veröffentlichende Fachgesellschaft: Brazilian Society of Surgical Oncology (SBCO)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 27.07.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1016/j.bjorl.2026.101865
klinische Kriterien
- sofortige Tracheotomie bei Vorliegen einem der folgenden schwerwiegenden klinischen Anzeichen für einen bedrohten Atemweg dringend empfohlen:
- inspiratorischer Stridor in Ruhe
- andauernde Dyspnoe unter Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
- Orthopnoe oder Rückenlage nicht tolerierbar
- Desaturation oder Anzeichen einer Hypoventilation
- durch Hypoxie bedingte Bewusstseinsstörung
- Tumorblutungen mit Aspirations- oder Obstriktionsrisiko
- besondere Aufmerksamkeit bei Patient*innen, die geringfügige, aber fortschreitende oder kombinierte klinische Symptome aufweisen, wie z.B.:
- fortschreitende Dysphonie
- Dysphagie mit Sialorrhoe
- wiederkehrende Erstickungsanfälle mit dem Risiko einer Bronchoaspiration
- eingeschränkte Mundöffnung
- Belastungsdyspnoe, die eine Indikation für eine präventive Tracheotomie begründet
endoskopische Kriterien
- keine Studien vorliegend, die eine Tracheotomie-Indikation allein auf Grundlage isolierter endoskopischer Kriterien stützen
- Tracheotomie in Betracht ziehen, wenn endoskopische Befunde vorliegen, die auf eine erhebliche strukturelle Beeinträchtigung der Atemwege hindeuten, v.a. in Kombination mit klinischen oder kontextbezogenen Risikofaktoren (z.B. signifikante Verengung des Lumens, strukturelle Instabilität, Ödeme nach Strahlentherapie, Fixierung der Stimmlippen oder brüchige Tumoren mit wiederkehrenden Blutungen)
kontextbezogene Kriterien
- Tracheotomie als Maßnahme zum Schutz der Atemwege dringend empfohlen, wenn bestimmte Faktoren das Risiko eines plötzlichen Versagens der Atemwege erhöhen, z.B.:
- rasches Fortschreiten der Symptome
- zu erwartendes Scheitern der endotrachealen Intubation,
- unmittelbar bevorstehende Notwendigkeit eines umfangreichen chirurgischen Eingriffs
- vorangegangene Strahlentherapie mit anhaltendem Ödem
- Nichtverfügbarkeit eines erfahrenen Teams oder erweiterter Ressourcen zur Sicherung der Atemwege
- Indikation für eine dringende oder notfallmäßige Tracheotomie sollte auf kombinierter Beurteilung klinischer, endoskopischer und kontextbezogener Kriterien beruhen und nicht auf der isolierten Anwendung bestehender Bewertungssysteme
- Tracheotomie bei wachem Patient*innen unter Lokalanästhesie dringend empfohlen bei Patient*innen mit hohem Risiko für eine akute Atemwegsobstruktion, die durch eine fortschreitende anatomische Obstruktion, Tumorblutungen, signifikante Verformungen der Halswirbelsäule oder eine geringe Vorhersagbarkeit einer sicheren endotrachealen Intubation gekennzeichnet ist
- klare Empfehlung für eine endoskopische Intubation bei wachen Patient*innen als First-Line-Strategie bei Patient*innnen mit anaplastischem Schilddrüsenkarzinom und großen zervikalen Tumormassen, die eine signifikante Trachealverlagerung verursachen, sofern dies realisierbar ist und von einem erfahrenen Team durchgeführt wird (routinemäßige prophylaktische Tracheotomie nicht empfohlen)
- bei Kehlkopfneoplasien sollte die Höhe der Tracheotomie strategisch entsprechend der anschließenden onkologisch-chirurgischen Planung festgelegt werden, wobei klar zwischen temporärer und definitiver Tracheotomie unterschieden werden muss


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