Der Such- und Rettungsdienst der Bundeswehr (englisch: Search and Rescue, SAR) ist eine seit 1959 bestehende, rund um die Uhr einsatzbereite Rettungseinheit der deutschen Streitkräfte. Er hat die Aufgabe, in Not geratene Luftfahrzeuge zu orten, deren Besatzungen zu retten sowie die Seenotrettung in Nord- und Ostsee und eigene & verbündete Streitkräfte im Notfall zu unterstützen.
Geschichte und Auftrag
Die Bundesrepublik Deutschland trat 1956 der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) bei und verpflichtete sich damit, einen nationalen Such- und Rettungsdienst aufzubauen. 1958 stellte die Marine das erste SAR-Kommando in Kiel-Holtenau auf, am 1. April 1959 folgte die Aufstellung der 1. Luftrettungsverbindungsstaffel der Luftwaffe in Faßberg – dieses Datum gilt als offizieller Gründungszeitpunkt des Such- und Rettungsdienst der Bundeswehr. Den ersten Einsatz führte diese Staffel am 26. August 1959 erfolgreich durch.
1965 übernahm die Bundeswehr mit einer Vereinbarung zwischen den damaligen Bundesministerien für Verkehr und Verteidigung zusätzlich den zivilen Such- und Rettungsdienst für Luftfahrzeuge gemäß ICAO-Vorgaben sowie die Unterstützung der Seenotrettung. Seither stehen drei Hauptaufgaben im Mittelpunkt:
- militärischer Auftrag: Unterstützung der eigenen und verbündeten Streitkräfte, etwa durch den Transport Verwundeter zu Krankenhäusern
- ziviler SAR-Auftrag für Luftfahrzeuge: Suche nach vermissten oder abgestürzten Luftfahrzeugen, Ortung der Maschine sowie Rettung von Crew und Passagieren über dem deutschen Hoheitsgebiet – unabhängig von deren Nationalität
- Seenotrettung: Unterstützung des Seenotrettungsdienstes in der deutschen Nord- und Ostsee
Zusätzlich leistet der SAR-Dienst subsidiär Hilfe bei dringender Eilhilfe („Rettung von Leib und Leben“) für den zivilen Rettungsdienst am Boden, sofern militärische Aufgaben dem nicht entgegenstehen und freie Kapazitäten vorhanden sind.
Organisation
Leitstellen
Zur Durchführung des SAR-Dienstes betreibt die Bundeswehr zwei rund um die Uhr besetzte SAR-Leitstellen (Rescue Coordination Center, RCC):
- RCC Münster (Heer): Koordination der SAR-Einsätze über dem Festland
- RCC Glücksburg (Marine): Koordination der SAR-Einsätze über See (Nord- und Ostsee)
Standorte und Hubschrauber
SAR Land (Festland)
Für den Einsatz über dem Festland sind drei Hubschrauber des Heeres an folgenden Standorten stationiert:
| Rufname | Standort | Bundesland | Betreiber | Hubschraubertyp |
|---|---|---|---|---|
| SAR 41 | Nörvenich | Nordrhein-Westfalen | Heer (7. Staffel Transporthubschrauberregiment 30, Niederstetten) | Airbus H145 LUH SAR |
| SAR 63 | Niederstetten | Baden-Württemberg | Heer (7. Staffel Transporthubschrauberregiment 30) | Airbus H145 LUH SAR |
| SAR 87 | Holzdorf / Schönewalde | Brandenburg | Heer (7. Staffel Transporthubschrauberregiment 30) | Airbus H145 LUH SAR |
SAR See (Nord- und Ostsee)
Den SAR-Bereich See decken zwei Hubschrauber der Marine ab, die von folgenden Bereitschaftsplätzen aus operieren:
| Rufname | Standort | Bundesland | Betreiber | Hubschraubertyp |
|---|---|---|---|---|
| SAR 10 | Helgoland | Schleswig-Holstein | Marine (Marinefliegergeschwader 5, Nordholz) | NH90 NTH Sea Lion |
| SAR 24 | Warnemünde | Mecklenburg-Vorpommern | Marine (Marinefliegergeschwader 5, Nordholz) | NH90 NTH Sea Lion |
Besatzung und Personal
Eine typische SAR-Besatzung an den drei Land-Standorten besteht aus drei Personen, die rund um die Uhr in ständiger Rufbereitschaft sind:
- 2 Pilot*innen (Hubschrauberführer)
- 1 Luftrettungsmeister*in (Notfallsanitäter*in/Rettungsassistent*in, vergleichbar mit HEMS TC in der zivilen Luftrettung)
Ein Notarzt gehört nicht zur festen Crew und wird nur im Bedarfsfall an Bord geholt. Insgesamt stehen bis zu 18 Pilot*innen, weitere 18 Bordmechanikermeister*innen und 20 Luftrettungsmeister*innen zur Besetzung der drei SAR-Kommandos zur Verfügung.
