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Leitlinie „Epistaxis“ des RCH

veröffentlichende Fachgesellschaft: Royal Children’s Hospital Melbourne (RCH)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.04.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://www.rch.org.au/clinicalguide/

Ursachen

  • häufige Ursachen
    • leichte Verletzungen durch Nasenbohren, Reiben, Niesen, Husten oder Pressen
    • brüchige Nasenschleimhaut bei Infektionen der oberen Atemwege, Austrocknung der Schleimhaut (Klimaanlage/Heizung), allergische Rhinitis
    • Medikamente (z.B. topische Nasensteroide, NSAR, Fluvoxamin, Chemotherapie)
  • seltenere Ursachen
    • Fremdkörper: Verdacht bei einseitigem, übelriechendem Ausfluss (CAVE: Knopfbatterien müssen dringend entfernt werden)
    • Nasenpolypen
    • Blutungsneigungen (z.B. von-Willebrand-Syndrom, ITP, hämatologische Malignome)
    • Gefäßfehlbildungen (z.B. hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie)
    • Tumoren des Nasen-Rachen-Raums (z.B. juveniles Angiofibrom bei Jungen)

Anamnese

  • wiederkehrende, häufige Episoden
  • leichte Blutergüsse, Zahnfleischbluten, anhaltende Blutungen nach kleinen Schnittwunden
  • Blutungsstörungen in der Familienanamnese
  • Vorgeschichte von Blutungen nach chirurgischen Eingriffen (z.B. Zahnentfernungen, Mandelentfernung, Beschneidung)
  • Medikamentenanamnese

Red Flags

  • Alter < 2 Jahre (enger Zusammenhang mit Traumata, Kindesmisshandlung oder Grunderkrankungen)
  • Blutung > 30 min trotz ausreichender Kompression
  • bds. Blutungen (Hinweis auf systemische Ursache oder schweres Trauma)
  • Vorgeschichte von Synkopen, Hämatemese, Melaena oder hämodynamischer Instabilität

Untersuchung

  • Atemwege/Atmung auf Beeinträchtigungen prüfen (Gesichtstrauma)
  • Kreislauf (CAVE: Schock ist selten, aber möglich)
  • Blutungsstelle lokalisieren (z.B. mit Stirnlampe oder Otoskop nach aktiven Blutungen, Blutgerinnseln oder hervortretenden Gefäßen suchen)
  • Blutentnahme bei schweren oder wiederkehrenden Blutungen, einer Anamnese, die auf eine Blutungsstörung hindeutet, oder Anzeichen einer hämodynamischen Beeinträchtigung (großes Blutbild, Gerinnungsscreening, Blutgruppenbestimmung & Kreuzprobe)

Therapie

bei Schockzeichen

  • Flüssigkeitstherapie i.v.
  • Gabe von Tranexamsäure
  • ggf. Einleitung des Massivtransfusionsprotokolls in Betracht ziehen
  • Maßnahmen zur Blutstillung
    • Kind in bequeme, aufrechte Position bringen (z.B. auf dem Schoß der Eltern)
    • Kopf nach vorne neigen, um zu verhindern, dass Blut verschluckt wird
    • mit Daumen und Zeigefinger festen Druck auf vorderen Teil (Knorpel) der Nase in Richtung Nasenscheidewand ausüben
    • Druck 10 Minuten lang aufrechtzuerhalten –> bei sistierender Blutung trotzdemweitere 10 Minuten lang Druck ausüben
    • kühles Handtuch oder einen abgedeckten Eisbeutel in den Nacken legen
    • Kind anweisen, durch den Mund zu atmen und Blut in eine Nierenschale auszuspucken
  • bei anhaltender Blutung
    • oft aufgrund unzureichender Druck
    • ggf. ist Kauterisation oder Tamponade erforderlich
    • Anwendung eines topischen Vasokonstriktors erwägen (z.B. 1 – 2 Sprühstöße Oxymetazolin 0,05 %)

Überweisungsindikationen an HNO

  • starke oder anhaltende Blutungen
  • beidseitige vordere oder hintere Tamponade erforderlich
  • Alter < 2 Jahre oder Unverträglichkeit ggü. Tamponade
Published inLeitlinien kompakt

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