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11.06. – Hitzeaktionstag 2026 – Gemeinsam vorsorgen für Extremhitze

Am 11. Juni 2026 findet der bundesweite Hitzeaktionstag unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen für Extremhitze“ statt. Initiiert wird der Aktionstag unter anderem von der Bundesärztekammer, der Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit sowie der Deutsche Krankenhausgesellschaft. Hintergrund ist eine Entwicklung, die längst auch den Rettungsdienst und die klinische Notfallversorgung erreicht hat: Hitzewellen werden häufiger, länger und intensiver – mit direkten Auswirkungen auf Einsatzaufkommen, Personalbelastung und Patient*innenmortalität.

Warum Extremhitze zur Herausforderung für die Notfallmedizin wird…

Hitze ist das größte klimabedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. Besonders betroffen sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Kinder, Schwangere und sozial isolierte Personen. Bereits wenige Tage anhaltender Temperaturspitzen führen messbar zu einer erhöhten Mortalität und zu einer deutlichen Zunahme rettungsdienstlicher Einsätze.

Typische hitzebedingte Einsatzbilder sind:

  • Exsikkose
  • Synkopen
  • Elektrolytstörungen
  • Hitzekrämpfe
  • Hitzeerschöpfung
  • Hitzschlag
  • kardiale Dekompensationen
  • akute Niereninsuffizienz
  • Delir und neurologische Ausfälle

Besonders problematisch: Hitze verschlechtert bestehende Erkrankungen häufig schleichend. Viele Patienten alarmieren den Rettungsdienst erst spät oder werden initial als „allgemein reduziert“ eingestuft.

Gerade ältere Patienten präsentieren sich oft atypisch. Schon eine moderate Hyperthermie kann bei vulnerablen Personen zu Bewusstseinsstörungen, Hypotonie oder schweren Kreislaufproblemen führen.

Auswirkungen auf den Rettungsdienst

steigende Einsatzahlen und längere Bindungszeiten

Internationale und nationale Analysen zeigen, dass Hitzeperioden mit einem deutlichen Anstieg rettungsdienstlicher Einsätze korrelieren. Gleichzeitig verlängern sich Einsatz- und Übergabezeiten durch überlastete Notaufnahmen.

Besonders kritisch sind:

  • Nachmittags- und Abendspitzen
  • Mehrfacheinsätze in Pflegeeinrichtungen
  • Häufung internistischer Notfälle
  • erhöhte Reanimationszahlen bei vulnerablen Gruppen

Belastung des Personals

Extremhitze betrifft nicht nur Patient*innen, sondern auch Einsatzkräfte. Schutzkleidung, körperliche Belastung und mangelnde Regenerationsmöglichkeiten erhöhen das Risiko für:

  • Dehydratation
  • Konzentrationsabfall
  • Fatigue
  • Fehleranfälligkeit
  • hitzebedingte Eigengefährdung

Besonders problematisch sind lange Tragezeiten von PSA, Einsätze in Dachgeschosswohnungen oder technische Rettungen bei hohen Außentemperaturen.

Fahrzeug- und Materialprobleme

Hohe Temperaturen beeinflussen auch Medizintechnik und Medikamente:

  • eingeschränkte Medikamentenstabilität
  • Überhitzung elektronischer Geräte
  • reduzierte Akkuleistung
  • Temperaturprobleme bei Infusionen und Diagnostikmaterial

Viele Rettungsmittel sind für langanhaltende Extremhitze bislang nur unzureichend ausgelegt.

konkrete Vorsorgemaßnahmen im Rettungsdienst

Hitzeschutzpläne etablieren

Jede Rettungsdienstorganisation sollte über standardisierte Hitzeschutzkonzepte verfügen. Dazu gehören:

  • definierte Eskalationsstufen
  • zusätzliche Fahrzeugvorhaltung
  • Anpassung von Dienstzeiten
  • Trink- und Pausenmanagement
  • Monitoring hitzebedingter Einsatzcluster

Hitzewarnungen des Deutscher Wetterdienst sollten operativ in die Tagesplanung integriert werden.

Einsatzkräfte aktiv schützen

Sinnvolle Maßnahmen umfassen:

  • verpflichtende Trinkpausen
  • aktive Kühlmöglichkeiten auf Wachen
  • Kühlwesten oder Cooling Packs
  • angepasste Dienstkleidung
  • konsequente Eigenüberwachung

Hitzeprävention muss Bestandteil des Arbeitsschutzes werden – nicht nur ein individueller Eigenauftrag.

klinische Sensibilisierung verbessern

Nicht jeder hitzebedingte Notfall präsentiert sich als klassischer Hitzschlag. Wichtig ist daher eine hohe diagnostische Sensibilität bei:

  • älteren Patient*innen mit Vigilanzminderung
  • ungeklärter Hypotonie
  • Exsikkosezeichen
  • neu aufgetretenem Delir
  • Elektrolytstörungen

Die Körpertemperatur sollte bei Risikopatienten niedrigschwellig erhoben werden.

ZNA-Overcrowding durch Extremhitze

Auch Notaufnahmen geraten während Hitzeperioden zunehmend unter Druck. Mehr internistische Notfälle treffen auf bereits ausgelastete Strukturen.

Besonders problematisch sind:

  • längere Liegezeiten
  • fehlende Überwachungsplätze
  • erhöhte Zahl multimorbider Patient*innen
  • eingeschränkte Kühlkapazitäten
  • thermische Belastung des Personals

Hinzu kommt: Viele Krankenhausgebäude sind baulich nicht auf Extremhitze vorbereitet.

Maßnahmen für Notaufnahmen und Kliniken

Frühwarn- und Eskalationskonzepte

Notaufnahmen benötigen klare Hitzealgorithmen:

  • personelle Aufstockung bei Hitzewarnungen
  • frühzeitiges Bettenmanagement
  • Anpassung elektiver Prozesse
  • definierte Screeningkriterien für Hitzepatient*innen

Eine enge Abstimmung zwischen Leitstelle, Rettungsdienst und Klinik ist essenziell.

baulicher Hitzeschutz

Langfristig werden infrastrukturelle Maßnahmen unvermeidbar:

  • Kühlung kritischer Bereiche
  • Beschattungssysteme
  • verbesserte Lüftung
  • hitzeresistente IT- und Medizintechnik
  • Ruhezonen für Personal

Viele Kliniken unterschätzen bislang die operative Relevanz extremer Außentemperaturen.

standardisierte Behandlungspfade

Für schwere Hitzeerkrankungen sollten SOPs etabliert werden, insbesondere für:

  • Rapid Cooling
  • Volumentherapie
  • Elektrolytmanagement
  • Temperaturmonitoring
  • intensivmedizinische Eskalation

Beim klassischen Hitzschlag gilt weiterhin: schnelle Kühlung rettet Organe und reduziert Mortalität.

Quellen

Published inKlimaNOTFALL

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