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Leitlinie „Helicopter Rescue at Very High Altitude“ der ICAR MEDCOM

veröffentlichende Fachgesellschaft: International Commission for Mountain Emergency Medicine (ICAR MEDCOM)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 10.09.2025
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1177/15578682251375408

Empfehlungen für Zeitraum vor dem Einsatz

  • Teamdynamik
    • Kultur des Vertrauens, des Zusammenhalts und der Kompetenz schaffen mit dem Ziel, die Sicherheit zu verbessern
    • Konzepte des Incident Command Systems und des Crew Resource Managements umsetzen, um die Koordination, Effizienz und Sicherheit der Einsätze zu verbessern
  • Schulung
    • Rettungskräfte sollten mit Ausrüstung und Techniken für den Einsatz in großer Höhe, der Höhenkrankheit sowie mit Erfrierungen vertraut sein
    • mind. einmal jährlich stattfindende Auffrischungsschulung mit Nahflug und HEC über 3500 m ist unerlässlich
  • Akklimatisierung
    • bevorzugter Einsatz von akklimatisierten Pilot*innen und Rettungskräfte mit Erfahrung im Fliegen in großer Höhe
    • kein Einsatz von Rettungskräften, bei denen in der Vergangenheit bereits ein Höhenlungenödem aufgetreten ist
  • Wetterbedingungen
    • Wetterbedingungen, v.a. Temperatur und Windverhältnisse, beurteilen und antizipieren
  • Risiko vor dem Flug
    • Matrix zur Analyse von Höhenrettungseinsätzen verwenden, um Risiken zu bewerten und zu mindern
Quelle: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/15578682251375408#table3-15578682251375408
  • Ausweichplan für die Bodenrettung
    • Bodenrettung von einem festgelegten Sammelpunkt aus organisieren, falls die Hubschrauberrettung nicht durchgeführt werden kann
  • Notfallplan für Flugverbote
    • Evakuierungsplan bestätigen, damit die Pilot*innen und die Besatzung sicher zu landen können
    • nach Möglichkeit einen zweiten Hubschrauber bereithalten

Empfehlungen für den Einsatz

  • persönliche Überlebensausrüstung
    • alle Pilot*innen und Rettungskräfte sollten persönliche Überlebensausrüstung mit Medikamenten zur Vorbeugung gegen Höhenkrankheit mitführen (siehe Box)

Überlebensausrüstung für große Höhen für Rettungskräfte und Pilot*innen

  • Sauerstoff
  • Medikamente für die Prävention und Behandlung der Höhenkrankheit bei Aufenthalt > 3 h nach raschem Aufstieg über 3500 m:
    • AMS: 250 mg Acetazolamid oral alle 12 h
    • HACE: 4 mg Dexamethason alle 6 h auf beliebigem Weg (zu Beginn der Behandlung 8 mg)
    • HAPE: 30 mg Nifedipin Retard oral alle 12 h oder 20 mg Retard alle 8 h
  • PSA, inkl., aber nicht beschränkt auf geeignetes Schuhwerk, angemessene Kleidung, Schlafsack und Kletterausrüstung (falls erforderlich), um im Falle einer notwendigen Evakuierung sicher absteigen zu können oder die Nacht zu verbringen
  • Verpflegung, Trinkvorräte, Kocher und Brennstoff
  • Standard-Erste-Hilfe-Kasten
  • ggf. Einsatz einer mobilen Überdruckkammer vor Ort oder im Basislager erwägen, falls eine Übernachtung vorgesehen ist
  • zusätzlicher Sauerstoff
    • regionale Luftfahrtvorschriften beachten (siehe Tabelle) oder, falls diese fehlen, folgende Empfehlungen für die Mitführung von zusätzlichem Sauerstoff berücksichtigen:
      • optional: Flugdauer < 30 min unterhalb von 4000 m
      • empfohlen: Flugdauer > 30 min zwischen 3500 und 4000 m
      • obligatorisch: jede Flugdauer über 4000 m
Vorschriften der …Vorschriften
… Canadian Transport AgencySauerstoff wird benötigt für:
– Flugzeugführer*innen (Pilot*innen) und alle Insassen, die in Höhen zwischen 10.000 ft (3.048 m) und 13.000 ft (3.962 m) fliegen und deren Flug länger als 30 min dauert
– Flugzeugführer*innen (Pilot*innen) und alle Insassen, die in einer Höhe von über 13.000 ft (3.962 m) fliegen, unabhängig von der Flugdauer
… Federal Aviation Agency (USA)Sauerstoff wird benötigt für:
– Flugzeugführer*innen (Pilot*innen), die auf Flügen mit einer Dauer von mehr als 30 min in Höhen zwischen 12.500 ft (3.810 m) und 14.000 ft (4.267 m) fliegen
– Flugzeugführer*innen (Pilot*innen), die in Höhen über 14.000 ft (4.267 m) fliegen, unabhängig von der Flugdauer
– Flugzeugführer*innen (Pilot*innen) und alle Insassen in einer Höhe von über 15.000 ft (4.572 m), unabhängig von der Dauer
… European Union Aviation Safety Agencyzwischen 13.000 und 16.000 Fuß (3.962 und 4.877 m) ist kein Sauerstoff erforderlich, wenn:
– Flugdauer < 30 min, Pilot*innen über Erfahrung mit Flügen in großer Höhe ohne zusätzlichen Sauerstoff verfügen, Pilot*innen & Besatzung akklimatisiert sind und eine Schulung zum Thema Hypoxie absolviert haben

