veröffentlichende Fachgesellschaft: French Society of Emergency Medicine (SFMU)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.07.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://www.sfmu.org/fr/vie-professionnelle/outils-professionnels/consensus//recommandations-sur-la-place-de-la-biologie-delocalisee-en-structure-de-medecine-d-urgence-sfmu-sfbc-sfm-sfth/con_id/587
Laktatmessung
- Laktatwert zur Beurteilung des Risikos einer frühen Mortalität bei Patient*innen in der Präklinik heranziehen
- Laktatwert zur Beurteilung der Notwendigkeit von Notfallmaßnahmen bei Patient*innen heranziehen, die aufgrund eines schweren Traumas präklinisch versorgt werden
- initialen Laktatwert als prädiktiven Faktor für einen ROSC bei Patient*innen mit OHCA heranziehen
- Einsatz kombinierter Systeme zur Blutgasanalyse (venös), um Verzerrungen durch falsch niedrige Werte zu verringern
präklinische Troponin-a-Messung
- Durchführung einer präklinischen Troponin-a-Messung, um das Risiko einer akuten Myokardischämie zu stratifizieren
präklinische Blutgasanalyse (BGA)
- keine routinemäßige Messung der venösen oder arteriellen Blutgase in der Präklinik, um die Dauer der präklinischen Versorgung nicht zu verlängern
- venöse oder arterielle BGA kann in der Präklinik in bestimmten Situationen die klinische Entscheidungsfindung (Therapie, Transport/Verlegung) verbessern kann
- Durchführung einer venösen BGA bei Patient*innen mit akuter Atemnot in der Präklinik, um eine arterielle Hyperkapnie auszuschließen und die Indikation für eine invasive oder nicht-invasive mechanische Beatmung zu bestimmen
- Durchführung einer arteriellen BGA bei Patient*innen mit Atemnot in der Präklinik erwägen, wenn die Pulsoximetrie (bei Hypoxämie) oder eine venöse Hyperkapnie nicht zuverlässig messbar ist, um eine arterielle Hyperkapnie zu bestätigen
- Durchführung einer regelmäßigen arteriellen BGA während der präklinischen, mechanischen Beatmung, um das Kapnie-Monitorierung im Vergleich zur alleinigen etCO2-Messung zu verbessern
- in allen Situationen der präklinischen Versorgung die Indikation für eine präklinische BGA die geografische Nähe zum nächsten KH berücksichtigen
präklinische Kaliumbestimmung
- keine präklinische Kaliumspiegelbestimmung, da die Ergebnisse nicht zuverlässig sind
- nur bei Patient*innen einen V.a. eine Hyperkaliämie berücksichtigen, die im ein Risikoprofil für Hyperkaliämie aufweisen und entsprechende EKG-Auffälligkeiten zeigen
Hämoglobin-Messung bei hämorrhagischen Schock
- präklinischer Einsatz mobiler Laborgeräte für die wiederholte Hämoglobin-/Hämatokrit-Messung, um die Versorgung von Patient*innen mit V.a. einen hämorrhagischen Schock zu optimieren
- keine Empfehlung für ein spezifisches Gerät (CAVE: Risiko einer einer Unter- oder Überschätzung der Messwerte je nach verwendetem Gerät sowie Grenzen der Messbereiche der Geräte berücksichtigen)
Rolle der Point of Care-Laboruntersuchungen im Krankenhaus
- Arbeitsablauf für die Bearbeitung von Laborproben erstellen, um die Wartezeit bis zum Vorliegen der Laborergebnisse und damit die Verweildauer der in die Notaufnahme aufgenommenen Patient*innen zu verkürzen
- Patient*innen, die von einem solchen verkürzten Ablauf profitieren können, in Absprache zwischen dem ärztlichen und dem labortechnischen Personal ermitteln
- Abstimmung zwischen ärztlichem und dem labortechnischem Personal, um festzulegen, welche Parameter im Zentrallabor, als Point of Care-Diagnostik oder anderweitigt bearbeitet werden sollen
Nutzen dezentraler Laboruntersuchung innerhalb des KH für das Patient*innenflussmanagement
- dezentrale Laboruntersuchungen in den Notaufnahmen in KHs mit einem rund um die Uhr arbeitenden Labor einzuführen, um die Gesamtverweildauer der Patient*innen zu verkürzen und das Patient*innenflussmanagement zu verbessern
