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Konsensus „Resuscitative thoracotomy in traumatic cardiac arrest“ der ÖGARI

veröffentlichende Fachgesellschaft: Österreichische Gesellschaft für Notfallmedizin (AAEM); Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin (AGN), Österreichischer Rat für Reanimation (ARC), Berufsrettung Wien (MA 70 – Rettungsdienst Wien), ÖAMTC, Österreichische Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), Österreichische Gesellschaft für Ethik und Recht in der Notfall- und Katastrophenmedizin (ÖGERN), Österreichische Gesellschaft für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie (ÖGHTG), Österreichische Gesellschaft für internistische und allgemeine Intensivmedizin und Notfallmedizin (ÖGIAIN), Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie (ÖGOuT), Österreichische Gesellschaft für Thoraxchirurgie (ÖGTC) & Österreichische Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin (ÖNK)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 13.06.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1007/s00508-026-02771-3

Grundsätzliches

  • traumatische Herzstillstände (Traumatic Cardiac Arrest, TCA) betreffen vorwiegend junge, zuvor gesunde Personen und gehen mit einer hohen Mortalitätsraten einher
  • Notfall-Thorakotomie (Resuscitative thoracotomy, RT) ist ein potenziell lebensrettender chirurgischer Notfall-Eingriff, der für ausgewählte TCA-Patient*innen empfohlen wird, insbesondere für solche nach einem penetrierenden Thoraxtrauma
  • ERC-Leitlinien (2025) empfehlen die RT für Patient*innen mit einem kürzlich aufgetretenen TCA (<  15 min) aufgrund einer Herztamponade nach penetrierendem Thoraxtrauma oder zur Kontrolle proximaler Gefäße
  • österreichischer Konsensus legt fest, dass die RT nur innerhalb von 15 min nach TCA durchgeführt werden sollte, wenn entsprechende Fachkompetenz, Umgebung und Ausrüstung verfügbar sind
  • Definition „Notfall-Thorakotomie (Resuscitative thoracotomy, RT)“: chirurgischer Notfalleingriff zur Eröffnung des Thorax bei Patient*innen mit TCA, bei denen Wiederbelebungsmaßnahmen angezeigt sind

Systemanforderungen für die Einführung in Ländern mit geringer Prävalenz von penetrierenden Verletzungen

systematische Einführung der RT nur in Gesundheitssystemen in Betracht zu ziehen, die alle folgenden Kriterien erfüllen:

  • entsprechende Anzahl von Patient*innen mit penetrierenden Verletzungen in einem geografischen Gebiet, das vom Rettungsdienst innerhalb von 15 min erreicht werden kann
  • großes Traumazentrum mit rund um die Uhr verfügbaren Kapazitäten für Thorax- und Herzchirurgie
  • strukturierter, ärztlich geleiteter Rettungsdienst mit ausreichenden personellen, materiellen und finanziellen Ressourcen für die Umsetzung, Aufrechterhaltung und Qualitätssicherung

RT-Indikationen

  • Patient*innen mit TCA nach penetrierendem Trauma im Herzbereich, sofern Lebenszeichen vorliegen oder die Dauer des Herzstillstands < 15 min beträgt
  • Durchführung einer RT bei Patient*innen mit TCA nach stumpfem Trauma und ultraschallbestätigter Herztamponade, sofern Lebenszeichen oder ein organisierter EKG-Rhythmus vorliegen oder die Dauer des Herzstillstands < 10 min beträgt
  • bei Kindern dieselben Indikationen anwenden wie bei Erwachsenen
  • keine strenge Altersobergrenze –> keine RT bei Patient*innen mit Multimorbidität oder bekannten lebensverkürzenden Grunderkrankungen
  • kein PoC-Ultraschall vor Durchführung einer RT bei Patient*innen mit TCA nach penetrierendem Trauma im Herzbereich, die Lebenszeichen aufweisen oder bei denen die Dauer des Herzstillstands < 15 min beträgt
  • Einsatz von PoC-Ultraschall zur Erkennung einer Herztamponade und zur Indikationstellung einer Wiederbelebung bei Patienten mit TCA nach stumpfem Trauma, die Lebenszeichen, einen organisierten EKG-Rhythmus oder eine Herzstillstandsdauer von < 10 min aufweisen
  • bei schwangeren Frauen mit TCA RT durchzuführen, sofern die Indikationen für den Eingriff erfüllt sind
  • grundsätzlich keine RT bei mehreren Verletzten, jedoch kritische Abwägung bei geeigneten Patient*innen, wobei sicherzustellen ist, dass sowohl im präklinischen als auch im klinischen Bereich ausreichende personelle und materielle Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Eingriff und die anschließende Versorgung zu gewährleisten

