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Empfehlung „Standardizing Tourniquet Reassessment and Conversion Across TCCC Tiers“ des CoTCCC

veröffentlichende Fachgesellschaft: Committee on Tactical Combat Casualty Care (CoTCCC)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 03.04.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.55460/j.spec.oper.med.2026.m4v1-o3y7

Definitionen

  • „Entfernung“: Abnahme des Tourniquets von der verletzten Extremität
  • „Konversion“: Entfernen des Tourniquets und Ersetzen durch alternative Methode zur Blutstillung (z.B. hämostatischer Verband oder Druckverband)
  • „Neupositionierung“: Tourniquet näher an die Wunde an der verletzten Extremität platzieren
  • CAVE: Begriff „Ersatz“ sollte aus dem TCCC-Vokabular gestrichen werden –> vereinfachte Definitionen verringern Verwirrung

Zeitgrenzen bei Tourniquet-Nutzung

Weinrauchs „Tourniquet Traffic Light“-Modell
< 2 h: „sicher“
2 – 6 h: „vorsichtig“
> 6 h: „kritisch“

  • TCCC-Einsatzkräfte im Kriegssetting sollen so bald wie taktisch möglich, spätestens jedoch 2 h nach Anlage, ein erneute Beurteilung der angelegten Tourniquets vornehmen:
    • ASM (Stufe 1) & CLS (Stufe 2): Neubewertung, Neupositionierung oder Konversion innerhalb von 2 h nach Anlage, sobald taktisch möglich und keine Kontraindikationen vorliegend (z.B. Schock oder Überwachung der Verletzung nicht mgl.)
    • CMC (Stufe 3) & CPP (Stufe 4): Umwandlung innerhalb von 2 – 6 h unter kontinuierlicher Überwachung, mit Flüssigkeitsmanagement und, sofern verfügbar, mit labortechnischer Unterstützung zur Behandlung von Reperfusionsschäden
    • nach > 6 h wird Konversion vor KH-Einlieferung nicht empfohlen –> Entfernung des Tourniquets nur in Umgebung mit fortgeschrittenen Überwachungs- und Behandlungsmöglichkeit

EXKURS – Tactical Combat Casualty Care (TCCC)-Ausbildungsstufen
– TCCC-ASM (alle Soldat*innen – Stufe 1): 7-stündiger Kurs für alle Soldat*innen)
– TCCC-CLS (Combat Lifesaver – Stufe 2): 40-stündiger Kurs für nicht-medizinisches Militärpersonal, das zur Unterstützung von Kampfeinsätzen im Einsatz ist
– TCCC-CMC (Combat Medic/Corpsman – Stufe 3) & TCCC-CPP (Combat Paramedic and Provider – Stufe 4): 63-stündiger Kurs für militärisches medizinisches Personal, inkl. Sanitäter*innen und Pararescue-Personal, das zur Unterstützung von Kampfeinsätzen im Einsatz ist

Auswirkung fehlgeschlagener Konvertierungsversuche auf Zeitgrenzen

  • kontinuierliches Zeitmodell, in dem das Risiko einer ischämischen Schädigung mit der Dauer unabhängig von einer vorübergehenden Reperfusion zunimmt
  • kontinuierliche Erhebung der Ischämiezeit von der ersten Anlage bis zur endgültigen Entfernung
  • fehlgeschlagener Wechsel (nicht erfolgreiche Konversion von Tourniquet zu anderer Methode der Blutstillung, die ein erneutes Schließen eines Tourniquet erfordert) setzt 2-Stunden-Neubewertung oder max. Schwellenwerte von 2 – 6 Stunden nicht zurück
  • wenn Konversion nahe der 6-Stunden-Grenzen fehlschlägt, Tourniquet angelegt lassen und Entfernung bis zu einer definitiven, überwachten Therapie verschieben
  • alle Versuche einer erneuten Beurteilung auf TCCC-Verletzungskarte genau dokumentieren, inkl. Zeitpunkte der Konversionsversuche, erneutes Schließen des Tourniquet und klinischen Beobachtungen

Schock-Erkennung

  • Schock weiterhin als Kontraindikation für Tourniquet-Konversion beibehalten
  • weitere Schulung bzgl. der einfachen, auf Beobachtung basierenden Erkennung eines Schocks, auch für nicht-medizinische Ersthelfende
    • ASM (Stufe 1): Erkennung grundlegende Schockzeichen wie Tachypnoe, Bewusstseins-/Konzentrationsprobleme sowie kühle, feuchte, blasse oder graue Haut
    • CLS (Stufe 2): zusätzlich Beurteilung der Perfusion anhand Pulsqualität, Bewusstseinszustand und Hautbefund/-kolorit

standardisierter Algorithmus zur Neubewertung

  • Algorithmus basiert auf Modell des NATO STO HFM Specialist Team und wurde für die Implementierung im TCCC (Tourniquet Comprehensive Care) an die Ausbildungsstufen und Doktrin des US-Militärs angepasst
  • Algorithmus ist in klarer, handlungsorientierter Sprache verfasst und verwendet intuitive, farbcodierte Ablaufpfade, die dem Ampelkonzept nachempfunden sind
  • unterschiedliche Zonen kennzeichnen zeitbasierte Risikokategorien (< 2 h, 2 – 6 h, > 6 h) und legen stufenspezifische Maßnahmen für die erneute Beurteilung, Neupositionierung und Umstellung fest
Published inLeitlinien kompakt

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