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Leitlinie „Sédation procédurale en structure de Médecine d’Urgence (prozedurale Sedierung in der Notfallmedizin)“ der SFMU

veröffentlichende Fachgesellschaft: French Society of Emergency Medicine (SFMU)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 26.06.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://www.sfmu.org/fr/vie-professionnelle/outils-professionnels/consensus//sedation-procedurale-en-structure-de-medecine-d-urgence-recommandations-formalisees-d-experts-sfmu-sfar-/con_id/585

Grundsätzliches

  • Definition „prozedurale Sedierung“: Gabe eines oder mehrerer pharmakologischer Wirkstoffe zur Erleichterung eines diagnostischen oder therapeutischen Eingriffs, wobei ein Zustand angestrebt wird, in dem die Durchgängigkeit der Atemwege, die Spontanatmung, die Schutzreflexe und die hämodynamische Stabilität erhalten bleiben, während gleichzeitig Angst und Schmerzen gelindert werden
  • Unterscheidung zur Vollnarkose: Bewusstseinsverlust & i.d.R. Atemwegssicherung, als auch Analgesie, die ausschließlich auf die Schmerzlinderung abzielt, ohne die Vigilanz zu beeinträchtigen
  • prozedurale Sedierung zielt darauf ab, einen Zustand der Entspannung, Ruhe oder teilweisen Amnesie herbeizuführen, der es den Patient*innen ermöglicht, potenziell schmerzhafte oder belastende Eingriffe zu ertragen
  • drei Hauptbereiche, in denen eine prozedurale Sedierung in der Notfallmedizin eingesetzt werden kann: Traumatologie, Durchführung schmerzhafter Eingriffe und Kardioversion

Sicherheitsbriefings für Team und Patient*in vor Eingriff

  • Aufteilung der Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Organisation der Versorgung (vorgesehene Dosierung und Dauer der Sedierung, Kriterien für den Beginn des Eingriffs)
  • Überprüfung der Identität und der zu behandelnden Seite des Patient*innen (falls zutreffend)
  • Überprüfung der Ausrüstung (z.B. funktionierende Absaugung)
  • Standort der Notfallgeräte und -medikamente
  • vorausschauende Planung im Hinblick auf Komplikationen

Indikation zur Sedierung bei Eingriffen in Notfallsituationen

  • Durchführung einer Lokalanästhesie oder lokoregionalen Anästhesie durch geschultes Personal als wirksame und sichere Alternative zur prozeduralen Sedierung bei Patient*innen, die periphere traumatologische Maßnahmen (Reposition einer Luxation oder Fraktur) benötigen
  • keine Alternativen zur prozeduralen Sedierung vorhanden bei Patient*innen, die einen Notfall-Eingriff zur Durchführung schmerzhafter Maßnahmen benötigen (mit Ausnahme peripherer traumatologischer Eingriffe)

Risikopatient*innen und Anwendungsbedingungen

  • Anwendung der ASA-Skala vor Sedierung, um Patient*innen mit einem Risiko für Komplikationen zu identifizieren
  • Patient*innen mit Adipositas (BMI ≥ 40 kg/m²) als Patient*innen mit hohem Risiko für Atemwegskomplikationen einstufen und die Indikation für die Sedierung von Fall zu Fall zu erörtern, wobei sicherzustellen ist, dass die verfügbaren Ressourcen die Wirksamkeit und Sicherheit gewährleisten
  • in Fällen, in denen Sedierung während des Eingriffs bei Patient*innen mit Adipositas (BMI > 40 kg/m²) nicht aufgeschoben werden kann, wird folgendes Vorgehen empfohlen:
    • Titration der verschiedenen Wirkstoffe bevorzugen
    • Dosierung der Wirkstoffe bei hochlipophilen Substanzen anhand des
      theoretischen Idealgewichts berechnen
    • Atemparameter während und nach der prozeduralen Sedierung engmaschig
      überwachen, um eine ausreichende Wirksamkeit und Sicherheit zu gewährleisten
  • bei Patient*innen mit bekanntem oder vermutetem obstruktivem Schlafapnoe-/Hypopnoe-Syndrom das erhöhte Risiko für respiratorische Komplikationen berücksichtigen, um diese Sedierung sicher durchzuführen
  • bei älteren Patient*innen, die Sedativa so titrieren, dass die verabreichte Gesamtdosis so reduziert wird, das die Wirksamkeit und Sicherheit trotzdem gewährleistet bleiben
  • bei älteren Patient*innen vorzugsweise Propofol allein oder in Kombination mit Ketamin verwenden, um Wirksamkeit und Sicherheit zu gewährleisten
  • bei nicht nüchternen Patient*innen die Sedierung nicht aufschieben, um die Nüchternzeit einzuhalten
  • Daten lassen keine Empfehlung hinsichtlich der Durchführung einer notfallmäßigen prozeduralen Sedierung bei Patient*innen mit Bewusstseinsstörungen im Rahmen einer akuten Alkoholvergiftung zu
  • verlängerte Überwachung der Vitalparameter bei Patient*innen, die mehr als 0,15 mg/kg Morphinäquivalent i.v. erhalten haben und eine notfallmäßige prozedurale Sedierung für einen Eingriff benötigen, und/oder bei Patient*innen, die weniger als 15 Minuten vor der Durchführung einer Sedierung für einen Eingriff ein Opioid erhalten haben
  • keine Gabe von Opioiden i.v. oder transmukosal, wenn innerhalb von 30 min eine Sedierung für einen Eingriff geplant ist, sofern eine Analgesiemethode mit gleicher Wirksamkeit zur Verfügung steht, um die Sicherheit während der Durchführung der Sedierung für den Eingriff zu gewährleisten

