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Konsensuspapier „Diagnostics and treatment of acute convulsive seizures in children“

veröffentlichende Fachgesellschaft:
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 22.05.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1007/s13760-026-03045-5

Grundsätzliches

  • Krampfanfälle sind die häufigste neurologische Erkrankung bei Kindern
  • 4 – 10 % der Kinder erleiden bis zum Alter von 16 Jahren mind. einen Anfall
  • in Europa haben etwa 0,9 Millionen Kinder und Jugendliche eine aktive Epilepsie (Prävalenz von 4,5 – 5,0 pro 1.000)
  • Definition „akuter Krampfanfall“: plötzliches, unwillkürliches Ereignis, das durch abnormale, synchronisierte neuronale Aktivität innerhalb von Hirnnetzwerken verursacht wird –> Muskelzuckungen oder -versteifungen, die entweder bestimmte Körperteile oder den gesamten Körper betreffen und mit Bewusstseinsverlust einhergehen können
  • Definition „einfacher Fieberkrampf“ (FS, febrile seizure): Anfall, der < 15 min dauert, nur einmal innerhalb eines Zeitraums von 24 h auftritt, ohne damit verbundene neurologische Ausfälle und nicht durch eine akute Erkrankung des Nervensystems wie Enzephalitis oder Meningoenzephalitis verursacht wird
  • Definition „komplexer Fieberkrampf“: fokale Merkmale mit Beteiligung begrenzter Körperteile und verlängerte Anfälle mit einer Dauer > 15 min und/oder Anfälle, die mehr als einmal innerhalb von 24 h auftreten
  • Definition „Epilepsie“: chronische Erkrankung, die durch anhaltende Veranlagung zur Entstehung unprovozierter Anfälle gekennzeichnet ist

Einweisungs- bzw. Transportindikationen

Indikationen für KH-Einweisung nach erstem einfachen Fieberkrampf

  • Benommenheit vor dem Krampfanfall
  • GCS < 15 mehr als 1 h nach Krampfanfall
  • Kind zeigt Anzeichen einer Hirnhautbeteiligung 
  • Kinder < 6 Monate
  • Kind mit Antibiotika-Therapie vor Krampfanfall
  • Kind mit geschwächtem Immunsystem

Indikationen für RD-Alarmierung nach einem Anfall

  • Krampfanfall > 5 min oder frustrane erste Benzodiazepin-Gabe (prolongierter Krampfanfall ist Hinweis auf die Gefahr eines Status epilepticus)
  • multiple Krampfanfälle ohne Rückerlangen des Bewusstseins (multiple Krampfanfälle sind Hinweis auf die Gefahr eines Status epilepticus)
  • erster Krampfanfall
  • Atmungsprobleme oder Rückerlangen des Bewusstseins nach dem Krampfanfall
  • schwere Verletzungen während des Krampfanfalls
  • Krampfanfall im Wasser (Gefahr von Ertrinken und Aspiration von Wasser)

Diagnostik

Erstuntersuchung nach erstem unprovozierten Anfall

  • detaillierte Beschreibung des Anfalls
  • Familienanamnese hinsichtlich Anfällen und neurologischer Erkrankungen
  • neurologische Untersuchung
  • standardmäßige diagnostische Abklärung bei Kindern umfasst i.d.R. EEG, das sowohl den Wach- als auch den Schlafzustand abdeckt, mit Mindestdauer von 20 min im Wachzustand ohne signifikante Artefakte und 30 min im Schlaf
  • Hirn-Bildgebung nach erstem unprovozierten Anfall empfohlen, um angemessene Akutversorgung zu steuern, v.a. bei Patient*innen mit auffälligen neurologischen Befunden oder fokalem Anfallsbeginn

Indikationen für Lumbalpunktion bei Kindern mit erstmaligem FS

  • klare Indikationen für Lumbalpunktion
    • Kinder < 6 Monate
    • Kinder mit Zeichen einer Meningitis oder septischen Symptomen
  • Indikationen für das Erwägen einer Lumbalpunktion
    • Kind mit fokalen und/oder prolongierten und/oder wiederholten Fieberkrämpfen ohne Zeichen einer Meningitis oder septische Symptome
    • Kind mit Antibiotika-Therapie vor Krampfanfall ohne Hinweise auf weitere offensichtliche klinische Herde
    • Kind mit Veränderungen hinsichtlich Verhalten oder Bewusstsein

medikamentöse Therapie

  • First-Line-Medikation
    • Midazolam oral
      • 6 Monate – < 1 Jahr: 2,5 mg
      • 1 –  < 5 Jahre: 5 mg
      • 5 – < 10 Jahre: 7,5 mg
      •  ≥ 10 Jahre: 10 mg
    • Midazolam i.m./i.v./s.c.
      • 0,1 – 0,2 mg/kg (max Einzeldosis: 10 mg)
    • Midazolam i.n.
      • 0,2 – 0,3 mg/kg (max Einzeldosis: 10 mg)
    • Lorazepam i.v./i.o.
      • 0,1 mg/kg (max. Einzeldosis: 4 mg)
    • Lorazepam i.n.
      • 0,1 mg/kg
    • Diazepam i.v./i.o.
      • 0,1 – 0,3 mg/kg (max. Einzeldosis: 10 mg)
    • Diazepam rektal
      • 2 – 6 Jahre: 0,5 mg/kg
      • 6 – 12 Jahre: 0,3 mg/kg
      •  > 12 Jahre: 0,2 mg/kg
  • Second-Line-Medikation
    • Levetiracetam (bevorzugtes Medikament)
      • 60 mg/kg über 5 min (max. 4500 mg)
    • Valproat
      • 40 mg/kg über 5 min (max. 3000 mg)
    • Phenobarbital
      • 15 – 20 mg/kg über 20 min unter EKG-Überwachung und gelöst in NaCl (max. 1500 – 2000 mg)
    • Lacosamid
      • 2 – 4 mg/kg ODER 6 – 8 mg/kg über 20 min
    • Phenytoin
      • 15 – 20 mg über 15 min
  • Third-Line-Medikation
    • Midazolam
      • Bolus: 0,2 – 0,5 mg/kg
      • kont. Infusion: 0,1 – 0,3 mg/kg/h (0,2 mg/kg als Bolus i.v., danach 0,1 mg/kg/h i.v.; max. 1,8 mg/kg/h; bei Bedarf alle 5 min um 0,1 mg/kg/h erhöhen, bis konvulsiver Status epilepticus unter Kontrolle)
    • Thiopental
      • Bolus: 2 – 7 mg/kg
      • kont. Infusion: 0,5 – 5 mg/kg/h
    • Propofol
      • Bolus: 1 – 2 mg/kg
      • kont. Infusion: 0,3 – 12 mg/kg/h
    • Ketamin
      • Bolus: 0,5 – 3 mg/kg
      • kont. Infusion: 0,1 – 10 mg/kg/h
    • Pentobarbital
      • Bolus: 5 – 15 mg/kg
      • kont. Infusion: 0,5 – 5 mg/kg/h

Behandlungsalgorithmus

Published inLeitlinien kompakt

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