Zum Inhalt springen

Leitlinie „Transfer of Critically Injured Casualties“ des EXTRACCT

veröffentlichende Fachgesellschaft: Explosive Weapons Trauma Care Collective (EXTRACCT)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 09.07.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1002/wjs.70456

Gründe für Patient*innenverlegung

  • klinische Gründe: Versorgung notwendig, die in der überweisenden Klinik nicht routinemäßig verfügbar/möglich ist (z.B. fachärztliche chirurgische Versorgung, Bluttransfusionen und erweiterte Bildgebung)
    • aufgrund des Risikos versteckter innerer Verletzungen, die selbst ohne umfangreiche sichtbare äußere Traumata lebensbedrohlich sein können, benötigen die meisten Patient*innen mit Explositionsverletzungen wahrscheinlich eine bildgebende Untersuchung und/oder chirurgische Versorgung
  • Kapazitäten: überweisende Klinik ist vorübergehend nicht in der Lage, die für die Patient*innen benötigte Versorgung zu leisten (z.B. aufgrund einer übermäßigen Patient*innenzahl und Schäden an der Infrastruktur oder der Patient*innensicherheit)
  • Patient*inneninteressen: Patient*innen oder gesetzliche Entscheidungsträger*innen wünschen, dass die Behandlung in einer anderen Klinik (z.B. um näher am Wohnort/bei der Familie zu sein oder um die Kosten zu minimieren)
  • operative Gründe: militärische Einrichtungen können zivile Patient*innen entsprechend ihrer operativen Erfordernissen verlegen (d. h. um Kapazitäten für verwundete Militärangehörige freizuhalten)
  • Anspruchsberechtigung: Zivilist*innen können eine erste notfallmed./-chirurgische Versorgung erhalten, haben jedoch keinen Anspruch auf die weitere Behandlung in einer militärischen Einrichtung

Referenzstandards für die grundlegende Notfall- und Intensivversorgung

VersorgungsstufeDefinitionZiel-Einrichtung
Stufe I – Basisnotfallversorgung– grundlegende Intensivversorgung, die mit minimaler Ausrüstung und minimalem Personal gewährleistet werden kann
– sollte allen kritisch kranken Patient*innen zur Verfügung stehen
Einrichtungen der WHO-Stufe 1 (kleine Krankenhäuser bzw. Gesundheitszentren mit spärlich ausgestatteten Behandlungs- oder Operationsräumen)
Stufe II – erweiterte Notfallversorgungnächste Stufe der Intensivversorgung, die zusätzliche Ressourcen und klinisches Fachwissen erfordertEinrichtungen der WHO-Stufe 2 (Bezirks-/Provinzkrankenhäuser mit angemessen ausgestatteten großen und kleinen Operationssälen)
Stufe III – umfassende Notfallversorgungfortgeschrittene Stufe der Intensivversorgung mit Zugang zu allen Ressourcen und Personal der IntensivmedizinEinrichtungen der WHO-Stufe 3 (Maximalversorger mit angemessen ausgestatteten Operationssälen und Intensivstation)

Schema für sicheren Patient*innentransfer

  1. Triage
  2. Beurteilung und Stabilisierung
  3. Auswahl für Transport
  4. Vorbereitung auf Transport
  5. Verlegung und Versorgung während des Transports
  6. Übergabe an der aufnehmenden Einrichtung oder am Übergabepunkt von Fahrzeug zu Fahrzeug (Trage zu Trage)

Entscheidungshilfetools

strukturierte Entscheidungsfindung anhand von drei Schlüsselfragen:

  1. Schweregrad: Wie schwer ist die Verletzung?
  2. Dringlichkeit: Wie dringend notwendig ist die Behandlung?
  3. Behandelbarkeit: Welche Versorgung kann vor Ort geleistet werden?

Versorgung

Versorgung vor dem Transport

  • Probleme erörtern, die während des Transports auftreten können, sowie mögliche Maßnahmen, die notwendig sein können
  • spezifische Kriegsverletzungen wie Gliedmaßenamputationen und penetrierende Brustverletzungen berücksichtigen
  • ggf. vor und während des Transportes keine Maßnahmen mgl. –> unter diesen Umständen muss sich das Transportpersonal der eigenen Grenzen, der Notwendigkeit einer zügigen Verlegung und der Möglichkeit einer irreversiblen Verschlechterung des Zustands unterwegs bewusst sein
  • Sicherstellen, dass schutzbedürftige Kinder und Erwachsene über ausreichende Schutzmaßnahmen und Unterstützung verfügen

Versorgung während des Transportes

  • schnelle, systematische cABCDE-Beurteilung inkl. Erheben von Vitalparametern nach jeder Lageveränderung (z.B. Ein- oder Aussteigen aus einem Rettungswagen)
  • unerlässlich, den klinischen Zustand, das Wohlbefinden und die Sicherheit der Patient*innen während des Transports zu gewährleisten, wobei folgenden Punkten Vorrang eingeräumt werden muss:
    • Stillung äußerer Blutungen
    • Sicherung/Offenhalten der Atemwege, der Beatmung und der Sauerstoffversorgung
    • vorhandener i.v.-Zugang für Medikamentengabe
  • gute Analgesie ist unerlässlich und muss gewährleistet sein
  • Erhebung der Vitalparameter (RR, Puls, AF, Bewusstseinszustand regelmäßig und zeitnah dokumentieren)
  • bei Verschlechterung Kontaktaufnahme mit der entsendenden oder empfangenden Klinik, um mögliche Ratschläge für das klinische Management zu erhalten
  • Überlegungen zu Verletzungen
Published inLeitlinien kompakt

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert