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Leitlinie „Management of Nitrous Oxide Related Presentations in the Emergency Department“ der IAEM

veröffentlichende Fachgesellschaft: Irish Association for Emergency Medicine (IAEM)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 14.04.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://iaem.ie/professional/clinical-guidelines/

Grundsätzliches

  • Lachgas (N2O) ist ein geruchloses, farbloses, nicht brennbares Inhalationsanästhetikum
  • Euro-DEN hat Anstieg der Meldungen über Freizeitkonsum von Lachgas in mehreren europäischen Ländern festgestellt Lachgas kann online in großen Kanistern oder in für andere Zwecke zugelassenen Formen, wie z.B. industrielle Sahnesprühdosen, erworben werden
  • Freizeitkonsum v.a. wegen des schnell einsetzenden, kurzzeitigen Gefühls der Euphorie und Entspannung

Pathophysiologie

  • N2O führt zur irreversiblen Inaktivierung von Vitamin B12 durch Oxidierung des kobalthaltigen Rings, was funktionellen Mangel verursacht
  • Inaktivierung von Cobalamin (Vitamin B12) führt zur Verringerung der Methioninsynthase-Aktivität
  • Inaktivierung der Methioninsynthase führt zu Methioninmangel, wodurch die Methylierung von Myelinproteinen verhindert wird und sowohl eine Demyelinisierung im ZNS & PNS als auch eine Störung der axonalen Regeneration verursacht wird
  • Anreicherung von Metaboliten führt zu Hyperhomocysteinämie, die mitochondriale Dysfunktion, oxidativen Stress, endotheliale Dysfunktion, Entzündungen & NMDA-Exzitotoxizität begünstigt

Symptomatik

  • akute Intoxikation
    • Verletzungen infolge der Intoxikation oder Synkope
    • Hypoxie und Asphyxie (Arrhythmien, Krampfanfälle, hypoxische Hirnschädigung oder Tod)
    • Barotrauma (Pneumothorax, Pneumomediastinum, Trommelfellruptur)
    • Verwirrtheit, Halluzinationen
    • Übelkeit & Erbrechen mit Aspirationsgefahr
    • Schwindel
    • Parästhesien
    • Kälteschäden an den Lippen oder der Schleimhaut
  • chronische Symptomatik
    • Ataxie
    • periphere Neuropathie
    • Myelopathie (subakute kombinierte Degeneration des Rückenmarks)
    • Psychosen

Diagnostik

  • CAVE: bei Patient*innen mit neurologischen Auffälligkeiten ohne offensichtliche Ursache Lachgasvergiftung als mögliche Ursache für Symptome in Betracht ziehen
  • typisches Krankheitsbild besteht aus Kombination aus zervikaler Myelopathie und längenabhängiger Neuropathie (d.h. Myeloneuropathie)
  • Bildgebung
    • keine Indikation für Kopf-CT/MRT, außer es besteht der V.a. andere Ursache, wie z.B. Trauma
    • MRT der gesamten Wirbelsäule ist Bildgebung der Wahl zur Beurteilung von Veränderungen des Rückenmarks im Zusammenhang mit durch Lachgas verursachter subakuter kombinierter Degeneration des Rückenmarks (CAVE: Untersuchung muss nicht bereits während der Untersuchung in der Notaufnahme durchgeführt werden)
  • Anamnese
    • sensorische Ausfälle (entweder klassisches Muster einer peripheren Neuropathie oder isolierte Bereichen von Taubheitsgefühlen oder Parästhesien)
    • motorische Ausfälle (klassischerweise vorwiegend in den unteren Extremitäten oder mit Problemen bei der Feinmotorik)
    • Ataxie
    • Harnverhalt
    • erektile Dysfunktion
    • unspezifische Symptome wie Verwirrtheit
    • Persönlichkeitsveränderungen (inkl. Niedergeschlagenheit oder Reizbarkeit)
    • hämatologische Anomalien (Makrozytose, Anämie, Agranulozytose oder Panzytopenie)
  • biochemische Marker für N2O-Konsum
    • Homocysteinspiegel steigt bei kürzlichem Konsum rasch an (sensitiver, aber nicht so spezifischer Biomarker)
    • Methylmalonsäure-Wert im Plasma ist zuverlässiger Marker für funktionellen Vitamin-B12-Mangel
  • Laboruntersuchung/-Parameter
    • großes Blutbild
    • Leber- & Nierenwerte
    • Kalzium
    • Magnesium
    • Phosphat
    • CRP
    • Folsäure
    • Vitamin B12
    • CAVE: vor Vitamin B12-Gabe folgende Wert prüfen –> Methylmalonsäure (MMA) & Homocystein

Therapie

  • 1 mg Hydroxocobalamin i.m. sollte so bald wie möglich nach Untersuchung (noch vor Vorliegen diagnostischer Testergebnisse) –> 1 mg Hydroxocobalamin i.m. tgl. für 1 Woche
  • 5 mg Folsäure tgl. oral
  • CAVE: Hinweis an alle Patient*innen, dass Vitamin-B12-Injektionen und -Präparate wahrscheinlich keinen Erfolg haben bei weiterem Lachgas-Konsum
  • Weiterleitung an lokale Drogen-Hilfseinrichtungen

Sonderfall Erfrierungen

  • Erfrierungen durch direktes Aufsprühen oder Verschütten des verflüssigten Gases auf die Haut mgl. (Temperatur beim Kontakt etwa -55 °C bis -88 °C)
  • Temperatur des Metallbehälters kann beim Austritt von Lachgas aus dem unter hohem Druck stehenden Behälter (zur direkten Inhalation oder zum Befüllen eines Ballons) aufgrund der physikalischen Eigenschaft der adiabatische Abkühlung kurzzeitig auf etwa – 40 °C absinken
  • bei unsachgemäßer Handhabung des Behälters sind erhebliche Kontakt-Erfrierungen mgl.
  • Verletzungen an den Innenseiten der Oberschenkel durch das längere Halten eines großen Lachgasbehälters zwischen den Oberschenkeln beim Befüllen von Ballons mit Gas mgl.
  • Verletzungen können Nekrose der Haut und des darunterliegenden Fettgewebes zur Folge haben –> ggf. tiefes Debridement und Rekonstruktion mittels Teilhauttransplantation nötig
Published inLeitlinien kompakt

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