Red Flag-Patient*innen
– Patient*innen mit Adipositas (BMI > 40 kg/m²)
– Patient*innen mit Schlafapnoe-Syndrom
– durch ASA-Score identifizierte Frailty
– Patient*innen, die vor der Sedierung für den Eingriff hohe Morphin-Dosen erhalten haben

Sicherheitsbedingungen

  • Monitoring mit kontinuierlicher Kapnographie, um das Auftreten von Hypoxämien zu verringern und Apnoen früher zu erkennen
  • vor und während des Eingriffs hochkonzentrierte Sauerstoffgabe, um das Auftreten von Hypoxämie-Episoden zu reduzieren
  • sorgfältige klinische Überwachung der Atmung in Verbindung mit Kapnographie, da die Sauerstoffgabe die Erkennung einer Hypoventilation oder Apnoe verzögern kann
  • folgende Komplikationen als Kriterien betrachten, die das Hinzuziehen von Anästhesist*innen und Intensivmediziner*innen erfordern:
    • Atemdepression mit Sauerstoffdesaturation, die trotz Repositionierung und Freimachen der oberen Atemwege durch Esmarch-Handgriff die Verwendung eine Beutel-Masken-Beatmung erforderlich macht
    • arterielle Hypotonie mit RRsys < 90 mmHg trotz Gabe von 500 mL Kristalloiden
    • Auftreten einer kreislaufrelevanten Herzrhythmusstörung
    • Erbrechen mit Verdacht auf Aspiration
    • Scheitern des Eingriffs (z.B. Frakturreposition oder Luxationskorrektur) trotz prozeduraler Sedierung gemäß dem in der Klinik geltenden Sedierungsprotokoll
    • Notwendigkeit einer endotrachealen Intubation
    • Herz-Kreislauf-Stillstand

Durchführungsmodalitäten

  • wiederholte Beurteilung der Sedierungstiefe, v.a. bei Verwendung eines nicht-dissoziativen Sedativums, und zwar während der gesamten Phase der Gabe des Sedativums bis zur Wiederherstellung des normalen Bewusstseins durch tritrierte Gabe
  • detaillierte Sedierungsskala festlegen und deren Anwendung in einem Protokoll für die prozedurale Sedierung in der Notfallmedizin fördern, um die Sicherheit des Eingriffs zu gewährleisten
  • keine Empfehlung bzgl. einer der drei wichtigsten Sedierungsskalen
    • Ramsay-Score
    • Observer’s Assessment of Alertness/Sedation (OAA/S)
    • ASA-Definitionen bzgl. der Sedierungstiefe (leichte, mäßige oder tiefe Sedierung)
  • kontinuierliche Überwachung mittels Monitor (EKG, nicht-invasive RR-Messung und SpO2), um unerwünschte Ereignisse wirksam zu erkennen, v.a. während der ersten 30 min nach Beendigung des Eingriffs
  • Einsatz der Kapnographie als Ergänzung zur Pulsoximetrie zur Früherkennung von Hypoventilation und Apnoe bei der Überwachung nach dem Eingriff
  • Durchführung von qualitätssichernden Maßnahmen anhand eines Dienstprotokolls oder einer Checkliste

medikamentöse Therapie

  • Midazolam und Opioiden nicht kombinieren
  • Kombination aus Ketamin und Propofol anstelle von Ketamin allein oder Propofol allein
  • für die Kombination aus Ketamin und Propofol: Anfangsdosis von 0,5 mg/kg Ketamin und 0,5 mg/kg Propofol (bei Bedarf in Schritten von 0,25 mg/kg titrieren, wobei Vorsicht geboten ist, wenn die verabreichte Gesamtdosis 1 mg/kg überschreitet)
  • Gabe der Wirkstoffe als langsame intravenöse Injektion (z.B. über 30 sec bis 1 min)
  • bei Kombination verschiedener Wirkstoffe für die Sedierung Verwendung einer Spritze pro Wirkstoff
  • keine Empfehlung zur Verwendung von Remimazolam zur Verbesserung der Wirksamkeit und Sicherheit einer Sedierung während eines Eingriffs möglich angesichts der Datenlage

Notfall-Elektrokardioversion

  • kurze und titrierte Sedierung während des Eingriffs, um die Kardioversion zu ermöglichen und gleichzeitig das Risiko einer hämodynamischen Verschlechterung zu begrenzen
  • keine Verwendung von Midazolam oder Opioiden
  • Monotherapie mit Propofol vorziehen
  • Propofol titriert in 20-mg-Schritten, wobei besondere Vorsicht geboten ist, wenn die Dosis 0,5 mg/kg überschreitet

Scores zur Beendigung der Überwachung

  • Verwendung des Modified Aldrete Score System (MASS) mit einem Schwellenwert von ≥ 9/10 als Entscheidungshilfe für die Beendigung der Überwachung
  • Verwendung des modifizierten Post Anaesthetic Discharge Scoring System (mPADSS) mit einem Schwellenwert von ≥ 9/10 als Entscheidungshilfe für die Entlassung aus dem Krankenhaus nach einer prozeduralen Sedierung
Published inLeitlinien kompakt

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