veröffentlichende Fachgesellschaft: European Stroke Organisation (ESO)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 07.05.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1093/esj/aakag004
prähospitale RR-Senkung bei V.a. akutem Schlaganfall
- keine routinemäßige Blutdrucksenkung im präklinischen Bereich bei V.a. Schlaganfall
- kein transdermalem Glyceryltrinitrat aufgrund des potenziellen Schadens bei Patient*innen mit ICB –> Urapidil oder Labetalol i.v. als Therapie der Wahl
RR-Senkung bei AIS ohne Reperfusionstherapie
- keine routinemäßige Gabe von blutdrucksenkenden Medikamenten bei AIS und RR < 220/110 mmHg, der nicht mit Thrombolyse i.v. (IVT) oder mechanischer Thrombektomie (MT) behandelt wird, zumindest in den ersten 24 h nach Symptombeginn, außer dies ist aufgrund bestimmter Begleiterkrankung erforderlich, die Blutdrucksenkung erfordern
- vorsichtige Blutdrucksenkung (Senkung des RRsys um < 15 % innerhalb von 24 h) sinnvoll und sicher bei AIS und RR > 220/110 mmHg, der nicht mit Thrombolyse i.v. oder mechanischer Thrombektomie (MT) behandelt wird (keine Empfehlung für spezifisches Antihypertensiva)
RR-Senkung bei AIS unter IVT/MT
- bei hospitalisierten AIS-Patient*innen, die Thrombolyse i.v. erhalten (mit oder ohne MT) vor Bolusgabe Blutdrucksenkung auf < 185/110 mmHg und nach Bolusgabe auf 180/105 mmHg für 24 h (keine Empfehlung für spezifisches Antihypertensiva)
- RRsys bei hospitalisierten AIS-Patient*innen, die Thrombolyse i.v. erhalten (mit oder ohne MT) nicht auf Zielwert von 130–140 mmHg senken im Vergleich zu < 180 mmHg während der ersten 72 h nach Symptombeginn
RR-Senkung bei LVO‑bedingtem AIS unter mechanischer Thrombektomie
- bei AIS-Patient*innen mit Large Vessel Occlusion (LVO), die MT erhalten (mit oder ohne IVT), RR während MT und für 24 h nach MT auf < 180/105 mmHg halten (keine Empfehlung für spezifisches Antihypertensiva)
- keine individualisierte Blutdruckbehandlung während der MT (orientiert an RR-Werten vor MT) bei AIS-Patient*innen mit LVO, die MT erhalten (mit oder ohne IVT)
- keine aktive RR-Senkung auf RRsys < 140 mmHg in den ersten 24 h nach erfolgreicher MT bei AIS-Patient*innen mit LVO, die MT erhalten (mit oder ohne IVT)
- Vermeidung von RRsys-Anfall bei AIS-Patient*innen mit LVO, die MT erhalten (mit oder ohne IVT)
- keine induzierte Hypertonie bei AIS-Patient*innen mit LVO, die eine erfolgreiche Reperfusion nach MT haben (definiert als Modified Thrombolysis in Cerebral Infarction Grade 3)
Vasopressor‑induzierte Hypertonie bei AIS ohne Reperfusionstherapie
- keine routinemäßige Gabe von Vasopressoren zur RR-Erhöhung bei AIS-Patient*innen, die Reperfusionstherapie (IVT oder MT) erhalten haben und bei denen sich der klinische Zustand verschlechtert
- vermuteter/nachgewiesener hämodynamischer Mechanismus als direkte Ursache bei AIS-Patient*innen, die Reperfusionstherapie (IVT oder MT) erhalten haben und bei denen sich der klinische Zustand verschlechtert –> Durchführung folgender Maßnahmen
- bestehende blutdrucksenkende Therapie abbrechen
- Flüssigkeit i.v. verabreichen
- nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Erhöhung des Blutdrucks einleiten
- keine alleinige Vasopressor-Gabe zur RR-Erhöhung unter sorgfältiger Überwachung des Blutdrucks
Fortsetzung oraler Antihypertensiva bei AIS
- bisherige orale blutdrucksenkende Therapie nicht routinemäßig fortsetzen bei AIS-Patient*innen
- bisherige orale blutdrucksenkende Therapie bei Patient*innen mit Schluckstörungen abbrechen, bis die Schluckfunktion wiederhergestellt ist oder Magensonde gelegt wurde
intensive RR-Senkung bei akuter ICB
- bei akuter spontaner ICB und RRsys zwischen 150 – 220 mmHg ist das Gesamtverhältnis von Nutzen und Nebenwirkungen ungewiss –> Empfehlung für Teilnahme an laufenden randomisierten kontrollierten Studien
- RRsys-Senkung auf < 140 mmHg bei bei leichter oder mittelschwerer ICB (Hämatomvolumen < 30 mL) innerhalb von 6 h nach Symptombeginn
- Senkung des RRsys um > 70 mmHg ggü. Ausgangswert sowie aktive Senkung des RRsys auf < 110 mmHg bei spotaner ICB vermeiden (CAVE bei der Senkung von sehr hohem RRsys > 220 mmHg bei großem Hämatomvolumen von > 30 mL oder wenn Hämatomentfernung geplant ist)
- Bevorzugung blutdruckzielbasierter Interventionen ggü. Interventionen auf Basis fester blutdrucksenkender Medikamente bei akuter ICB
- Einleitung einer blutdrucksenkenden Therapie so früh wie möglich, am besten innerhalb von 2 h nach Symptombeginn bei spontaner leichter oder mittelschwerer ICH (Hämatomvolumen < 30 mL) –> RRsys-Senkung auf < 140 mmHg und Minimierung von Schwankungen im Blutdruckverlauf
- nach Senkung des RRsys unter Zielwert (bis zu 7 Tage, subakute Phase) Aufrechterhaltung des RRsys < 140 mmHg
Fortsetzung vs. Unterbrechung antihypertensiver Therapie bei akuter ICB
- Unsicherheit bzgl. der Vorteile und Risiken einer Fortsetzung ggü. einer vorübergehenden Unterbrechung der bisherigen blutdrucksenkenden Therapie bei akuter ICB


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