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Leitlinie „Prehospital management of major trauma“ der CMA

veröffentlichende Fachgesellschaft: Chinese Medical Association (CMA)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 06.04.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1016/j.cjtee.2026.01.002

Einsatzstellensicherheit

  • Beurteilung und Gewährleistung der Sicherheit am Einsatzort während des Notfalleinsatzes

Identifizierung schwerer Traumata

  • rasche Erkrennung schwerer Traumata anhand physiologischer Parameter, anatomischer Befunde, des Verletzungsmechanismus, besonderer Patient*innengruppen und anderer Risikofaktoren

Kontrolle kritischer äußerer Blutungen

  • Tourniquet proximal zur Wunde bei pulsierender oder anhaltender Blutung aus einer Extremität sowie bei blutgetränkter Kleidung, Ansammlung von hellrotem Blut auf dem Boden oder traumatischen Amputationen
  • bei Blutungen aus Übergangsbereichen (z.B. Achselhöhle, Leiste) oder Wunden am Rumpf Wundkompression mit anhaltendem direktem Druck (sofern verfügbar, können spezielle Tourniquets an den Übergangsbereichen verwendet werden)

prähospitales Atemwegsmanagement & Beatmung

  • supraglottische Atemwegssicherung, endotracheale Intubation oder Krikothyreotomie bei Patient*innen, bei denen eine wirksame Beatmung und Sauerstoffversorgung nicht durch einfach Atemwegsmanagementtechniken (inkl. Lagerung, Freimachen des Atemwegs, manuelle Atemwegsmanöver, einfache Hilfsmittel wie Wendel-/Guedeltubus) und Beutel-Masken-Beatmung aufrechterhalten werden kann
  • gleichzeitige HWS-Immobilisation bei V.a. HWS-Verletzung bei körperlicher Untersuchung oder aufgrund des Verletzungsmechanismus
  • Thoraxbewegung, Atemfrequenz und -tiefe, Hautkolorit, Brustkorbperkussion und SpO2 zur Beurteilung & Überwachung der Atemfunktion nutzen
  • sofortige Dekompression durch Nadelthorakostomie bei Patient*innen mit stumpfem oder penetrierendem Thoraxtrauma mit hoher Energie sowie fortschreitender Dyspnoe, Hypotonie und fehlenden Atemgeräuschen auf der betroffenen Seite, ohne die radiologische Bestätigung abzuwarten.

Flüssigkeitstherapie, Kreislaufmanagement und Einsatz von Beckenschlingen

  • Strategie der „permissiven Hypotonie“ bei Patienten mit nicht-kontrollierbarer Blutung, wobei eintastbarer Radialpuls oder RRsys von 90 mmHg angestrebt wird
  • bei V.a. SHT mit Bewusstseinsstörung (GCS < 9) zur Sicherstellung der zerebralen Durchblutung RRsys von ≥ 110 mmHg oder MAD von ≥ 80 mmHg aufrechterhalten
  • Nutzung balancierter Kristalloidlösungen (NaCl 0,9% als 2. Wahl)
  • bei Anzeichen für schweren hämorrhagischen Schocks, sofern verfügbar, Transfusion von Universalblutprodukten Vorrang einräumen
  • Gabe von 1 g Tranexamsäure i.v. so bald wie möglich innerhalb von 3 h nach Verletzung (Gabe über 10 min als Infusion) bei Traumapatient*innen mit V.a. aktive schwere Blutung oder Anzeichen eines hämorrhagischen Schocks (z. B. Puls/HF > 110/Minute oder RRsys < 90 mmHg oder klinischer V.a. signifikante Blutung trotz normalem Blutdruck)
  • sofortige Anlage einer Beckenschlinge bei Hochrasanztrauma, Befunden in der körperlichen Untersuchung, die auf Beckenfraktur hindeuten (z.B. Blutergüsse/Druckempfindlichkeit im Beckenbereich, Beinlängendifferenz, asymmetrische Gesäßhälften) oder unerklärlicher hämodynamischer Instabilität
    • Beckenschlinge auf Höhe der Trochanter major anlegen, wobei die Kniee zusammen und die Knöchel nach innen gedreht sein sollten
    • mögliche Risiken im Zusammenhang mit Anwendung einer Beckenschlinge beachten

Beurteilung neurologischer Funktionsstörungen

  • Nutzung der WASB-Skala (Wach, Ansprache, Schmerzreiz und Bewusstlos) zur schnellen Erstbeurteilung des Bewusstseinszustands
  • nach Sicherung des Atemweges sowie Stabilisierung Atmung und Kreislauf oder während des Transports grundlegende GCS-Bewertung
    • Beurteilung sollte sich auf Pupillenlichtreflexe und Motorik (v.a. Symmetrie) konzentrieren, wobei auf dynamische Verschlechterung zu achten ist

Expositions- und Temperaturmanagement

  • Strategie des begrenzten Entkleidens bei Patient*innen mit schweren Traumata (d.h. nur zu untersuchenden Bereich entkleiden und unmittelbar danach wieder bedecken)
  • umgehende Entfernung nasser/kalter Kleidung
  • mehrstufiger, kombinierter Ansatz zur Erwärmen
    • initial Erwärmung der Umgebung (Transfer in RTW, RTW beheizen)
    • passive Isolierung
    • so früh wie möglich aktive Erwärmung durch Infusion erwärmter Flüssigkeit

Management geriatrischer Traumapatienten

  • proaktivere Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen ergreifen und verminderte physiologische Reserve, Vorerkrankungen und Einnahme von Medikamenten berücksichtigen

Schienung und Transfer & Lagerung der Patient*innen

  • Ruhigstellung der Wirbelsäule (Spinal Motion Restriction, SMR) bei stumpfem Hochrasanz-Trauma, welches mit Bewusstseinsstörungen, Druckempfindlichkeit der Wirbelsäule, Wirbelsäulendeformitäten oder neurologischen Ausfällen in den Extremitäten einhergeht
  • Anlage einer starren Halskrause in passender Größe
  • Nutzung von Spineboards ausschließlich als Rettungsvorrichtungen verwenden –> umgehende Entfernung des Spineboards, sobald die Patient*innen auf die Trage oder in sichere Umgebung gebracht wurden
  • Vakuummatratze als primäre Transportvorrichtung für längeren Transport oder längere Ruhigstellung

Ziel-KH-Auswahl

  • Transport in das nächstgelegene geeignete Traumazentrum mit Kapazitäten zur definitiven Versorgung
  • bei Patienten in abgelegenen/ländlichen Gebieten oder bei übermäßig langen Transportzeiten auf dem Landweg RTH-Einsatz erwägen, sofern verfügbar

Übergabe im KH

  • Verwendung eines standardisierten Instruments, um genaue, vollständige und effiziente Übergabe zu gewährleisten
  • ATMIST wird als Standardformat sowohl für die mündliche als auch für die schriftliche Übergabe empfohlen

Teamarbeit

  • zur Gewährleistung einer effizienten Einsatzleitung, Teams vor Ort unter einheitlicher Führung mit klarer Rollenverteilung und mit lückenloser Kommunikation führen

Training

  • Etablierung systematischer, kompetenzbasierter Ausbildungssysteme für die präklinische Versorgung bei schweren Traumata, die auf dem xABCDE-Protokoll basieren
  • System sollte Ausbildung vor Dienstantritt, regelmäßige Auffrischungskurse während der Dienstzeit sowie spezielle Schulungen umfassen, die auf festgestellte Schwachstellen und risikoreiche, selten auftretende Szenarien ausgerichtet sind
Published inLeitlinien kompakt

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