veröffentlichende Fachgesellschaft: Royal Children’s Hospital Melbourne (RCH)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.05.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://www.rch.org.au/clinicalguide/
Grundsätzliches
- Meningokokken-Erkrankung ist eine akute Infektion, die durch Neisseria meningitidis (auch als Meningokokken bezeichnet) verursacht wird
- großer Teil der Bevölkerung sind gesunde, symptomfreie Träger von Meningokokken-Bakterien im Nasen-Rachen-Raum und im Mund-Rachen-Raum
- invasive Meningokokken-Erkrankung ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung, die sich wie folgt äußert:
- schwere Sepsis (komplizierte Sepsis durch DIC mit schnell fortschreitendem, nicht verblassendem petechialem/purpurischem Hautausschlag)
- Meningitis mit oder ohne Hautausschlag
- seltener septische Arthritis, Pneumonie, Pharyngitis, Konjunktivitis, okkulte Bakteriämie
- trotz sofortiger Behandlung liegt die Sterblichkeitsrate bei bis zu 10 % und bei 10 – 20 % der Betroffenen treten langfristige Folgeschäden auf (z.B. Taubheit, neurologische Ausfälle sowie Teil- oder Vollamputationen)
Anamnese
- spezifische Symptome
- schnell einsetzende (< 12 h) Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Halsschmerzen und Schnupfen
- Fieber
- Beinschmerzen oder Myalgie
- bei Säuglingen ggf. unspezifische Symptome wie schlechte Nahrungsaufnahme, Reizbarkeit, Lethargie, marmorierte Hautverfärbungen und/oder ein schrilles, stöhnendes Schreien
- Risikofaktoren
- Immundefekte wie Asplenie, Immunglobulinmangel, Komplementmangel, Sichelzellenanämie, hämatopoetische Stammzelltransplantation, HIV
- Exposition ggü. Zigarettenrauch
- beengte Wohnverhältnisse oder Leben auf „engstem Raum“ (z. B. in Studierendenwohnheim)
- längerer Kontakt mit Person, die Meningokokken-Bakterien in sich trägt
- Impfstatus, inkl. MenB
Untersuchung
- ungewöhnliche Hautfarbe (Blässe oder fleckige Verfärbung) und/oder kalte Extremitäten
- veränderter Bewusstseinszustand
- Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, vorgewölbte Fontanelle
- nicht verblassender Hautausschlag (Petechien/Purpura)

- Blutentnahme für Blutkultur und PCR
- Lumbalpunktion, sobald Zustand stabilisiert ist und keine Kontraindikation vorliegt
Therapie
Antibiotika
- CAVE: Empfehlungen zur Antibiotikatherapie können je nach den örtlichen Antibiotika-Empfindlichkeitsmustern variieren
- empirische Erstbehandlung bei V.a. Meningokokken-Erkrankung erfolgt mit Cephalosporin der 3. Generation
- 100 mg/kg Ceftriaxon (max. 4 g) i.v. tgl.
ODER - 50 mg/kg Cefotaxim (max. 2 g) i.v. (1. Lebenswoche: alle 12 h; 2. – 4. Lebenswoche: alle 6 – 8 h; > 4. Lebenswoche: alle 6 h)
- 100 mg/kg Ceftriaxon (max. 4 g) i.v. tgl.
- falls kein i.v.- oder i.o.-Zugang vorhanden/mgl., i.m.-Gabe (CAVE: aufgrund des Volumens bzw. der Muskelgröße sind ggf. zwei Injektionen erforderlich und die Dosis ist zu wiederholen, sobald ein i.v.-Zugang etabliert ist)
- falls Ceftriaxon/Cefotaxim nicht verfügbar ist, Gabe von 60 mg/kg Benzylpenicillin (max. 2,4 g) i.v. (1. Lebenswoche: alle 12 h; 2. – 4. Lebenswoche: alle 6 h; > 4. Lebenswoche: alle 4 h)
- CAVE: Kinder, die mit Benzylpenicillin behandelt werden, benötigen begleitende Therapie mit Antibiotika im Rahmen einer Kontaktprophylaxe
- engmaschige Überwachung und wiederholte Beurteilungen (CAVE: Gefahr einer raschen Verschlechterung des Zustands)
- Flüssigkeitszufuhr nach Bedarf unter frühzeitiger Erwägung des Einsatzes von Inotropika
- meldepflichtige Krankheit –> unverzügliche Meldung an zuständige Landesbehörde)


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