- Testpanels in Abstimmung zwischen ärztlichem und dem labortechnischem Personal festlegen
- Abstimmung zwischen ärztlichem und dem labortechnischem Personal, um festzulegen, welche Parameter im Zentrallabor, als Point of Care-Diagnostik oder anderweitigt bearbeitet werden sollen
PoC-Labordiagnostik in KHs ohne 24/7-Labor
- folgende Parameter sollten im Rahmen der dezentralen Laboruntersuchungen verfügbar sein, um den Betrieb einer Notfallaufnahme sicherzustellen:
- BGA mit erweiterten Parametern
- Blutzucker
- Hämoglobin
- Kreatinin
- Blutelektrolyte (Na, K, Cl)
- Laktat
- hochsensitives Troponin
- ionisiertes Kalzium
- Carboxyhämoglobin
- D-Dimere
PoC-Labordiagnostik in der Notaufnahme in KHs mit 24/7-Labor
- Durchführung der PoC-Blutgasanalyse in der Notaufnahme in Kliniken mit 24/7-Labor, um die Zeit bis zur Ergebnisübermittlung zu verkürzen
- nach Möglichkeit die Blutgasanalyse in Verbindung mit der Bestimmung der Blutelektrolyte (Na, K, Cl) und dem ionisierten Kalzium durchführen, um die Zeit bis zur Ergebnisübermittlung zu verkürzen
- keine PoC-Kreatininbestimmung in KHs mit 24/7-Labor im Zusammenhang mit bildgebender Diagnostik, da es im Notfall nur selten Indikationen für die Bestimmung gibt, um die Verweildauer der Patient*innen zu verkürzen
- raschen Arbeitsablauf für die Kreatininbestimmung bei seltenen Indikationen (außer lebensbedrohliche Notfälle, chronische Niereninsuffizienz, Bluthochdruck, Dehydrierung, Risiko einer Niereninsuffizienz vor Bildgebung) in KHs mit 24/7-Labor etablieren, um die Verweildauer der Patienten zu verkürzen
- denzentrale Hämoglobinbestimmung in KHs mit 24/7-Labor, um die Zeit bis zur Ergebnisübermittlung bei V.a. Anämie bereits bei Aufnahme in der Notaufnahme zu verkürzen (Hämoglobinmessung nach Möglichkeit mit Blutgasanalysegerät durchführen)
- keine dezentrale Bestimmung der natriuretischen Peptide (BNP oder NTproBNP), um die Versorgung bei V.a. Herzinsuffizienz bei prä-/innerklinischen Patient*innen zu verbessern
- dezentrale hCG-Bestimmung (humanes Choriongonadotropin) in KHs mit 24/7-Labor im Zusammenhang mit bildgebender Diagnostik, um die Zeit bis zur Ergebnisübermittlung zu verkürzen
dezentrale Troponin-Bestimmung in KHs mit 24/7-Labor
- Nutzung von PoC-Laborgerät zur Troponin-Bestimmung in KHs mit 24/7-Labor, um die Verweildauer in der Notaufnahme zu verkürzen
dezentrale D-Dimer-Bestimmung in KHs mit 24/7-Labor
- Nutzung von PoC-Laborgerät zur D-Dimer-Bestimmung in KHs mit 24/7-Labor, um die Patient*innenversorgung (in Bezug auf Zeit, Therapie oder Prognose) zu verbessern
Auslagerung des Screenings auf Atemwegsviren in KHs mit 24/7-Labor
- Nutzung von PoC-Geräten bei stationären Patient*innen, die mittels RT-PCR-Screening Atemwegsviren anhand von Abstrichen aus den oberen Atemwegen in der Notaufnahme detektieren können, um die Dauer der Patient*innenversorgung zu verkürzen
- Quadriplex-RT-PCR als Erstmaßnahme (Influenza-A-/B-Viren, RSV, SARS-CoV-2)
- falls der erste Quadriplex-Test negativ ausfällt, Durchführung eines erweiterten Testpanels, wenn das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs oder eines nosokomialen Clusters besteht, v.a. bei Immunsuppression, bei V.a. atypische Bakterienbesiedelung oder wenn die Identifizierung des Virus Auswirkungen auf die Versorgung haben könnte, um die Dauer der Versorgung und die Entscheidungen über die Aufrechterhaltung der Isolation bei stationären Patient*innen zu verbessern
Elastometrie zur Verbesserung der Versorgung
- Einsatz dezentraler viskoelastischer Tests in KHs mit 24/7-Labor bei der Behandlung von hämorrhagischen Schocks, v.a. um den Einsatz von Blutprodukten zu optimieren und kritische Entscheidungen zu beschleunigen, vorausgesetzt, diese werden in geeignete und validierte Entscheidungsalgorithmen integriert


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