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Leitlinie „Tactical Combat Casualty Care Guidelines for Medical Personnel“ des CoTCCC (Update 2026)

veröffentlichende Fachgesellschaft: Committee on Tactical Combat Casualty Care (CoTCCC)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.05.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://learning-media.allogy.com/api/v1/pdf/18ccfdfc-a076-47e9-8a34-376efdd81b43/contents

Care Under Fire/Threat

  • verletzte Person anweisen, sich in Deckung zu begeben und sich selbst zu versorgen, wenn möglich, oder wenn taktisch möglich, verletzte Person in Deckung bringen/ziehen
  • verhindern, dass Verletzte weitere Verletzungen erleiden
  • Verunglückte aus brennenden Fahrzeugen/Gebäuden herausholen und an sichere Orte bringen (Brände löschen, falls möglich)
  • lebensbedrohliche Blutungen mittels proximal der Blutung angelegtem Tourniquet stoppen (falls Blutung nicht klar erkennbar, Tourniquet-Anlage so “high and tight”, also so proximal wie möglich)
  • Atemwegsmanagement am besten bis zur „Tactical Field Care“-Phase aufschieben

Tactical Field Care

massive/lebensbedrohliche Blutungen

  • Suchen nach bisher unerkannten Blutungen; Kontrolle aller Blutungsquellen
  • falls noch nicht geschehen: Tourniquet-Anlage (2 – 3 cm proximal der Blutungsstelle); ggf. ein zweites Tourniquet, sofern Blutung nicht sistiert
  • Verwendung von blutstillender Gauze als hämostatische Wundauflage bei mit Tourniquet nicht stillbaren Blutungen als Ergänzung oder als Einzeltherapie (min. 3 min direkter Druck nach Behandlung mit hämostyptischer Gaze)
  • iTClamp bei Blutungen im Kopf-/Halsbereich, bei denen die Wundränder leicht wieder angenähert werden können (vorher Woundpacking mit hämostatischem Verband)
    • bei Anwendung am Hals regelmäßige Kontrollen des Atemweges und auf sich ausbreitende Hämatome achten (ggf. erweitere Atemwegssicherung erwägen)
    • keine Anwendung auf oder in der Nähe des Auges/Augenlids (> 1 cm der Augenhöhle)
  • Erstuntersuchung auf hämorrhagischen Schock (Bewusstseinszustand, schwacher/fehlender Radialispuls) und ggf. Einleitung Wiederbelebung/Schock-Therapie

A – Atemwegsmanagement

  • Überprüfung hinsichtlich des freien Atemwegs
  • direktes erweitertes Atemwegsmanagement bei (drohender) traumatischer Atemwegsobstruktion
  • Verletzten bei Bewusstsein helfen, Position einzunehmen, die bestmöglich den Atemweg schützt (z.B. Sitzen, gebeugt nach vorne)
  • bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage, Kopf überstrecken
  • Absaugung des Atemwegs, falls notwendig und realisierbar
  • falls vorangegangenes Atemwegsmanagement erfolglos und Atemwegsobstruktion nicht beherrschbar (z.B. Gesichtsfraktur, direkte Atemwegsverletzung, Blutung, Verformung oder Verbrennung), Durchführung chirurgische Krikothyreotomie in…
    • … Bougie-unterstützter offener chirurgischer Technik
    • … offener chirurgischer Standardtechnik
    • Platzierung mit kont. etCO2-Messung überprüfen
    • falls Patient*in noch bei Bewusstsein Lidocain als Lokalanästhetikum verwenden
  • SpO₂, etCO₂ und Atemwege regelmäßig überprüfen
  • keine HWS-Stabilisierung bei penetrierendem Trauma

