veröffentlichende Fachgesellschaft: Turkish Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (KLIMIK)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 15.08.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2026.104156
klinischer Verdacht
- bei Patient*innen, die aus nicht-endemischen Regionen stammen (mit einer Zeckenbissanamnese) und die Kriterien für einen Verdacht auf Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber (CCHF) erfüllen, sollte die Krankengeschichte detailliert erhoben werden und mögliche epidemiologische Risikofaktoren einschließen (CAVE: zusätzlich komplettes Blutbild, biochemische Parameter und Gerinnungsparameter untersucht werden)
- Patient*innen aus nicht-endemischen Gebieten, die die Kriterien für einen Verdacht auf CCHF erfüllen, aber nicht die Kriterien für eine wahrscheinliche Infektion, können ambulant überwacht werden (CAVE: Patient*innen anweisen, umgehend notärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Symptome wie Fieber, Schwäche oder Blutungen auftreten; bei asymptomatischen Patient*innen wird eine Nachuntersuchung nach 3 Tagen empfohlen)

Diagnostik
- Patient*innen aus nicht-endemischen Gebieten, die die Kriterien für eine mögliche Infektion von CCHF erfüllen, stationär aufnehmen und Blutproben für diagnostische Tests (PCR und/oder IgM) entnehmen, um die Ursache des CCHF zu ermitteln
- alle Patient*innen aus Endemiegebieten, die die Kriterien für einen Verdacht auf oder eine wahrscheinliche CCHF-Erkrankung erfüllen, stationär aufnehmen (Blutproben für diagnostische Tests (PCR und/oder IgM) entnehmen, um die Ursache des CCHF zu ermitteln)
- bei Patienten, die sich in der Notaufnahme oder der Ambulanz vorstellen und die Kriterien für einen Verdacht auf CCHF erfüllen, sollte der Hitit-Index verwendet werden, um die Wahrscheinlichkeit eines CCHF zu bestimmen
Krankenhausaufnahme
- bei Patient*innen, die in der Notaufnahme mit Verdacht auf CCHF untersucht werden oder als Verdachts- oder wahrscheinliche Fälle ins Krankenhaus eingeliefert werden, im Rahmen der ersten Laboruntersuchung INR- oder aPTT-Tests sowie Harnstoff- und Kreatininwerte erheben
stationäre Überwachung
- Durchführung regelmäßiger INR- oder aPTT-Test bei stationären Patient*innen
- Durchführung regelmäßiger Fibrinogenüberwachung bei stationären Patient*innen, um die Patient*innenversorgung mithilfe einer Schweregradbewertung effektiver zu steuern
- regelmäßige Überwachung der Harnstoff- und Kreatininwerte bei stationären Patient*innen
- regelmäßige Überwachung der Natrium- und Kaliumwerte bei stationären Patient*innen
therapeutisches Management
- regelmäßige Überwachung der Harnstoff-, Kreatinin-, Hämoglobin- und Bilirubinwerte regelmäßig während der Ribavirin-Behandlung, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen
- Thrombozytentransfusion einleiten, wenn die Thrombozytenzahl bei Patient*innen ohne Blutung unter 10.000/mm3 liegt
- bei Patienten mit CCHF und signifikanten Blutungszeichen wie GI-Blutungen, Nasenbluten und rektalen Blutungen Thrombozytentransfusion einleite, wenn die Thrombozytenzahl < 20.000/mm3 beträgt
- Zielwerte während der Behandlung mit Frischplasma oder Kryopräzipitat sollten die Zielwerte regelmäßig überwachen, um normale Fibrinogenwerte und/oder einen INR-Wert < 1,5 und/oder eine aPTT < 45 sec aufrechtzuerhalten
- Beginn einer Erythrozytensuspensionstherapie bei allen Patient*innen mit Hämoglobinwert < 7 oder rasch sinkenden Hämoglobinwerten
- wenn die Anwendung von Steroiden beschlossen wird, können je nach Verfügbarkeit Steroide wie Dexamethason, Prednison oder Methylprednisolon eingesetzt werden
- bei Patient*innen mit einer bestätigten CCHF-Diagnose sollte die Ribavirin-Behandlung innerhalb von 4 d nach Symptombeginn eingeleitet werden, es sei denn, es liegt eine Schwangerschaft, ein schweres Nierenversagen oder eine andere bekannte Kontraindikation für Ribavirin vor
- bei Patient*innen mit INR-Wert > 1,5 oder aPTT > 45 sec oder raschem Abfall des Fibrinogenspiegels sollte eine Therapie mit gefrorenem Frischplasma oder Kryopräzipitat eingeleitet werden
- Einleitung einer Thrombozytentransfusion bei Patient*innen mit akuter schwerer Blutung, wenn die Thrombozytenzahl auf 20.000 – 50.000 sinkt
- Fortsetzen der Thrombozytentransfusion bei Patient*innen mit CCHF und aktiven schweren Blutungen GI, rektal oder Epistaxis), bis die Thrombozytenzahl 20.000/mm³ übersteigt
- Einsatz von Kortikosteroiden bei Patient*innen mit hohem Schweregrad oder rasch ansteigendem Schweregrad
- Zielwert für die Thrombozytenzahl bei einer Transfusion 20.000/mm3 bei bei Patient*innen mit CCHF ohne aktive schwere Blutung
- Einsatz von Kortikosteroiden bei Patient*innen, deren klinischer Zustand sich mind. 5 d nach Symptombeginn verschlechtert
- Behandlung mit Ribavirin bei Verdacht auf CCHF innerhalb von 4 d nach Symptombeginn einleiten, sofern keine Schwangerschaft, kein schweres Nierenversagen oder andere bekannte Kontraindikationen für Ribavirin vorliegen
Schutzmaßnahmen
- Tragen von HEPA-Filter-Masken (N95) und Schutzbrillen (Gesichtsschutz) durch medizinisches Fachkräfte bei der Behandlung von CCHF-Patient*innen und der Anwendung aerosolproduzierender Verfahren (Aspiration, Intubation usw.)
- Verwendung von N95-Masken ist erforderlich, um die Übertragung von Infektionen auf das Laborpersonal, das mit Patient*innenproben arbeitet, zu verhindern
- bei Mitarbeitenden im Gesundheitswesen, die an aerosolgenerierenden Verfahren (z. B. Intubation, Bronchoskopie und Reanimation) bei Patient*innen mit einer bestätigten CCHF-Diagnose beteiligt waren, ohne dabei eine N95-Maske getragen zu haben, sollten nach der Exposition eine prophylaktische Ribavirin-Behandlung erhalten
Algorithmus



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