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FOAMio Politix – Positionspapier „Im Krisenfall handlungsfähig – Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht“ der BÄK

Die Bundesärztekammer (BÄK) hat am 02.09.2026 ein Positionspapier zum Thema „Im Krisenfall handlungsfähig – Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht“ veröffentlicht. Die Kurzfassung des Positionspapiers gibt es hier nachfolgend.

Zusammenwirken von Akteuren und Ebenen zur Verbesserung der Abläufe

Ausgangslage und Herausforderungen

  • unterschiedliche Krisenpläne der Länder
  • uneinheitliche Information der Bevölkerung
  • unzureichende Digitalisierung der Kommunikationswege
  • fehlende gemeinsame Lagebilder
  • unzureichende Abstimmung zwischen Einrichtungen
  • zu wenige Übungen für Krisenlagen

Lösungsansätze

  • einheitliche und regelmäßig aktualisierte Krisen- und Einsatzpläne
  • bessere Koordination des Informationsflusses in Richtung der Bevölkerung
  • Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD)
  • Ausbau interoperabler digitaler Kommunikationssysteme
  • Einrichtung eines bundesweiten „Lagezentrum Gesundheit“
  • regelmäßige gemeinsame Krisenübungen (inkl. Bundeswehr)
  • Überarbeitung des Nationalen Pandemieplans

Versorgung/Ausstattung/Bevorratung

Ausgangslage und Herausforderungen

  • begrenzte Reservekapazitäten
  • Gefahr von Strom-, Wasser- oder IT-Ausfällen
  • umfassende Sicherung von kritischer Infrastruktur
  • Stärkung der technischen Souveränität
  • Abhängigkeit von internationalen Lieferketten & Arzneimittelengpässe
  • Vulnerabilität der Blutversorgung
  • Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit

Lösungsansätze

  • Resilienz als Ziel aller Gesundheitsreformen
  • Schutz von Gesundheitseinrichtungen als Kritische Infrastruktur (KRITIS), u.a. priorisierte Versorgung von Kliniken mit Strom, Wasser und Wärme
  • Stärkung der digitalen Souveränität Europas
  • Aufbau größerer strategischer Reserven von Arzneimitteln und Medizinprodukten, u.a. durch mehr europäische Produktionskapazitäten
  • krisensichere Versorgung für Hämotherapie
  • Ausbau von Klimaschutz und Klimaanpassung, v.a. Hitzeschutz

medizinisches Personal

Ausgangslage und Herausforderungen

  • Fachkräftemangel
  • fehlende Übersicht über tatsächlich verfügbares Personal, u.a. durch Mehrfachregistrierungen bei Hilfsorganisationen/Bundeswehr
  • unzureichende Vorbereitung auf Kriegsverletzungen und Krisenszenarien
  • fehlende Berücksichtigung der Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen, u.a. hohe Belastungen und Bürokratie
  • Gefahr der Verwässerung der ärztlichen Entscheidungskompetenz

Lösungsansätze

  • Erfassung von Personalressourcen und Mehrfachassignierungen
  • Anpassung der Heilberufe- und Kammergesetze
  • Aufbau einer freiwilligen Personalreserve, u.a. auch durch stärkere Einbindung von Ruheständler*innen und fortgeschrittenen Medizinstudierenden
  • Entlastung der Ärzt*innen, u.a. durch Bürokratieabbau im Krisenfall
  • Ausbau von Fort- und Weiterbildungen in:
    • Katastrophenmedizin
    • Krisenmanagement
    • zivil-militärischer Zusammenarbeit
    • psychosozialer Notfallversorgung
    • Versorgung von Kriegsverletzten

Aufgaben für die ärztliche Selbstverwaltung

  • Mitwirkung bei der Errichtung eines Lagezentrum Gesundheit auf Bundesebene
  • aktive Beteiligung der Ärztekammern an Übungen
  • Mitwirkung beim Aufbau einer freiwilligen Personalreserve aus Ärzt*innen sowie MFA für den Einsatz in der Patient*innenversorgung in Krisenlagen
  • Prüfung und Anpassung bestehender Fort- und Weiterbildungsangebote mit Blick auf die Themen Resilienz und veränderte medizinische Anforderungen in bestimmten Krisenlagen
  • Unterstützung bei allen Bemühungen, bei der Bevölkerung für Blutspenden zu werben
  • regelmäßiger Erfahrungsaustausch unter den Kammern, u.a. zum Aufzeigen von Best-Practice-Modellen

Krisenszenarien im All-Gefahren-Ansatz

Unfall

  • größere Lagen mit Massenanfall von Verletzten (MANV), der für das Gesundheitswesen eine Großalarmierung von Rettungskräften zur Folge hat
  • enge Koordinierung von Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und Krankenhäuser zwecks Versorgung, Verteilung und Transport der Patient*innen im Sinne der Rettungskette

Anschlag

  • unklare Lage mit Gefahrenpotenzial, v.a. wenn Einrichtung des Gesundheitswesens selbst zum Tatort geworden ist, oder weitere Anschläge möglich sind
  • reibungslose Zusammenarbeit zwischen Polizei, Rettungsdiensten, Krankenhäusern und Behörden ist essenziell

Naturkatastrophe

  • MANV geht zumeist mit zerstörter Infrastruktur einher, sodass Patient*innen verlegt oder improvisierte Behandlungsplätze eingerichtet werden müssen
  • externe Hilfe und überregionale Unterstützung sowie Koordination zw. Rettungsdiensten, Katastrophenschutz, Bundeswehr und medizinischen Einrichtungen ggf. erforderlich

Umweltkatastrophe

  • Unfälle mit Auswirkungen auf die Umwelt und potenzieller CBRN-Gefahr (chemisch, biologisch, radiologisch, nuklear)
  • Rettungsdienste und Krankenhäuser müssen zusätzlich zur Versorgung von Verletzten Schutzmaßnahmen gegen Kontamination treffen (Heranziehen von Feuerwehr und Spezialkräfte für Gefahrgut für Dekontamination und Sicherung der Umgebung

Pandemie

  • Gesundheitssystem wird durch hohen und langfristigen Bedarf, z.B. an Intensivbetten, Beatmungsgeräten und Personal an die Kapazitätsgrenzen geführt
  • Schutz von medizinischem Personal und Patient*innen vor Ansteckung erfordert strenge Hygiene maßnahmen und persönliche Schutzausrüstung (PSA)
  • Abstimmung zw. Gesundheitsämtern, Kliniken, Laboren, Arztpraxen, MVZ und politischen Entscheidungsträgern ist essenziell

Bündnis- und/oder Verteidigungsfall

  • Deutschland Drehscheibe für Aufmarsch und Versorgung verbündeter und eigener Streitkräfte aufgrund der strategischen Lage im Zentrum des europäischen NATO-Gebiets
  • neben Vorbereitungen auf Truppenverlegungen ist für das Gesundheitssystem entscheidend, dass durch den Rücktransport von Verletzten mit zusätzlicher Belastung von 1000 Verletzten/d zu rechnen ist
  • zeitgleich Störung der Infrastruktur und/oder Unterbrechung der Versorgung, z.B. mit Medikamenten
Published inFOAMio Politix

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