B – Beatmung

  • Spannungspneumothorax
    • V.a. Spannungspneumothorax bei Thoraxtrauma, primären Explosionsverletzungen oder folgenden Entitäten:
      • schwere/fortschreitende Atembeschwerden
      • schwere/fortschreitende Tachypnoe
      • fehlende oder deutlich verminderte, einseitige Atemgeräusche
      • SpO2 < 90 %
      • Schock
      • traumatischer Herzstillstand ohne offensichtlich tödliche Verletzungen
    • initiale Versorgung des Spannungspneumothorax
      • Entfernung von persönlicher Schutzausrüstung (z.B. schusssichere Weste)
      • Lagerung in Flachlagerung oder mit leicht erhöhtem Oberkörper (falls bei Bewusstsein, ggf. auch in sitzender Position)
      • Dekomprimierung auf verletzter Seite mit 14er/ 10er 3,25-Zoll-Nadel im 5. ICR VAL oder 2. ICR MCL im 90°-Winkel knapp über der Oberkante der unteren Rippe
      • bei traumatischem Herzstillstand beidseitige Dekomprimierung
    • Nadeldekompression erfolgreich, wenn…
      • Besserung der Atemnot
      • deutlich zischendes Geräusch hörbar
      • Anstieg SpO2 auf > 90 % (CAVE: ggf. einige Minuten warten)
      • Wiedererlangung von Bewusstsein und/oder Radialispuls
    • zweite Nadeldekompression, wenn initiale frustran oder Symptome wieder auftreten (nicht genutzte Punktionsstelle nutzen) und ggf. auch Nadeldekompression auf der anderen Thoraxseite erwägen
  • offene und/oder saugende Thoraxverletzungen mit Chest Seal mit Ventil versorgen (Überwachung bzgl. Spannungspneumothorax)
  • O2-Gabe bei SpO2 < 90 % mit Ziel von SpO2 ≥ 92 %
  • bei schlechter Ventilation und nicht korrigierbare Hypoxie mit SpO2 < 90 % (oder < 92 % bei moderatem/schwerem SHT) Einlage von Wendl-Tubus sowie Beutel-Maske-Beatmung (Beatmung mit 1000-mL-Beatmungsbeutel)
  • kontinuierliche EtCO₂- und SpO₂-Überwachung

C – Circulation

  • Anlage Beckenschlinge bei V.a. Beckenfraktur und schwerer Gewalteinwirkung bzw. Explosionsverletzung sowie…
    • Schmerzen im Beckenbereich
    • größere (Beinahe-)Amputationen der unteren Extremitäten
    • Hinweis auf Beckenfraktur bei körpl. Untersuchung
    • Bewusstlosigkeit und/oder Schock
  • Reassesment von vorher angelegten Tourniquets
    • Wunde/Verletzung freilegen –> Prüfung, ob Tourniquet weiter erforderlich ist
    • falls Tourniquet weiter erforderlich, Tourniquet direkt auf der Haut 5 – 7,5 cm oberhalb der Wunde/Verletzung anlegen und anschließend ersten Tourniquet lockern –> Prüfung, ob Blutung wirklich gestoppt ist
    • Prüfung des distalen Puls, wenn keine traumatische Amputation vorliegt –> falls Blutung anhält oder Puls distal des Tourniquets noch tastbar ist, Tourniquet enger drehen oder Anlage eines weiteren Tourniquet neben dem initialen Tourniquet
    • wenn Prüfung, dass zuvor angelegte Tourniquet nicht erforderlich war, Tourniquet entfernen und Zeitpunkt der Entfernung auf Verletztenkarte vermerken
    • Wechsel von Tourniquet auf hämostyptische Gaze oder Druckverband, wenn kein Schock vorhanden ist, Wunde/Blutung gut überwachbar oder Tourniquet bei Verletzung eigentlich nicht indiziert
    • Anlagezeit Tourniquet: nicht > 2 h; Tourniquet nicht entfernen, der > 6 h angelegt ist (nur unter engmaschiger Überwachung/Laborkontrolle
    • für alle Tourniquets Anlage-/Konversions-/Entfernungszeitpunkt dokumentieren
    • kein Tourniquet-Wechsel > 2 h nach Anlage, außer von hochqualifiziertem medizinischem Fachpersonal angeordnet
  • Prüfung auf Zeichen eines hämorrhagischen Schocks (verändertes Bewusstsein ohne Hirnverletzung und/oder schwachen/fehlenden Radialpuls)
  • medikamentöse und Volumentherapie
    • bei Schock(-Risiko) oder Notwendigkeit der Medikamentenapplikation Anlage eines min. 18G-pVKs und NaCl-Gabe; falls i.v.-Zugang nicht möglich, i.o.-Zugang etablieren
    • Priorisierung bei Auswahl infundierbare Flüssigkeiten bei Schock: kühl gelagertes Vollblut (Blutgruppe 0) → vorher geprüftes frisches Vollblut mit niedrigen Titer (Blutgruppe 0) → Plasma, Erythrozyten und Thrombozyten im Verhältnis 1:1:1 → Plasma oder Erythrozyten im Verhältnis 1:1 → Plasma oder Erythrozyten allein (nach jeder Gabe Re-Evaluation und Fortsetzung bis Radialpuls tastbar, verbessertes Bewusstsein oder RRsys > 100 mmHg)
    • 1 g Kalzium i.v./i.o. nach erster Bluttransfusion (30 mL Kalziumgluconat 10 % oder 10 mlL Kalziumchlorid 10 %)
    • Wärmeerhalt (Spätestens jetzt!!!)
    • wenn kein Schock, keine Flüssigkeitsgabe i.v. notwendig –> orale Flüssigkeitszufuhr, wenn Patient*in bei Bewusstsein und schluckfähig
    • Transfusion sollte so schnell wie möglich nach einer lebensbedrohlichen Blutung erfolgen
    • RR-Zielwert: > 100 mmHg (v.a. bei schwachem/fehlendem Radialpuls bei V.a. SHT)
    • regelmäßige Prüfung bzgl. erneutem Schock
    • bei refraktärem Schock Spannungspneumothorax als Ursache erwägen und behandeln