praktische Umsetzung der RT

  • Durchführung der RT durch mind. 4 – 6 medizinische Fachkräfte (mind. ein*e in diesem Verfahren geschulte*r Notärzt*in UND mind. eine Fachkraft gehören, die über fundierte Kenntnisse im Bereich des fortgeschrittenen Atemwegsmanagements verfügt)
  • Durchführung der RT ausschließlich von Fachärzt*innen, die über Erfahrung in der Notfallmedizin verfügen und speziell für dieses Verfahren geschult sind
  • Clamshell-Technik als bevorzugte Methode zur Durchführung der RT
  • Perikardpunktion ausschließlich bei Patient*innen mit traumatischer Herztamponade durchführen, wenn eine RT nicht möglich ist (CAVE: Empfehlung gilt nur, wenn die für die Durchführung dieses Eingriffs erforderlichen Geräte und die entsprechende klinische Fachkompetenz vorhanden sind)
  • chirurgische Instrumente für die RT sollten standardisiert, optimiert, robust und benutzerfreundlich sein und im Idealfall sollten alle erforderlichen Komponenten in einem kompakten, speziell für diesen Zweck entwickelten Thorakotomie-Set vorverpackt sein

besondere Aspekte bei der Durchführung im präklinischen Bereich

  • RT erst dann durchzuführen, wenn die Sicherheit am Tatort gewährleistet ist (CAVE: Stichverletzungen häufig durch Gewaltverbrechen verursacht)
  • Privatsphäre der Patient*innen durch Einsatz visueller Abschirmungen (z.B. Sichtschutzwände) gewährleisten und den Zugang zum Behandlungsbereich während des Eingriffs kontrollieren
  • Blutprodukte sollten in Rettungsdiensten, die eine RT durchführen, verfügbar sein (CAVE: sofortige Verfügbarkeit ist jedoch keine Voraussetzung für die Durchführung einer RT im präklinischen Bereich)
  • aufnehmende KHS müssen als große Traumazentren mit rund um die Uhr verfügbaren Kapazitäten für Thorax- oder Herzchirurgie ausgewiesen sein
  • sowohl das aufnehmende KH als auch der Rettungsdienst, der die präklinische Beatmung durchführt, müssen sich an abgestimmte Behandlungs- und Kommunikationsprotokolle halten
  • Notfallleitstelle fungiert als entscheidendes Bindeglied im operativen Ablauf der präklinischen Strahlentherapie (Aufgaben sind die Identifizierung geeigneter Patient*innen, die rasche Disposition und Koordination spezialisierter Ressourcen sowie die Ermöglichung einer frühzeitigen Kommunikation mit dem aufnehmenden KH)
  • andere Rettungskräfte, v.a. die Polizei, sollten über die operativen Anforderungen der präklinischen Atemwegsbehandlung informiert sein (Ermutigung an gemeinsamen Simulationsübungen teilzunehmen, um das Einsatzmanagement und die behördenübergreifende Koordination zu optimieren)

Aus- und Weiterbildung

  • Ärzt*innen sollten vor der RT-Durchführung einen strukturierten Fortbildungskurs absolvieren, der sowohl die Arbeit an Leichen als auch multidisziplinäre Simulationsübungen umfasst
  • Ärzt*innen mit einer RT-Ausbildung sollen regelmäßig an Auffrischungsschulungen teilnehmen, um ihre verfahrenstechnischen Fähigkeiten und die Teamkoordination aufrechtzuerhalten
  • auch nichtärztliche medizinische Fachkräfte, die an einer RT beteiligt sind, sollten eine strukturierte Aus- und Fortbildung absolvieren (Fortbildung sollte sich auf die Unterstützung beim Verfahren, die Einarbeitung in die Geräte und die koordinierte Teamdynamik während der RT konzentrieren)

Qualitätsmanagement sowie ethische & rechtliche Überlegungen

  • alle Einrichtungen, die RTs durchführen, sollten umfassende Maßnahmen zur Qualitätskontrolle und klinischen Steuerung umsetzen (z.B. obligatorische, strukturierte Fallbesprechungen, regelmäßige klinische Audits sowie festgelegte Feedback-Schleifen, um die kontinuierliche Weiterentwicklung von Protokollen und Schulungsprogrammen sicherzustellen)
  • Einrichtungen, in denen RTs durchgeführt werden, sollten leicht zugängliche, niederschwellige Unterstützungsangebote (z.B. Programme zur gegenseitigen Unterstützung, professionelle psychologische Beratung) für alle Angehörigen der Gesundheitsberufe bereitstellen, die eine RT durchgeführt oder miterlebt haben
  • ethische Überlegungen müssen die Indikationsstellung für eine RT leiten
    • Prozess muss objektive Einschätzung der Überlebenswahrscheinlichkeit, die strikte Einhaltung der Einschlusskriterien sowie einen tiefgreifenden Respekt vor der Würde der Patient*innen beinhalten)
    • ausgewogener Ansatz bei der Ressourcenverteilung, eine transparente Kommunikation mit den Angehörigen und Sensibilität für die emotionalen Auswirkungen sowohl auf die Angehörigen als auch auf das medizinische Team notwendig
Published inLeitlinien kompakt

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