An den Marine-Standorten wird die Besatzung analog zusammengesetzt, wobei die SAR-Maschinen der Marine in der Cockpitbesatzung mit nur einer/einem Pilot*in und einer/einem Bordmechanikermeister*in betrieben werden.
Einsatzzahlen und Statistik
Der SAR-Dienst verzeichnet jährlich mehrere tausend Alarmierungen und mehrere hundert fliegerische Einsätze. Die folgenden Zahlen stammen aus den offiziellen SAR-Jahresberichten der Bundeswehr:
| Jahr | Gesamt-Alarmierungen (RCC Münster + Glücksburg) | Gesamt-fliegerische Einsätze |
|---|---|---|
| 2020 | 1.567 | 324 |
| 2021 | 1.842 | 379 |
| 2022 | 1.766 | 416 |
| 2023 | 1.939 | 361 |
| 2024 | 1.880 (Münster) + 1.766 (Glücksburg) = 3.646* | 439 (Münster) + 416 (Glücksburg) = 855* |
Die Einsätze unterteilen sich in verschiedene Kategorien:
- Luftnot-Einsätze: Suche und Rettung von in Not geratenen Luftfahrzeugen
- Seenot-Einsätze: Rettung von Personen aus Seenot in Nord- und Ostsee
- Einsatzunterstützung: Unterstützung anderer Rettungsdienste oder Behörden
- dringende Eilhilfe: subsidiäre Hilfeleistungen bei lebensbedrohlichen Notfällen am Boden
- SAREX: Such- und Rettungsübungen (Search and Rescue Exercise)
- Fehleinsätze: Alarmierungen, bei denen kein Einsatz erforderlich war
Bis 2003 wurden insgesamt rund 260.000 Einsätze durch den SAR-Dienst der Bundeswehr durchgeführt.
Finanzierung
Der SAR-Dienst wird im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums (BMV) betrieben und aus dem Verteidigungshaushalt finanziert. Die Kosten für den Betrieb belaufen sich auf mehrere zehn Millionen Euro jährlich.
Seit 2024 zeichnet sich eine weitere Veränderung ab: Teile des zivilen SAR-Dienstes sollen schrittweise in zivile Hände überführt werden. Der ADAC und andere zivile Betreiber übernehmen zunehmend Aufgaben, die bisher von der Bundeswehr wahrgenommen wurden. So wurden beispielsweise die Standorte Christoph 2 (Frankfurt) und Christoph 3 (Köln) bereits vom Bundesministerium des Innern (BMI) betrieben. Eine vollständige Übergabe des gesamten SAR-Dienstes an zivile Träger ist jedoch bislang nicht abgeschlossen und Gegenstand politischer Diskussionen.
Bedeutung des SAR-Dienstes der Bundeswehr für die Notfallmedizin
Der SAR-Dienst der Bundeswehr ist eine unverzichtbare Säule der deutschen Luftrettung. Durch die flächendeckende Präsenz an drei Land-Standorten und zwei See-Standorten können auch entlegene Gebiete sowie die deutsche Nord- und Ostsee schnell erreicht werden. Die Besatzungen sind speziell für die Rettung aus der Luft ausgebildet und verfügen über eine einzigartige Kombination aus fliegerischem Können, rettungsmedizinischer Expertise und technischem Verständnis.