Hypothermie-Prävention

  • frühzeitige, aggressive Maßnahmen für externe Wärmezufuhr ergreifen
  • Minimierung Exposition der Patient*innen ggü. kalten Boden-, Wind- und Lufttemperaturen. (Isolierung zum Boden sowie Wärmedecken)
  • nasse Kleidung durch trockene ersetzen, wenn möglich
  • falls vorhanden, aktive Wärmedecke um Thorax wickeln und unter die Arme in die Achselhöhlen legen (CAVE: nicht direkt auf die Haut legen –> Verbrennungsgefahr)
  • falls vorhanden i.v./i.o.-Flüssigkeitstherapie mit batteriebetriebenen Infusionswärmer
  • Schutz der Patient*innen vor Wind und Niederschlag

Schädel-Hirn-Trauma

  • Beurteilung und Behandlung bei V.a. leichtes SHT/Gehirnerschütterung im Allgemeinen besser in „Prolonged Casualty Care“-Phase oder spätere Versorgungsphasen verschieben
  • V.a. moderates oder schweres SHT bei folgenden Punkten: Unfähigkeit, einfache Anweisungen (Daumen hoch, zwei Finger zeigen oder blinzeln) > 10 min nach Verletzung auszuführen UND V.a. Kopfverletzung ohne alternative Ursache (CAVE: lieber auf Nummer sichergehen und moderates oder schweres SHT annehmen)
    • Verletzte so schnell wie möglich in Einrichtung mit Neurochirurgie verlegen
    • Hypoxämie verhindern (Ziel-SpO2: ≥ 92 %) –> ggf. Atemwegssicherung und Atemunterstützung (O2-Gabe, wenn verfügbar)
    • Hypotonie verhindern –> Ziel-RRsys > 100 mmHg ODER normaler Radialispuls, falls RR-Messung nicht mgl.
      • hämorrhagischer Schock vorliegend: Flüssigkeitstherapie bei hämorrhagischem Schock Vorrang vor Flüssigkeitstherapie bei SHT
      • kein Hinweis auf Blutung: Gabe von 1 – 2 Einheiten Plasma (CAVE: keine Indikation für Plasma bei leichtem SHT/Gehirnerschütterung)
    • Ziel-etCO2 von 35 – 45 mmHg, wenn beatmet (wenn keine etCO2-Messung mgl., Beatmung mit niedrigem Tidalvolumen bei AF von 10/min, also ein Atemzug alle 6 sec)
  • Hirndrucksenkung
    • Oberkörper-Hochlagerung (> 30 °), wenn kein Schock UND taktisch machbar
    • Halskrause lockern und Kopf nach vorne gerichtet halten, ohne den Hals zu drehen
    • auf Agitation auch und ggf. Schmerzmittel und/oder Beruhigungsmittel-Gabe
  • Herniation erkennen und behandeln (asymmetrische oder starre/erweiterte Pupille(n) oder Körperhaltung):
    • 250 ml 3 oder 5 %ige hypertone NaCl ODER 30 mL 23,4 %ige hypertone NaCl i.v./i.o. über mind. 10 min, gefolgt von Spülung mit Kochsalzlösung
    • Wdh. bei ausbleibender Reaktion nach 20 min (max. 2 Dosen)
    • i.v./i.o.-Zugangstelle überwachen und Abbruch bei Anzeichen einer Extravasation (keine prophylaktische Gabe; hypertone NaCl nicht für Flüssigkeitstherapie bei Schock)
  • kein grundsätzliche abwartende Behandlung bei penetrierendem SHT oder offenem Schädelbruch
    • Wunde/Verletzung verbinden
