durchblutung, Motorik und Sensibilität
  • Beurteilung evtl. vorhandener Weichteilschäden
  • Ausschluss eines Kompartmentsyndroms
  • Ausschluss weiterer Verletzungen und/oder Frakturen, v.a. am Oberarm und der Hand
  • bei offenen Frakturen bleibt der Verband geschlossen (v.a., wenn ein Foto vorliegt)
  • konventionelle Röntgenaufnahme in zwei Ebenen unter Einschluss der angrenzenden Gelenke (bei Vorliegen einer isolierten Ulnafraktur muss die Röntgenaufnahme den Ellenbogen in zwei Ebenen mit abbilden, der Radiuskopf muss auf das Kapitulum zentriert sein = Ausschluss Monteggia-Fraktur; CAVE: Röntgen der Gegenseite ist obsolet!)
  • CAVE: Sonografie, CT oder MRT haben für die Akutdiagnostik der Unterarmschaftfraktur keine Bedeutung

Klinik – Therapie

  • konservative Therapie
    • konservative Therapie ist immer noch probate Methode mit guten Ergebnissen bei entsprechend selektioniertem Krankengut
    • Gipsruhigstellung ist bei unvollständigen, stabilen, achsengerecht stehenden oder undislozierten Frakturen die Methode der Wahl
    • Grünholzfrakturen können reponiert und weiter konservativ behandelt werden, sofern achsengerechte Stellung im Gips retiniert werden kann
    • vollständige, damit instabile, aber achsengerecht stehende, undislozierte isolierte Radius- oder Ulnafrakturen können ebenfalls konservativ behandelt werden, bedürfen aber engmaschiger Kontrolle, da das sekundäre Dislokationsrisiko hoch ist
    • konventionelle Röntgen-Kontrolle in 2 Ebenen nach 7 Tagen zum Ausschluss der sekundären Dislokation
  • operative Therapie
  • Indikation zur operativen Therapie erwägen bei…
    • … instabilen Unterarmschaftfrakturen, v.a. bei vollständigen Frakturen von Radius und Ulna auf gleicher Höhe, mit schrägen Frakturflächen, konvergierenden Knochenachsen und Frakturen im proximalen Schaftdrittel
    • … der Kombination einer vollständigen Schaftfraktur mit einer Grünholzfraktur
    • … Grünholzfrakturen beider Knochen mit unzureichender Reposition oder Retention
    • … vollständigen isolierten Radius- oder Ulnafrakturen mit erheblicher Fehlstellung und Problemen der Reposition oder Retention
    • … Monteggiafrakturen, wenn konservativ die Radiusluxation nicht mit absoluter Sicherheit reponiert und retiniert werden kann
Published inLeitlinien kompakt

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