veröffentlichende Fachgesellschaft: New Zealand’s National Children’s Hospital (Starship)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 10.04.2026
Ablaufdatum: 10.04.2028
Quelle/Quelllink: https://www.starship.org.nz/guidelines/tetralogy-of-fallot/
Grundsätzliches
- hyperzyanotische Anfall (auch bekannt als „hypoxischer Anfall“, „zyanotischer Anfall“ oder „Tet-Anfall“) tritt am häufigsten bei Säuglingen mit nicht korrigierter Fallot-Tetralogie auf
- Anfall auch bei anderen angeborenen Herzfehlern mgl., die mit pulmonaler und subpulmonaler Stenose sowie VSD einhergehen
- am häufigsten im Alter von 2 – 6 Monaten
- hyperzyanotische Episoden sind die Folge eines akuten Ungleichgewichts zw. pulmonalem und systemischem Gefäßwiderstand –> verminderter Lungenblutfluss und verstärkter Rechts-Links-Shunt
- aktuelle Annahme, dass Hypoxämie, metabolische Azidose, Hyperpnoe, erhöhter systemischer venöser Rückfluss, Katecholamine und pulmonale Vasokonstriktion in Wechselwirkung stehen, die zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf führt (Infundibulumspasmus nicht erforderlich)
- hyperzyanotischer Anfall kann durch eine Vielzahl von Reizen ausgelöst werden (u.a. Weinen/Stress, Stuhlgang oder Pressen, Füttern, Aufwachen aus dem Schlaf, Fieber, Dehydrierung, Tachypnoe/Tachykardie jeglicher Ursache sowie bestimmte Medikamente wie z.B. ACE-Hemmer)
- treten tendenziell bei Patient*innen mit leichter bis mittelschwerer Zyanose in Ruhe auf
- bei Kindern mit Eisenmangel häufiger zu beobachten
Symptomatik
- Phasen unkontrollierbaren Weinens oder Panik
- schnelle und tiefe Atmung (Hyperpnoe)
- verstärkte Zyanose (Haut kann blass, grau oder blau erscheinen) und feuchte Haut.
- periphere Sauerstoffsättigung liegt deutlich unter üblichen Werten
- verminderte Intensität oder Fehlen eines Herzgeräuschs (Hinweis auf erhebliche Verringerung des Blutflusses durch rechtsventrikulären Ausflusstrakt)
- Schlaffheit, Bewusstlosigkeit, Krämpfe und in seltenen Fällen der Tod
- ältere Kinder in der Hocke sitzend
Therapie
- hyperzyanotische Anfälle müssen schnell erkannt und wirksam behandelt werden (CAVE: Gefahr schwerwiegender Komplikationen infolge einer anhaltenden Hypoxie)
- vorrangige Ziel der akuten Behandlung ist die Verringerung des Rechts-Links-Shunts (Senkung des Lungengefäßwiderstand –> Erhöhung des Lungenblutfluss & gleichzeitig Erhöhung des systemischen Gefäßwiderstands sowie Verringerung des systemischen Blutflusses)

medikamentöse Therapie
- 0,05 mg/kg Morphin i.v. + i.m. (1 mL der 10-mg-Ampulle Morphin + 9 mL NaCl 0,9 %
- 250 μg/kg Esmolol über 1 min als Bolus (bei Bedarf Wdh.) ODER 25 – 300 μg/kg/min Esmolol i.v. als Infusion (Dosis in Schritten von 25 – 50 μg/kg titrieren)
- CAVE: Extravasation von Esmolol kann zu schwerer Gewebenekrose führen
- 5 μg/kg Metaraminol als Bolus i.v. (10 mg Metaraminol in 100 mL G5-Infusion ODER 5 mg Metaraminol in 50 mL Spritze mit 5%iger Glukoselösung –> 1 mL = 100 μg) ODER 0,05 μg/kg/min Metaraminol als Infusion i.v. (0,15 mg/kg Metaraminol in 50-mL-Infusion bzw. 50-mL-Spritze mit 5%iger Glukose –> 1 ml/h = 0,05 μg/kg/min)
- Propranolol
- bei einzelnem schweren Anfall oder bei häufigen leichten Anfällen mit oraler Gabe von Propranolol in Dosis von 0,5 mg/kg dreimal tgl. beginnen
- Propranolol-Gabe nur im Klinik-Setting (CAVE: Gefahr von Hypotonie, Bradykardie und Hypoglykämie)
- während Titration auf therapeutische Dosis Serumglukosespiegel 3 h nach Gabe und vor der Nahrungsaufnahme überprüfen
- Dosierung
- Neugeborene: 0,25 – 1 mg/kg oral zweimal bis dreimal tgl.; Dosis schrittweise erhöhen; max. 2 mg/kg dreimal tgl.)
- Kind (>1 Monat): 0,25 – 1 mg/kg dreimal bis viermal tgl.; max. 5 mg/kg in aufgeteilten Dosen; max. 80 mg/d)


Sei der Erste der einen Kommentar abgibt