    • blutstillende Gaze auflegen bei aktiver Blutung aus Wunde/Verletzung oder Wundrändern (CAVE: Gaze nicht in Wundhöhle einbringen, Wunde/Verletzung nicht mit Klammern/Nähten verschließen
    • vorsichtige Spülung starker Verunreinigungen mit NaCl oder Trinkwasser unter geringem Druck ist zulässig
    • Antiobiotika-Gabe
    • neurologische Untersuchung alle 5 – 10 min

penetrierende Augenverletzungen

  • Schnelltest bzgl. Sehschärfe (CAVE: Dokumentation)
  • Auge mit einer starren Augenklappe abdecken (CAVE: kein Druckverband)
  • 2 g Ceftriaxon i.v./i.m. oder 1 g Cefadroxil oral so bald wie möglich

Monitoring

  • erweitertes Monitoring, sofern indiziert und Geräte verfügbar

Analgesie

  • Verletzte verbleibt im Einsatz bzw. ist einsatzfähig
    • Analgesie durch Selbstmedikation oder unter Mitwirkung von TCCC-Personal
    • TCCC Combat Wound Medication Pack (CWMP)
      • Paracetamol: 1000 – 1300 mg (z.B. zwei 650-mg-Retardtabletten) oral alle 8 h
      • Meloxicam: 15 mg oral einmal tgl.
      • Suzetrigin: 100 mg oral einmal (2 x 50-mg-Tabletten), danach 50 mg oral alle 12 h
  • Verletzte können nicht weiterkämpfen/sind nicht einsatzfähig
    • falls noch nicht geschehen, Selbstmedikation gemäß CWMP) SOWIE Analgesie durch med. Fachpersonal
      • 100 mg Ketamin i.m.
      • 50 mg Ketamin i.n.
      • 25 mg Ketamin i.v./i.o. (oder 0,2 – 0,3 mg/kg) über 1 min
      • 14 mg oder 28 mg Esketamin einmalig i.n.
    • Dosen bei Bedarf alle 30 min wiederholen
    • Endpunkte für Analgesie: Schmerzlinderung oder Auftreten von Nystagmus (rhythmische Augenbewegung)
  • Funkgeräte etc. deaktivieren bei Verletzten nach Ketamin-Gabe
  • Ziel der Analgesie ist…
    • … erträgliches Schmerzniveau zu erreichen
    • … Sicherstellung des Atemweges, des Atemantriebs und Aufrechterhalten des Bewusstseins
    • … keine vollständiger Schmerzbeseitigung oder totale Sedierung
  • Bewusstseinszustand gemäß WASB/AVPU-Schema prüfen
  • engmaschige Überwachung bei allen Verletzten nach Gabe starker Analgetika
  • Ketamin-Gabe
    • höhere Konzentration (100 mg/ml) für i.n.-Gabe, um Volumen zu minimieren
    • Ketamin i.v./i.o. langsam über Zeitraum von 1 min verabreichen
    • Ketamin-Gabe nach Opioid-Gabe ist im Allgemeinen sicher
  • SHT und Augenverletzung schließen Ketamin-Gabe nicht aus (CAVE: Behinderung der neurologischen Untersuchung und Feststellung einer möglichen Dekompensation bei SHT-Patient*innen nach Gabe sedierender Analgetika)
  • „Schnüffelposition“, wenn Atmung nach Opioid- oder Ketamin-Gabe verlangsamt ist
  • 4 mg Ondansetron oral als lösliche Tablette/i.v./i.o./i.m. alle 8 h nach Bedarf bei Übelkeit oder Erbrechen
  • gleichzeitige Gabe von Benzodiazepinen mit Ketamin/Esketamin NICHT empfohlen
  • keine Empfehlung für Polypharmazie (Benzodiazepine NICHT in Verbindung mit Opioiden)
  • bei teilweiser Dissoziation mehr Ketamin als Benzodiazepin-Gabe

