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Leitlinie „Febrile seizure“ des RCH

veröffentlichende Fachgesellschaft: Royal Children’s Hospital Melbourne (RCH)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.02.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://www.rch.org.au/clinicalguide/

Grundsätzliches

  • Definition „Fieberkrampf“: Krampfanfall in Verbindung mit Fieber (mind. 38 °C) bei einem Kleinkind ohne eines der folgenden Symptome:
    • ZNS-Infektion
    • Elektrolytungleichgewicht/-störung
    • Vorgeschichte von nicht Fieber-bedingten Krampfanfällen
  • Auftreten i.d.R. zwischen 6. Lebensmonat und 6. Lebensjahr
  • jüngere Kinder haben höheres Risiko für weiteren Fieberkrampf
    • 50 %iges Wiederholungsrisiko bei 1-jährigem Kind
    • 30 %iges Wiederholungsrisiko bei 2-jährigem Kind
  • Klassifizierung von Fieberkrämpfen
einfacher Fieberkrampfkomplexer Fieberkrampf
generalisierter tonisch-klonischer Anfallfokale Symptome
Dauer < 15 minDauer > 15 min
vollständige Erholung < 1 hanhaltende Bewusstseinsstörung (> 1 h)
kein Wiederauftreten von Krämpfen innerhalb derselben EpisodeWiederauftreten von Krämpfen innerhalb derselben Episode
afebrialer Fieberkrampf
wie oben, jedoch während akuter Infektionskrankheit ohne dokumentiertes Fieber
lLängerer Fieberkrampf
wie oben, jedoch mit Dauer von >30 min; kann mit genetischen Epilepsiesyndromen in Zusammenhang stehen

Anamnese

  • Beginn des Krampfanfalls
  • Ursache des Fiebers, z. B. viral, Gastroenteritis, Harnwegsinfekt
  • Anfallsmerkmale
    • Dauer
    • generalisiert oder fokal
    • Dauer der postiktalen Phase
    • Wiedererlangen des Bewusstseins
  • Ausschluss alternativer Ursachen (z.B. Erkrankungen, die Krampfanfälle imitieren, wie Herzrhythmusstörungen oder metabolische Syndrome)
  • Vorgeschichte neurologischer Erkrankungen
  • Vorgeschichte von Entwicklungsverzögerung
  • familiäre Vorbelastung bzgl. Fieberkrämpfen, Epilepsie oder plötzlichem Herztod

Untersuchung

  • Infektionsquelle identifizieren
  • neurologische Untersuchung
    • Wiedererlangen des Bewusstseins
    • Warnzeichen, die auf ZNS-Infektion hindeuten
      • komplexer Fieberkrampf
      • Meningismus (vorgewölbte Fontanelle, Nackensteifigkeit, Lichtscheue)
      • anhaltende postiktale Bewusstseinsstörung (> 1 h)
    • neurokutane Stigmata, z.B. Feuermal im Gesicht, Angiofibrom im Gesicht, hypopigmentierte Flecken, Café-au-lait-Flecken

Therapie

  • einfacher Fieberkrampf erfordert keine weiteren Untersuchungen über die zur Abklärung des Fiebers erforderlichen hinaus (CAVE: zusätzliche Bluttests und Neuro-Bildgebung haben wenig Nutzen und bergen das Risiko, das Kind unnötigen schmerzhaften Eingriffen und/oder Strahlung auszusetzen)
  • gezielte Untersuchungen bei atypischen Krankheitsverläufen oder komplexen Fieberkrämpfen
    • Ausschluss provozierter Krampfanfall: BZ, Serumelektrolyte
    • Ausschluss anfallsähnliche Erkrankungen: EKG
  • bei Kindern mit schwerem Krankheitsbild weitere Untersuchungen durchführen –> Warnzeichen für eine schwere Infektion sind:
    • komplexer Fieberkrämpfer
    • anhaltende postiktale Bewusstseinsstörung (> 1 h)
    • Anzeichen einer Sepsis, Meningitis oder Enzephalitis
    • unvollständige Immunisierung ggü. Haemophilus influenzae B oder Streptococcus pneumoniae
  • Neuro-Bildgebung bei komplexem Fieberkrampf nach Rücksprache mit erfahrenem ärztlichen Personal erwägen
  • Anfall > 5 min wie „normalen“ Krampfanfall behandeln
  • Behandlung der zugrunde liegenden Ursache des Fiebers (CAVE: Kinder mit einfachem Fieberkrämpf haben das gleiche Risiko für schwere bakterielle Infektion wie Kinder mit Fieber allein)
  • fortlaufende Behandlung mit Antiepileptika nicht routinemäßig empfohlen
  • Indikationen für stationäre Aufnahme
    • Beeinträchtigung der Atmung oder Kreislauf
    • anhaltender Fieberkrampf
    • anhaltende postiktale Bewusstseinsstörung (> 1 h)
Published inLeitlinien kompakt

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