Sauerstoff wird benötigt für:
– Flugzeugführer*innen (Pilot*innen) und alle Insassen, die in Höhen zwischen 13.000 ft (3.962 m) und 16.000 ft (4.877 m) fliegen und deren Flug länger als 30 min dauert
– Flugzeugführer*innen (Pilot*innen) und alle Insassen, die in einer Höhe von über 16.000 ft (4.877 m) fliegen, unabhängig von der Flugdauer
… Civil Aviation Authority of NepalSauerstoff wird benötigt für:
– alle Besatzungsmitglieder und mindestens 10 % der Passagiere, die länger als 30 Minuten in Höhen zwischen 10.000 ft (3048 m) und 13.000 ft (3962 m) fliegen
– qlle Besatzungsmitglieder und Passagiere, die sich in einer Höhe von über 13.000 ft (3962 m) aufhalten, unabhängig von der Dauer
  • pharmakologische Prophylaxe gegen Höhenkrankheit
    • zur zusätzlichen Sauerstoffversorgung: medikamentöse Prophylaxe nicht erforderlich, sofern während der gesamten Rettung eine ausreichende Sauerstoffversorgung gewährleistet ist
    • ohne zusätzlichen Sauerstoff: medikamentöse Prophylaxe für Rettungskräfte empfohlen, die sich über einen Zeitraum von mehr als 3 h rasch auf Höhe von über 3500 m begeben
  • Flugfahrzeugleistung
    • Gewicht der Kabine optimieren
    • Einfluss der Höhe auf die tatsächliche Fluggeschwindigkeit, den Treibstoffverbrauch und den Leistungsbedarf berücksichtigen
    • Einfluss der Troposphäre und der Temperatur auf die Druckhöhe berücksichtigen
  • Verkürzung der Zeit bei Helligkeit
    • beste Landestrategie festlegen
    • Standzeit minimieren
  • „menschliche Fracht“ (Human external cargo, HEC)
    • optimale HEC-Strategie und Windenlänge o.Ä.
    • Sicherheit der Flug-/Bergretter berücksichtigen
  • Zwischenlager
    • Standort mit vertretbaren Gefahren im Gebirge in einer sicheren Höhe auswählen, der sowohl der Akklimatisierung der Rettungskräfte als auch der Einsatzfähigkeit des Hubschraubers gerecht wird
    • nach Möglichkeit einen zweiten Hubschrauber und/oder ein Bodenrettungsteam am Sammelplatz bereithalten
  • Einsatzort
    • sicheren Landeplatz und sichere Anflugroute realisieren
    • Kommunikation mit dem Team vor Ort herstellen
  • Zielort für die Patient*innen
    • optimalen Zielort unter Berücksichtigung des Zustands der Patient*innen bestimmen

Empfehlungen für Zeitraum nach dem Einsatz

  • Erholung und Regeneration
    • Rettungskräften als auch den Pilot*innen ausreichend Zeit für Erholung und Regeneration ermöglichen
  • Nachbesprechung
    • Nachbesprechung durchführen, die eine Nachbesprechung der Einsatzleitung, der operativen Einsatzkräfte und des medizinischen Personals umfasst
  • psychischer Stress
    • Schulung ermöglichen, um berufsbedingte Stresszustände zu erkennen, zu verhindern und damit umzugehen
Published inLeitlinien kompakt

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