Antibiotika

  • Antibiotika bei allen offenen Kampfverletzungen und invasiven Eingriffen empfohlen
  • bei oraler Einnahme
    • 1 g Cefadroxil oral einmal tgl.
    • alternativ: 500 mg Cephalexin oral alle 6 h
  • orale Einnahme nicht mgl. (Schock, Bewusstlosigkeit)
    • 2 g Ceftriaxon i.v./i.o./i.m. einmal tgl.

Wundversorgung

  • schon bekannte Verletzungen untersuchen und versorgen
  • Suche nach weiteren Wunden und Versorgung selbiger
  • Austritt von Eingeweide
    • Blutstillung sowie Spülung mit sauberer (und wenn möglich warmer) Flüssigkeit
    • Blutstillung bei unkontrollierbaren Blutungen mittels hämostyptischer Gaze (Spülung mit sauberer, möglichst warmer Flüssigkeit)
    • ausgetretene Eingeweideanteile NICHT zurück in Bauchraum schieben bei Anzeichen für Darmdurchbruch (Austritt von Magen-/Darmflüssigkeit oder Stuhl) oder aktiver Blutung
    • einmaliger Versuch ausgetretene Eingeweideanteile zurück in Bauchraum schieben, wenn KEINE Anzeichen für Darmdurchbruch vorliegen und Blutung sichtbar gestillt ist (CAVE: max. 60 sec für Versuch)
    • wenn Zurückschieben in Bauchraum nicht mgl., freigelegte Eingeweideanteile mit feuchten, sterilen, nicht klebendem Material abdecken, vorzugsweise durchsichtiges Material
    • Eingeweideanteile NICHT gewaltsam zurück in den Bauchraum schieben und Kontakt mit aktiv blutenden Eingeweideanteilen vermeiden
    • Verletzte nüchtern belassen
  • Sedierung durch med. Fachpersonal erforderlich bei schweren Verletzungen, die Dissoziation zur Sicherheit des Verletzten oder zum Einsatzerfolg erfordern, oder wenn Verletzte invasiven Eingriff benötigen
    • 1 – 2 mg/kg Ketamin langsam i.v./i.o. als Initialdosis (Endpunkte: prozedurale dissoziative Anästhesie)
    • 300 mg Ketamin i.m. (oder 2 – 3 mg/kg i.m.) als Initialdosis (Endpunkte: prozedurale dissoziative Anästhesie)
    • im Notfall Gabe von 0,5 – 2 mg Midazolam i.v./i.o. erwägen
  • Frakturen schienen und Pulse erneut überprüfen