Insbesondere bei großen Unglücksfällen, Naturkatastrophen oder komplexen Rettungslagen leistet der SAR-Dienst wertvolle Unterstützung für den zivilen Rettungsdienst. Die enge Verzahnung mit der Bundeswehr ermöglicht zudem den schnellen Einsatz von zusätzlichen Ressourcen und die Koordination mit anderen militärischen Einheiten.
Quellen
- Andreas Richter. „Der SAR-Dienst der Bundeswehr“. Panzerbär. Zugegriffen 4. September 2026. https://www.panzerbaer.de/helis/bw_lth_bell_uh1d_sar-a.htm.
- Bundesministerium für Verkehr. „Such- und Rettungsdienst“. 24. Januar 2017. https://www.bmv.de/DE/Themen/Mobilitaet/Luft/Such-und-Rettungsdienst/such-und-rettungsdienst.html.
- Bundeswehr. „60 Jahre Such- und Rettungsdienst der Bundeswehr“. Zugegriffen 4. September 2026. https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/struktur/division-schnelle-kraefte/kommando-hubschrauber/leitstelle-des-such-und-rettungsdienstes-der-bundeswehr/sechs-jahrzehnte-leben-retten.
- Bundeswehr. „Die fliegenden Lebensretter“. Zugegriffen 4. September 2026. https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/search-and-rescue-sar-fliegende-lebensretter-rettungsdienst.
- Bundeswehr. „Marinefliegergeschwader 5“. 26. Juli 2022. https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-5.
- Jens Nemeyer. „Die Geschichte des SAR-Dienstes seit 1958 – Suchen und Retten: Name und Auftrag zugleich“. Seeflieger, 1998. https://www.seeflieger.de/geschichte/geschichte3.php.
- Just Helicopters. „Big Shoes to Fill – German Army’s Search and Rescue (SAR) Helicopters“. 15. März 2024. https://justhelicopters.com/Articles-and-News/Community-Articles/Article/178093/Big-shoes-to-fill-German-Army-s-Search-and-Rescue-SAR-helicopters.
- Kommando Hubschrauber – Dez SAR, Hrsg. „SAR Jahresbericht 2020/2021“. Bückeburg, 8. März 2022. https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5438220/0236bbbb92236f2281387d35a9093085/04-download-rccmuenster-jahresbericht-2020-2021-data.pdf.
- Kommando Hubschrauber – Dez SAR, Hrsg. „SAR Jahresbericht 2023“. Bückeburg, 12. Juni 2024. https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5821988/14bbdb1daed7d76d2043bcd3a8783c19/04-download-rccmuenster-jahresbericht-2023-data.pdf.
- Kommando Hubschrauber – Dez SAR, Hrsg. „SAR Jahresbericht 2024“. Bückeburg, 27. März 2025. https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5931476/3be076099846de64a51ab15d62d9c197/04-download-rccmuenster-jahresbericht-2024-data.pdf.
- Leitstelle des Such-und Rettungsdienstes der Bundeswehr. „Leitstelle des Such- und Rettungsdienstes (Land) der Bundeswehr“. Bundeswehr. Zugegriffen 4. September 2026. https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/struktur/division-schnelle-kraefte/kommando-hubschrauber/leitstelle-des-such-und-rettungsdienstes-der-bundeswehr.
- rth.info – Faszination Luftrettung. „Bundeswehr“. Zugegriffen 4. September 2026. https://www.rth.info/betreiber/betreiber.php?show=bw.
- rth.info – Faszination Luftrettung. „Einsatzzahlen der Luftrettung“. Zugegriffen 4. September 2026. https://www.rth.info/einsatzzahlen/einsatzzahlen.php.
- Stephan Struck. „SAR in Nordholz: Seenotrettung der Marine“. Marineflieger.de, 1. August 2026. https://marineflieger.de/aufgaben/sar.
- Wikipedia. „Airbus Helicopters H145M“. 23. August 2026. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Airbus_Helicopters_H145M&oldid=269904847.
- Wikipedia. „Luftrettung in Deutschland“. 12. August 2026. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Luftrettung_in_Deutschland&oldid=269603710.
- Wikipedia. „SAR-Dienst für Luftfahrzeuge in Deutschland“. 10. August 2026. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=SAR-Dienst_f%C3%BCr_Luftfahrzeuge_in_Deutschland&oldid=269551716.


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