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Konsensusstatement „Best practices on blood and blood products for a prehospital hemorrhage protocol“ des CAN-PATT

veröffentlichende Fachgesellschaft: Canadian Prehospital and Transport Transfusion (CAN-PATT)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 03.06.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1186/s13049-026-01630-4

Empfehlungen

  • Entwicklung eines speziell für den präklinischen Bereich konzipierten Prognoseinstruments oder -scores, mit dem sich Patient*innen, die möglicherweise Blutprodukte benötigen, leichter identifizieren lassen – im Gegensatz zu vielen der derzeitigen Instrumente oder Scores, die darauf ausgelegt sind, Patient*innen zu identifizieren, die eine massive Transfusion (10 oder mehr Einheiten Blutprodukte) benötigen
  • „prähospitales Blutungsprotokoll“ sollte mind. 2 Einheiten Erythrozyten-Konzentrat der Gruppe O (RhD-negativ) enthalten
  • frühzeitige Verabreichung von aufgetautem Plasma zeigt zwar bei Patient*innen mit stumpfen Traumata, mäßigem Transfusionsbedarf, SHT, bestimmten Zytokin-Expressionsprofilen und/oder bei Transportzeiten > 20 min einen nachweisbaren Vorteil hinsichtlich der Sterblichkeit –> anhaltende logistische Herausforderungen verhindern bisher jedoch breite Einführung
  • Integration von gefriergetrocknetem Plasma in jedes „prähospitales Blutungsprotokoll“, v.a. in „Blutwüsten“, in denen herkömmliche Produkte nicht verfügbar sind
  • routinemäßige Einsatz von Thrombozyten im „prähospitalen Blutungsprotokoll“
  • Vollblut scheint sich zwar zunehmend als das wichtigste Blutprodukt für die präklinische Traumaversorgung/-reanimation zu etablieren, bislang fehlen aber Belege aus randomisierten klinischen Studien –> zusätzlich wirken praktische Einschränkungen als auch unterschiedliche Ätiologien der Blutungen erschwerend für die flächendeckende Einführung
  • Verwendung von Prothrombinkomplexkonzentrat als Plasmaersatz, wenn Plasma im Rahmen des „prähospitalen Blutungsprotokolls“ nicht verfügbar ist
  • Fibrinogenkonzentrate kann sinnvolle Ergänzung zu einer Transfusion von Blutkonzentraten sein, nachdem die ersten Blutkomponenten verabreicht wurden, sofern die Blutung anhält, oder in Kombination mit Prothrombinkomplexkonzentrat, falls kein Plasma verfügbar ist
  • TXA als 2 g-Bolus i.v. im präklinischen Setting (CAVE: neue Erkenntnisse darauf hin, dass ein Bolus i.v. von 2 g, anstelle des herkömmlichen Bolus von 1 g i.v. + Infusion von 1 g, praktischer sein könnte, ohne dass sich dies signifikant auf Mortalität, funktionelle Ergebnisse oder unerwünschte Ereignisse auswirkt)
  • routinemäßige ergänzende Kalzium-Gabe (entweder mit 1 g Calciumchlorid i.v. ODER 3 g Calciumgluconat i.v.), die im Rahmen des „prähospitalen Blutungsprotokolls“ in regelmäßigen Abständen verabreicht und spätestens nach der Transfusion der 2. Blutkonserve in Betracht gezogen werden sollte (wenn mgl., gezielte Kalziumergänzung bei niedrigen ionisierten Kalziumwerten)
  • Prävention und Eindämmung von Unterkühlung zum Eckpfeiler jedes „prähospitalen Blutungsprotokolls“ machen
  • Einrichtung eines umfassenden nationalen Registers, um die Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung in Kanada zu steuern

nationale Rahmenvorgaben für bewährte Verfahren bei präklinischer Transfusion

  • Entwicklung einer nationalen Leitlinie für das präklinische Blutungsprotokoll, in der festgelegt wird, wann und wie Erythrozytenkonzentrat, gefriergetrocknetes Plasma, Fibrinogenkonzentrat, Prothrombinkomplexkonzentrat, Kalzium, TXA und Mittel zur Hypothermie verabreicht werden sollen
  • Standardisierung der Aktivierung von Protokollen zur Blutungsversorgung im präklinischen Bereich auf Grundlage klinischer Anzeichen und validierter Entscheidungshilfen, anstatt sich allein auf die Genehmigung durch Ärzt*innen vor Ort zu stützen
  • Einrichtung eines nationalen Registers für Transfusionen zur Überwachung der Inanspruchnahme, der Sicherheit und der Ergebnisse, das als Grundlage für die kontinuierliche Qualitätsverbesserung und politische Entscheidungen dient
  • laufende Studien (z. B. STAY WARM-2) nutzen, um praktische, skalierbare Lösungen für das Hypothermie-Management in die Standard-Trauma-Protokollpakete zu integrieren
  • Zusammenarbeit über nationale Netzwerke (z.B. CAN-PATT) fortsetzen und regelmäßige Treffen abhalten, um neue Praktiken und Erkenntnisse zu erörtern
  • Erhebung kanadaspezifischer Daten zu den landesweiten Praktiken der präklinischen Transfusion, inkl. kanadaweiter klinischer Studien zur präklinischen Transfusion (z.B. SWiFT Canada 2.0)
Published inLeitlinien kompakt

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