Verbrennungen

  • Grundsatz: Beurteilung und Behandlung als Traumapatient*in mit Verbrennungen und nicht als Verbrennungspatient*in mit Trauma
  • Verbrennungen im Gesicht können mit Inhalationstrauma einhergehen, daher Überwachung Atemwege & SpO2 (CAVE: bei Atemnot oder SpO2-Abfall frühzeitige chirurgische Versorgung erwägen)
  • Abschätzen VKOF immer in 10 %-Schritten mit Hilfe der Neuner-Regel
  • Verbrennungswunden trockenen und steril abdecken (bei Verbrennungen >20 % VKOF Einwickeln in Rettungsdecke als Wunversorgung & Hypothermie-Prävention)
  • Flüssigkeitstherapie
    • Ringer-Laktat-, NaCl- oder Hextend-Lösung bei > 20% VKOF sobald i.v.-/i.o.-Zugang etabliert (max. 1000 mL Hextend, gefolgt von Ringer-Laktat-, NaCl-Lösung je nach Bedarf)
    • initiale Flüssigkeitsmenge: % VKOF x 10 mL/h für Erwachsene mit Gewicht von 40 – 80 kg (bei > 80 kgKG für jede 10 kg zusätzlich 100 mL/h)
    • bei gleichzeitigem hämorrhagischer Schock hat Schock-Behandlung Vorrang
    • bei Verbrennungen < 30 % VKOF orale Flüssigkeitszufuhr erwägen, wenn Verletzte bei Bewusstsein und schluckfähig sind
  • medikamentös-analgetische Therapie in Betracht ziehen
  • präklinische Antibiotikatherapie bei Verbrennungen allein nicht indiziert
  • alle Maßnahmen bei Verbrennungsopfern auf oder durch die verbrannte Haut hindurch sind durchführbar
  • CAVE: Verbrennungsopfer sind besonders anfällig für Unterkühlung

Reanimation

  • kein Reanimationversuch bei Patient*innen mit Explosions- oder Penetrationstraumata und ohne Puls, Atmung oder andere Lebenszeichen
  • bds. Nadeldekompression bei Thoraxverletzungen oder Polytrauma bei Patient*innen ohne Puls und Atmung

Kommunikation & Dokumentation

  • mit Patient*in ermutigend, beruhigend und erklärend kommunizieren
  • so schnell wie möglich Kontaktaufnahme mit taktischer Einsatzleitung
  • Dokumentation aller klinischen Befunde, durchgeführten Maßnahmen & Zustandsänderungen

Transport

  • Patient*innendokumentation fertigstellen und selbigen mitgeben
  • Sichern aller losen Enden von Verbänden etc.
  • Sichern aller Decken/Gurte etc.
  • Patient*innen auf/für die Evakuierung vorbereiten

Tactical Evacuation Care

  • Übergabe: Weitergabe von Informationen über Patienten und Zustand so klar und schnell wie möglich (Mindestinformationen: stabil oder instabil, festgestellte Verletzungen und durchgeführte Behandlungen)
  • nach Evakuierung erneute Untersuchung der Verletzungen bzw. auf neue/weitere Verletzungen sowie Kontrolle aller bisher getroffenen Maßnahmen
  • endotracheale Intubation anstelle Krikothyreotomie in Betracht ziehen, wenn geübte Anwender*innen anwesend
  • bei respiratorischen Problemen: schnellstmögliche Sauerstofftherapie, sobald Sauerstoff verfügbar ist, bei niedriger SpO2, Verletzungen der Atemwege, Bewusstlosigkeit, SHT (SpO2 ≥ 92%), Schock, Unfall in großen Höhen, Rauchgasintoxikation
  • sofern während Evakuierung bei Patient*in kein Puls und/oder keine Atmung vorhanden, Durchführung einer bilateralen Nadeldekompression
  • während der Evakuierung Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen, wenn keine offensichtlich tödlichen Verletzungen vorliegen und chirurgische Weiterversorgung innerhalb kurzer Zeit möglich ist
  • weiterhin mit Patient*in ermutigend, beruhigend, erklärend kommunizieren
Published inLeitlinien kompakt

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